Was ist "Mittelalter"? (1)

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Wir haben noch einmal den Übergang von der Sklavenhaltergesellschaft zum Feudalismus behandelt und festgestellt, dass es sich hier um einen revolutionären Übergang handelt und das Revolutionen durchaus unterschiedlichen Charakter haben können und bei solchen Betrachtungen immer auch die Diskussionsebene zu klären ist. Wir haben uns mit dem Begriff Mittelalter auseinandergesetzt, was wir auch weiter tun werden und uns mit dem fränkischen Staatswesen und seinen Expansionen beschäftigt:

 

Was ist Mittelalter?

 

  1. Der von Schriftstellern und Historikern des 15. und 16. Jahrhunderts vornehmlich in Italien genutzte Begriff des „Mittelalters“ wird heute im alltäglichen bürgerlichen Sprachgebrauch benutzt, um die Menschheitsepoche zu benennen, die zwischen dem antiken und asiatischen Typ der Sklavenhalterordnung und der kapitalistischen Gesellschaftsordnung liegt.

  2. In der marxistisch-leninistischen Geschichtswissenschaft ist die korrektere Bezeichnung: Feudalismus, während andere Auffassungen das Mittelalter unterschiedlich ansetzten und dementsprechend zwar noch den Beginn zeitlich relativ, wenn auch nicht vollständig, gleich ansetzen, so doch den so genannten Beginn der Neuzeit (etwa Kapitalismus) recht unterschiedlich ansetzen, je nach Thema und Bedarf.

  3. Die m/l. Geschichtswissenschaft, die den historischen Prozeß als einen gesetzmäßigen Wechsel von sozialökonomischen Formationen betrachtet, versteht also unter dem Mittelalter jene Phase, in der die meisten Länder Asiens, Europas und einige in Afrika nach der feudalen Produktionsweise wirtschafteten und lebten. Wir gehen demzufolge vom Mittelalter als der Epoche aus, in der sich die feudale Produktionsweise und die feudalen gesellschaftlichen Verhältnisse im Weltmaßstab herausbildeten, sich entwickelten und verfielen.

  4. Der Feudalismus war eine Periode, in der neue Formen der wirtschaftlichen, sozialen und politischen Entwicklung der Gesellschaft entstanden. Geprägt durch scharfe soziale Widersprüche und Klassenschlachten, finden wir am Ende beträchtliche Fortschritte in der materiellen und geistigen Kultur des Menschen.

  5. Es begannen sich viele Staaten zu formieren, die bis heute Bedeutung haben und neue Völker traten auf den Schauplatz der Geschichte. So z.B. die europäischen Staaten, die arabischen, die indischen und hinterindischen Staaten, die Türkei, Japan oder die chinesischen Staaten. Aber auch solche wie Armenien, Saaba, das aksumitische Reich

  6. Grundsätzlich ist für alle feudalen Reiche (bei allen Unterschieden im Detail) charakteristisch: ersten die ausgeprägte Naturalwirtschaft, zweitens die Abhängigkeit der hörigen Bauern vom Grundherren und drittens die Gliederung über das Lehnen (Feudum) in einer ständig geprägten Gesellschaft.

  7. Wie bereits beim Entstehen im Europa des 5. bis 7. Jahrhunderts, so finden wir immer wieder die Vermischung von bestehender Ausbeutergesellschaft mit starken Elementen zerfallender urgesellschaftlicher Stämme wie z.B. Kelten, Germanen, Slawen, Awaren, Hunnen, Hephtaliten, Türken, Mongolen.

  8. Die mittelalterliche Feudalgesellschaft durchlief drei wesentliche Stadien: die des frühen, des entwickelten und des späten Feudalismus. In der Periode des Frühfeudalismus entstanden und festigten sich die Feudalverhältnisse. Die Periode des entwickelten Feudalismus war die Blütezeit (so genanntes Hochmittelalter) der Feudalgesellschaft. Die spätfeudale Periode war die des einsetzten Verfalls und der entstehenden kapitalistischen Produktionsweise.

  9. Die Periodisierung der Epoche des Feudalismus im Weltmaßstab ist äußerst kompliziert. In den verschiedenen Regionen der Erde vollzog sich der Übergang zum Feudalismus keineswegs gleichzeitig, da sich die Produktivkräfte ungleichmäßig entwickelten, was natürlich dazu führte, dass die entsprechenden Produktionsverhältnisse ungleichmäßig heranreiften. Ich gehe z.B. davon aus, dass bereits im 3. Jahrhundert unserer Zeitrechnung in China Feudalismus aufkam. Relativ gut kann man das Ende der Periode des entwickelten Feudalismus für Mittel- und Westeuropa auf das Ende des 15. Jahrhunderts festlegen. Der Beginn der spätfeudalen Periode kann gut an die Ausprägung der absoluten Monarchie festgemacht werden.

 

10. Der Feudalismus als neue und höhere Stufe der antagonistischen Klassengesellschaft löste die Sklavenhalterordnung ab, als die Produktivkräfte der Sklavenhaltergesellschaft mit ihren Produktionsverhältnissen in Widerspruch gerieten und dies zur sozialen Revolution führte. Ein klassisches Beispiel für den revolutionären Übergang zum Feudalismus waren die Ereignisse in der Zeit des spätrömischen Kaiserreiches.

 

 

copyright: Herbert Driebe

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