Vom Schuldenmachen - erster Versuch (1)

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Eines der beliebtesten Themen der großen Politik ist die Frage der Schulden. Stichwort "Schuldenbremse". Grundlage der ganzen Diskussion ist eine Milchmädchenlogik: Schulden sind etwas Schlimmes, zu viele Schulden sind eine Katastrophe. Letztlich werden dabei volks- und betriebswirtschaftliche Prozesse auf der Ebene eines Privatkredits veranschaulicht. Wie schrecklich es ist, wenn ich oder du deine Kredite nicht mehr begleichen kannst. Damit das einen besonders harten moralischen anstrich bekommt, heißt das im großen Sinn, "wir" lebten auf Kosten unserer Kinder. Wie gruselig. Ein anständiger Mensch mag sich das gar nicht vorstellen. Eine Pastorentochter mag gern auf diesem Gefühl der Verantwortung herumreiten. In Wirklichkeit ist hier ein Bild der engen Privatvorstellung auf die Gesamtwirtschaft übertragen. Das muss eigentlich schief gehen, denn die inneren Gesetze der Marktwirtschaft entstehen und wirken est in dem Augenblick, in dem ein wirtschaftlicher Kreislauf Elemente enthält, die auf unbekannten Dritten beruehen. Solange ich nur Beziehungen eingehe, die ich selber überblicke, brauche ich kein Geld. Das ist erst notwendig, wenn ich etwas will, das mir mein Bekannter nicht geben kann. Aber nehmen wir der Frau Pastorentochter doch ihre Milchmädchen-Denke auf:

Die Katastrophe, die nicht zurückzahlbare Schulden für mich darstellen, beruht letztlich auf der Über-Macht der Kreditgeber. Die Kreditgeber verfügen gegen mich über Gewaltmittel, denen ich mich nicht entziehen kann: der private Kredithai über Knüppeljungs, der juristisch seriöse Partner, nennen wir ihn "Bank" über Staatsgewalt - praktisch für mich dasselbe.

Das "Schlimme" an Schulden ist also ihre Rückzahllast.

Ergo: Im Privatverkehr sind Schulden immer zweiseitig. Auf der einen Seite ich als Schuldner auf der anderen ein Gläubiger. 

Nehmen wir ein primitives Beispiel: Du leihst dir von mir ein Werkzeug. 

Ich kann es verleihen, wenn ich es nicht oder im Augenblick nicht brauche. Im ersten Fall ist es schon ein erarbeiteter Überschuss, im zweiten eigentlich auch - es ist ja da. Wenn du es zurückgibst, kommt es eigentlich NUR darauf an, dass es im selben Zustand wieder zurück käme. Dann läge ja exakt derselbe Zustand vor, als ob der Leihvorgang nicht stattgefunden hätte. Da du eine unterschiedlich geringe Abnutzung verursacht hast, ist es angemessen, dass du mir mit Produkten deine Abnutzung ausgleichst - weil ich es ja nun nicht mehr tun kann.  In diesem Umfang stehst du in meiner Schuld. Praktisch wäre es egal, ob du dir von mir ein Werkzeug borgst oder einen allgemeinen Gegenwert in Geld, mit dem du dir genauso wie ich andernorts ein Werkzeug besonrgen kannst.

Praktisch werde ich "Kapitalist", wenn ich diesen konkreten Vorgang durch einen anderen "ergänze", ihn in einen Geschäftsvorgang verwandle: Wenn ich mein Verliehenes mit einem Mehr zurück verlange. 

Was ist der Gesamtwirtschaftliche Unterschied?

Während im ersten Fall meine wirtschaftliche Situation nachher im Wesentlichen gleich der vorher ist, der Werkzeugbenutzers einen Lebensunterhalt gesichert oder verbessert hat, sauge ich im Kapitalfall Lebensunterhalt vom anderen ab, ohne selbst etwas zu leisten ... bis auf die Möglichkeit, das, was mein Gegenübe mehr erarbeitet hat, einem Dritten zu verleihen, womit der mir neuen Mehrwert erarbeiten kann. Die Summe aller Werte ändert sich nur durch eventuelle Zusatzqualen, die sich mein Nehmer auferlegt, um seine Schulden loszuwerden. Sobald die Abnutzung des Werkzeugs ausgeglichen ist, entsteht im Sinne einer kommenden Generation kein Schaden. Der Schuldendienst wird einfach eingestellt.  Meine Nachkommen werden aber wahrscheinlich keine Lust haben, das Werkzeug selbst zu gebrauchen, und die Kinder der Werkzeugnehmes für sich arbeiten lassen wollen. Im richtigen Staat(ssystem) können sie dies gewaltsam durchsetzen.

 

Veröffentlicht in Vernünftige Welt + Zweifel

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