Warum es u.a. nicht so leicht ist, spanisch zu reden …

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Wenn politisch engagierte spanische Poeten sich mit neuen deutschen Freunden treffen, dann geht es natürlich zuerst einmal um Gedichte, Texte, die Kraft des Worte im Kampf. Es geht aber auch um die Gründe, warum man die Erfahrungen der einen nicht so leicht auf die anderen übertragen kann.

Wir müssen hier nicht über die ökonomischen Bedingungen reden, warum die „Finanzkrise“ die Spanier anders, sprich: schon schmerzhafter, trifft als die Deutschen. Es gibt daneben auch unübersehbare historische Unterschiede. Die liegen im Verhältnis zum Faschismus. Dass 1936 eine linke Volksfront die Wahlen für ein republikanisches Spanien gewonnen hatte, war eben Ausdruck dafür, dass damals ein wesentlicher Teil des spanischen Volkes seine Hoffnung genau in diese politische Richtung gesetzt hatte. Zur selben Zeit war die schwächere deutsche „Opposition“ längst mund-, häufig schon ganz tot gemacht worden. Nur ein paar würdige Köpfe retteten sich in die Emigration.

Die internationale faschistische Gewalt siegte in Spanien. Doch Francos Schergen hätten die Hälfte des eigenen Volkes morden müssen, um es wirklich „hinter sich“ zu bekommen. Also gab es zwar die vielen Anpasser, aber eben auch viele, die im Land ihre Verbundenheit mit den Kämpfern für ein besseres Spanien an die folgende Generation weitergaben: Euer Vater ist gestorben, damit ihr es einmal besser haben werdet. Er stand ein für eine gerechtere Gesellschaft. Francos Leute hielten „ihren“ Faschismus nach dem Krieg am Leben, nach Francos Tod trieb die Faschistenpartei Kosmetik … aber es blieb sichtbar: Da sind die und hier sind wir.

In Deutschland siegte der Faschismus zweimal verdeckt: Zum ersten Mal, als im Westen die alten Faschisten, per Papier „entnazifiziert“, wieder in gehobene Stellungen gehievt wurden, während die ernsthaften Antifaschisten entweder ins Abseits gestellt, verboten wurden oder in den am Sozialismus interessierten Teil des ehemaligen Deutschlands gingen. Zum zweiten Mal, als die, die ihren ernsthaften Antifaschismus in diesem kleineren Teil Deutschlands praktisch hatten versuchen wollen, überrollt wurden und man sie offiziell zu verdammenswerten Vertretern einer „zweiten deutschen Diktatur“ verdrehte. Sich weiter zum „verordneten Antifaschismus“ zu bekennen, verlangte größeren Mut als im angebräunten Mob der Mitte-Masse unterzutauchen.

Das hat eben auch Folgen für linke Kunst. In Deutschland wurde sie zum Ausdruck eines unterschiedlich wenig geduldeten Individualismus – in Spanien zur Ausdrucksform eines weiter gelebten Klassenbewusstseins.

Das heißt ja nicht, dass die typischen Formen des Selbstverkaufs ans Kapital z.B. durch wesentliche Gewerkschaften in Spanien nicht existierten – die Front derer, die sich praktisch gegen deren Verrat auflehnt, ist aber breiter.

Es sollte uns also praktischer Unterricht in Entwicklungen bevorstehender Zukunft sein, wenn wir genau auf Erfolge der spanischen linken Kräfte schauen. Allerdings verbindet sich dort die Auseinandersetzung um das Selbstbestimmungsrecht einzelner Völker / Regionen mit der sozialen Frage – bei uns mit dem Lederhosengehirn der Bayerischen Oktoberfestpolikerasten.  

Veröffentlicht in Venezuela u.a.

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