Von Robinson und seinen Bedürfnissen (1)

Veröffentlicht auf

...   Der konkrete Mensch hat von der Natur der Erde pro Tag 24 Stunden zur Verfügung gestellt bekommen, Abläufe, die Jahre ergeben (Jahreszeiten u.ä.) sowie die Aussicht eines im Tode endenden Lebens. Welche Bedürfnisse er wann in welchem Umfang befriedigt, kann er im Wesentlichen frei entscheiden. Allerdings werden einschränkend die Därme Forderungen stellen, wann sie entleert werden wollen, und der Magen, der gefüllt werden will, und noch einiges ganz existenzielles Anderes. Mit jeder Entscheidung für ein zu befriedigendes Bedürfnis fällt für den Moment die Entscheidung gegen (fast) alle anderen. Wer also seine Zeit braucht, um etwas zu fressen zu bekommen, kann nicht gleichzeitig „speisen“ oder Musik zum Feiern machen.
Die „gesellschaftliche Qualität dieses Zeitfonds“ belegte der berühmte Robinson selbst: Was wäre er gewesen ohne die Flinte und technischen Geräte, die er aus dem Schiff hatte retten können? Was wäre er gewesen ohne das mitgebrachte Wissen seiner Zeit – beispielsweise zur Haltung von Haustieren? Sein klar umrissener Kreislauf Bedürfnisse – Entscheidung – eigene Produktion – Befriedigung – neues Bedürfnis prägte sofort auch sein Denken. Es gab ihm die Macht, den Freitag, der nicht über ähnliche technische Mittel verfügte, in ein Werkzeug für seine Bedürfnisbefriedigung zu verwandeln, ihn für sich arbeiten zu lassen.

Veröffentlicht in Theorie

Kommentiere diesen Post