Was macht den Menschen zum Menschen? Wie "Geschichte gemacht wird" - über die 11. Feuerbachthese

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Geschichte März 2013 - Zusammenfassung Herbert Driebe aus MEW:

 

1. Noch einmal zum Verständnis der Feuerbachthesen und der Geschichte an sich und aller menschlichen Entwicklung und Gesellschaft von der Urgesellschaft bis in den Kommunismus:

Um Geschichte verstehen zu können in ihrem materialistischen Wechselverhältnis zwischen Sein und Bewusstsein gilt es immer die „ersten vier geschichtlichen Taten des Menschen“ zu sehen

 

erste Voraussetzung aller menschlichen Existenz, also auch aller Geschichte konstatieren, nämlich die Voraussetzung, daß die Menschen imstande sein müssen zu leben, um „Geschichte machen" zu können.* Zum Leben aber gehört vor Allem Essen und Trinken, Wohnung, Kleidung und noch einiges Andere. Die erste geschichtliche Tat ist also die Erzeugung der Mittel zur Befriedigung dieser Bedürfnisse, die Produktion des materiellen Lebens selbst, und zwar ist dies eine geschichtliche Tat, eine Grundbedingung aller Geschichte, die noch heute, wie vor Jahrtausenden, täglich und stündlich erfüllt werden muß, um die Menschen nur am Leben zu erhalten.

 

Das Zweiteist, daß das befriedigte erste Bedürfnis selbst, die Aktion der Befriedigung und das schon erworbene Instrument der Befriedigung zu neuen Bedürfnissenführt — und diese Erzeugung neuer Bedürfnisse ist die erste geschichtliche Tat.

 

Das dritte Verhältnis, was hier gleich von vornherein in die geschichtliche Entwicklung eintritt, ist das, daß die Menschen, die ihr eignes Leben täglich neu machen, anfangen, andre Menschen zu machen, sich fortzupflanzen - das Verhältnis zwischen Mann und Weib, Eltern und Kindern, die Familie. Diese Familie, die im Anfange das einzige soziale Verhältnis ist, wird späterhin, wo die vermehrten Bedürfnisse neue gesellschaftliche Verhältnisse, und die vermehrte Menschenzahl neue Bedürfnisse erzeugen, ... ...

Übrigens sind diese drei Seiten der sozialen Tätigkeit nicht als drei verschiedene Stufen zu fassen, sondern eben nur als drei Seiten, oder um für die Deutschen klar zu schreiben, drei „Momente", die vom Anbeginn der Geschichte an und seit den ersten Menschen zugleich existiert haben und sich noch heute in der Geschichte geltend machen.

 

4. Die Produktion des Lebens, sowohl des eignen in der Arbeit wie des fremden in der Zeugung, erscheint nun schon sogleich als ein doppeltes Verhältnis - einerseits als natürliches, andrerseits als gesellschaftliches Verhältnis —, gesellschaftlich in dem Sinne, als hierunter das Zusammenwirken mehrerer Individuen, gleichviel unter welchen Bedingungen, auf welche Weise und zu welchem Zweck, verstanden wird. Hieraus geht hervor, daß eine bestimmte Produktionsweise oder industrielle Stufe stets mit einer bestimmten Weise des Zusammenwirkens oder gesellschaftlichen Stufe vereinigt ist, und diese Weise des Zusammenwirkens ist selbst eine „Produktivkraft", daß die Menge der den Menschen zugänglichen Produktivkräfte den gesellschaftlichen Zustand bedingtund also die „Geschichte der Menschheit" stets im Zusammenhangemit der Geschichte der Industrie und des Austausches studiert und bearbeitet werden muß.

Es ist aber auch klar, wie es in Deutschland unmöglich ist, solcheGeschichte zu schreiben, da den Deutschen dazu nicht nur die Auffassungsfähigkeit und das Material, sondern auch die „sinnliche Gewißheit" abgeht und man jenseits des Rheins über diese Dinge keine Erfahrungen machen kann, weil dort keine Geschichte mehr vorgeht. Es zeigt sich also schon von vornherein ein materialistischer Zusammenhang der Menschen untereinander, der durch die Bedürfnisse und die Weise der Produktion bedingt und so alt ist wie die Menschen selbst - ein Zusammenhang, der stets neue Formen annimmt und also eine „Geschichte" darbietet, auch ohne daß irgendein politischer oder religiöser Nonsens existiert, der die Menschen noch extra zusammenhalte.

 

Jetzt erst, ... finden wir, daß der Mensch auch „Bewußtsein" hat.* Aber auch dies nicht von vornherein, als „reines" Bewußtsein. Der „Geist" hat von vornherein den Fluch an sich, mit der Materie „behaftet" zu sein.

MEW Bd. 3 S. 28 – 30)

 

MEW S. 37/38

Diese Geschichtsauffassung beruht also darauf, den wirklichen Produktionsprozeß, und zwar von der materiellen Produktion des unmittelbaren Lebens ausgehend, zu entwickeln und die mit dieser Produktionsweise zusammenhängende und von ihr erzeugte Verkehrsform, also die bürgerliche Gesellschaft in ihren verschiedenen Stufen, als Grundlage der ganzen Geschichte aufzufassen und sie sowohl in ihrer Aktion als Staat darzustellen, wie die sämtlichen verschiedenen theoretischen Erzeugnisse und Formen des Bewußtseins, Religion, Philosophie, Moral etc. etc., aus ihr zu erklären und ihren Entstehungsprozeß aus ihnen zu verfolgen, ...

 

demzufolge:

S. 35: Der Kommunismus ist für uns nicht ein Zustand, der hergestellt werden soll, ein Ideal, wonach die Wirklichkeit sich zu richten haben [wird]. Wir nennen Kommunismus die wirkliche Bewegung, welche den jetzigen Zustand aufhebt. Die Bedingungen dieser Bewegung ergeben sich aus der jetzt bestehenden Voraussetzung.

 

demzufolge die Feuerbachthesen:

Ab S. 5

1

Der Hauptmangel alles bisherigen Materialismus (den Feuerbachschen mit eingerechnet) ist, daß der Gegenstand, die Wirklichkeit, Sinnlichkeit nur unter der Form des Objekts oder der Anschauung gefaßt wird; nicht aber als sinnlich menschliche Tätigkeit, Praxis;

2

Die Frage, ob dem menschlichen Denken gegenständliche Wahrheit zukomme- ist keine Frage der Theorie, sondern eine praktische Frage

3

Die materialistische Lehre von der Veränderung der Umstände und der Erziehung vergißt, daß die Umstände von den Menschen verändert und der Erzieher selbst erzogen werden muß.

11

Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kömmt draus an, sie zu verändern.

 

 

2. Die Julimonarchie und die Revolution in Frankreich. Über die alten Gespenster, Sein und Bewusstsein der handelnden Klassen und die Bedeutung des Juniaufstandes

 

Nach der Julirevolution, als der liberale Bankier Laffitte seinen compere1den Herzog von Orleans, im Triumph auf das Hotel deVille2 geleitete, ließ er das Wort fallen: „Von nun an werden die Bankiers herrschen." Laffitte hatte das Geheimnis der Revolution verraten.

Nicht die französische Bourgeoisie herrschte unter Louis-Philippe, sondern eine Fraktion derselben, Bankiers, Börsenkönige, Eisenbahnkönige, Besitzer von Kohlen- und Eisenbergwerken und Waldungen, ein Teil des mit ihnen ralliierten Grundeigentums - die sogenannte Finanzaristokratie.

MEW Bd. 7 S.12

 

Bitte die Seiten 12;13 und 14 beachten zur Analyse der Julimonarchie, die durchaus eine Anzahl sehr wichtiger aktueller Aspekte hat, wenn der Vergleich (historisch wie immer nicht ganz korrekt, hier aber wohl mal machbar) zur heutigen Herrschaftsform in der EU gemacht wird.

Weiter beachten die Jahre 1832; 34 und 39 in Frankreich, die einsetzende Wirtschaftskrise in England, die Missernten 1845 und 1846 (Kartoffelfäule) und die politischen Krisen und kriegerischen Ereignisse.

 

Was war nun die Februarrevolution und welches Ergebnis hatte sie?

MEW Bd. S. 18

 

 

Die Februarrepublik mußte zunächst vielmehr die Herrschaft der Bourgeoisie vervollständigen, indem sie neben der Finanzaristokratie sämtliche besitzenden Klassen in den Kreis der politischen Macht eintreten ließ. … Durch das allgemeine Wahlrecht wurden die nominellen Eigentümer, welche die große Majorität der Franzosen bilden, die Bauern, zu Schiedsrichtern über das Schicksal Frankreichs eingesetzt. Die Februarrepublik ließ endlich die Bourgeoisherrschaft rein hervortreten, indem sie die Krone abschlug, hinter der sich das Kapital versteckt hielt.

 

Wie die Arbeiter in den Julitagen die bürgerliche Monarchiehatten sie inden Februartagen diebürgerliche Republikerkämpft.

Wie die Julimonarchie gezwungen war, sich anzukündigen als eine Monarchie, umgeben von republikanischen Institutionen, so die Februarrepublik als eine Republik, umgeben von sozialen Institutionen. Das Pariser Proletariat erzwang auch diese Konzession.

 

Marx und Engels schätzten dann genau das Klassenkräfteverhältnis in Frankreich ein, um dann zu folgender Erkenntnis zu gelangen:

S. 21 Bd. 7

Nichts erklärlicher also, als daß das Pariser Proletariat sein Interesse neben dem bürgerlichen durchzusetzen suchte, statt es als das revolutionäre Interesse der Gesellschaft selbst zur Geltung zu bringen, daß es die rote Fahne vor der trikploren fallen ließ[131.

Die französischen Arbeiter konnten keinen Schritt vorwärts tun, kein Haar der bürgerlichen Ordnung krümmen, bevor der Gang der Revolution die zwischen dem Proletariat und der Bourgeoisie stehende Masse der Nation, Bauern und Kleinbürger, nicht gegen diese Ordnung, gegen die Herrschaft des Kapitals empört, sie gezwungen hatte, sich den Proletariern als ihren Vorkämpfern anzuschließen.

Nur durch die ungeheure Niederlage im Juni konnten die Arbeiter diesen Sieg erkaufen. Der Kommission des Luxembourg, diesem Geschöpfe der Pariser Arbeiter, bleibt das Verdienst, das Geheimnis der Revolution des neunzehnten Jahrhunderts von einer europäischen Tribüne herab verraten zu haben: die Emanzipation des Proletariats.

 

Anerkennung der alten Staatsschulden, Erklärung des Staatsbankrotts, Mobilgarden usw. als Beispiele für die Festigung der Herrschaft der Bourgeoisie.

Das lag nicht im Interesse des Proletariats. Der Kulminationspunkt und der äußere Anlass für die direkte Konfrontation war die Schließung der Nationalateliers (wir würde heute ABM) sagen.

 

MEW Bd. S 31

Es blieb den Arbeitern keine Wahl, sie mußten verhungern oder losschlagen.

Sie antworteten am 22. Juni mit der ungeheuren Insurrektion, worin die erste große Schlacht geliefert wurde zwischen den beiden Klassen, welche die moderne Gesellschaft spalten.

Es war ein Kampf um die Erhaltung oder Vernichtung der bürgerlichen Ordnung. Der Schleier, der die Republik verhüllte, zerriß. Es ist bekannt, wie die Arbeiter mit beispielloser Tapferkeit und Genialität, ohne Chefs, ohne gemeinsamen Plan, ohne Mittel, zum größten Teil der Waffen entbehrend, die Armee, die Mobilgarde, die Pariser Nationalgarde und die aus der Provinz hinzugeströmte Nationalgarde während fünf Tagen im Schach hielten.

Es ist bekannt, wie die Bourgeoisie für die ausgestandene Todesangst sich in unerhörter Brutalität entschädigte und über 3000 Gefangene massakrierte.

Dann S. 33 und 34

Endlich verriet die Juniniederlage den despotischen Mächten Europas das Geheimnis, daß Frankreich unter allen Bedingungen den Frieden nach außen aufrechterhalten müsse, um den Bürgerkrieg nach innen führen zu können. So wurden die Völker, die den Kampf um ihre nationale Unabhängigkeit begonnen hatten, der Übermacht Rußlands, Österreichs und Preußens preisgegeben, aber gleichzeitig wurde das Schicksal dieser nationalen Revolutionen dem Schicksal der proletarischen Revolution unterworfen, ihrer scheinbaren Selbständigkeit, ihrer Unabhängigkeit von der großen sozialen Umwälzung beraubt. Der Ungar soll nicht frei sein, nicht der Pole, nicht der Italiener, solange der Arbeiter Sklave bleibt!

Endlich nahm Europa durch die Siege der Heiligen Allianz eine Gestalt an, die jede neue proletarische Erhebung in Frankreich mit einem Weltkriege unmittelbar zusammenfallen läßt. Die neue französische Revolution ist gezwungen, sofort den nationalen Boden zu verlassen und das europäische Terrain zu erobern, auf dem allein die soziale Revolution des 19. Jahrhunderts sich durchführen kann.

Erst durch die Juniniederlage also wurden alle Bedingungen geschaffen, innerhalb deren Frankreich die Initiative der europäischen Revolution ergreifen kann. Erst in das Blut der Juniinsurgenten getaucht, wurde die Trikolore zur Fahne der europäischen Revolution - zur roten Fahne!

Und wir rufen: Die Revolution ist tot! - Es lebe die Revolution!

 

Das ganze endet dann im 18. Brumaire des Louis Bonaparte

 

So wie die franz. Bourgeoisie verschreckt war, so war es auch die der anderen europäischen Staaten.

 

3. Der Nachhall in Europa und die Klassen kämpfe in Deutschland in der Analyse von Engels unter Beachtung der besonderen deutschen Bedingungen mit ihren Auswirkungen bis heute.

 

Die besondere Klassenlage in den deutschen Staaten ist nach der Analyse von Engels in Rev. und Konterr. in D. Bd. 8 ab Seite 5 zu beachten.

In Verbindung mit dem Wiener Märzaufstand kommt Engels zu folgender Erkenntnis: S. 36

 

Aber es ist das Schicksal aller Revolutionen, daß dies Bündnis verschiedener Klassen, das bis zu einem gewissen Grade immer die notwendige Voraussetzung jeder Revolution ist, nicht von langer Dauer sein kann. Kaum ist der Sieg über den gemeinsamen Feind errungen, da beginnen die Sieger sich in verschiedene Lager zu scheiden und die Waffen gegeneinander zu kehren.

Gerade die rasche, heftige Entwicklung des Klassenantagonismus macht in alten, komplizierten gesellschaftlichen Organismen die Revolution zu einer so mächtigen Triebkraft des sozialen und politischen Fortschritts; gerade das unaufhörliche schnelle emporschießen neuer Parteien, die nacheinander an der Macht sind, läßt eine Nation in Zeiten so heftiger Erschütterungen in fünf Jahren weiter vorankommen als unter normalen Verhältnissen in einem Jahrhundert.

 

Die Bauernbefreiung in Österreich gelang, alles andere nicht.

Die italienische Frage beachten und die Rolle Ungarns, der Slaven und Radetsky, Jellichach und Windischgrätz.

 

Engels zur Frankfurter Nationalversammlung S. 48:

 Das deutsche Volk, tief durchdrungen von der Notwendigkeit, mit der schädlichen territorialen Zerrissenheit aufzuräumen, die die Gesamtkraft der Nation zersplitterte und wirkungslos machte, erwartete von der Frankfurter Nationalversammlung eine Zeitlang wenigstens den Anbruch einer neuen Ära. Aber das kindische Gebaren dieser Gesellschaft von Neunmalweisen kühlte die Begeisterung der Nation rasch ab. Die schmachvollen Vorgänge anläßlich des Waffenstillstands von Malmö (September 1848) t311 führten zu einem Entrüstungssturm des Volkes gegen eine Körperschaft, von der man erhofft hatte, sie werde der Nation freies Feld für ihre Betätigung schaffen, und die statt dessen, getrieben von einer Feigheit ohnegleichen, nur die Grundlagen, auf denen das jetzige konterrevolutionäre System sich erhebt, in alter Festigkeit wiederhergestellt hat.

 

Was war diese Versammlung und was konnte sie nicht mehr sein? Wichtig für die weitere Revolutionsgeschichte in Deutschland.

 

S 87/88

(1)Jedesmal, wenn die Frankfurter Versammlung einem Vorschlag, der auch nur im entferntesten an ihre eigenen keineswegs klar umrissenen Grundsätze erinnerte, in homöopathisch verdünnter Form eine Art Sanktion erteilte, verkündeten diese Demokraten, sie hätten Vaterland und Volk gerettet.

(2)Diese armseligen Schwachköpfe waren im ganzen Verlauf ihres meist recht obskuren Lebens so wenig an so etwas wie einen Erfolg gewöhnt, daß sie tatsächlich glaubten, ihre lumpigen Amendements, die mit zwei oder drei Stimmen Mehrheit durchkamen, würden das Antlitz Europas verändern.

(3)Seit Beginn ihrer parlamentarischen Laufbahn waren sie mehr als jede andere Fraktion der Versammlung von jener unheilbaren Krankheit, dem parlamentarischen Kretinismus, verseucht, einem Leiden, das seine unglücklichen Opfer mit der erhabenen Überzeugung erfüllt, daß die ganze Welt, deren Vergangenheit und deren Zukunft, durch die Stimmenmehrheit gerade jener Vertretungskörperschaft gelenkt und bestimmt wird, die die Ehre hat, sie zu ihren Mit gliedern zu zählen,

(4)und daß alles und jedes, was es außerhalb der Mauern ihres Hauses gibt - Kriege, Revolutionen, Eisenbahnbauten, die Kolonisierung ganzer neuer Kontinente, kalifornische Goldfunde, zentralamerikanische Kanäle, russische Armeen und was sonst vielleicht noch Anspruch erheben kann, die Geschicke der Menschheit zu beeinflussen -, daß all das nichts ist im Vergleich mit jenen unermeßlich wichtigen Ereignissen, die mit der ausnahmslos bedeutungsvollen Frage zusammenhängen, der das hohe Haus gerade seine Aufmerksamkeit widmet.

(5)Dadurch, daß es der demokratischen Partei der Versammlung gelang, ein paar ihrer Zauberformeln in die „Reichsverfassung" einzuschmuggeln, ergab sich zunächst die Verpflichtung, sich für die Verfassung einzusetzen, obwohl sie in jedem wesentlichen Punkt ihren eigenen, oft verkündeten Grundsätzen direkt ins Gesicht schlug:

(6)und als diese Zwitterschöpfung schließlich von ihren Haupturhebem aufgegeben und den Demokraten vermacht wurde, nahmen diese die Erbschaft an und hielten wacker fest an dieser monarchischen Verfassung, auch wenn sie in Gegensatz gerieten zu allen, die jetzt ihre eigenen republikanischen Grundsätze verkündeten.

(7)Man muß jedoch zugeben, daß dieser Widerspruch nur ein scheinbarer war. Der unbestimmte, widerspruchsvolle, unausgereifte Charakter der Reichsverfassung spiegelte getreu die unreifen, verworrenen, einander widersprechenden politischen Ideen dieser Herren Demokraten wider.

 

4. Ergebnis, Konsequenz und Nachhall der europäischen Revolutionen an Hand der achtzehnten Brumaire des Louis Bonaparte (MEW Bd. 8) von Marx.

 

S. 117

Die soziale Revolution des neunzehnten Jahrhunderts kann ihre Poesie nicht aus der Vergangenheit schöpfen, sondern nur aus der Zukunft. Sie kann nicht mit sich selbst beginnen, bevor sie allen Aberglauben an die Vergangenheit abgestreift hat. Die früheren Revolutionen bedurften der weltgeschichtlichen Rückerinnerungen, um sich über ihren eigenen Inhalt zu betäuben. Die Revolution des neunzehnten Jahrhunderts muß die Toten ihre Toten begraben lassen, um bei ihrem eignen Inhalt anzukommen. Dort ging die Phrase über den Inhalt, hier geht der Inhalt über die Phrase hinaus.

 

S. 121

Die Forderungen des Pariser Proletariats sind utopistische Flausen, womit geendet werden muß. Auf diese Erklärung der konstituierenden Nationalversammlung antwortete das Pariser Proletariat mit der Juni-Insurrektion, dem kolossalsten Ereignis in der Geschichte der europäischen Bürgerkriege. Die bürgerliche Republik siegte.

 

S. 194

Die soziale Republik erschien als Phrase, als Prophezeiung an der Schwelle der Februarrevolution. In den Junitagen 1848 wurde sie im Blute des Pariser Proletariats erstickt, aber sie geht in den folgenden Akten des Dramas als Gespenst um. Die demokratische Republik kündigt sich an. Sie verpufft am 13. Juni 1849 mit ihren davongelaufenen Kleinbürgern, aber im Fliehen wirft sie doppelt renommierende Reklamen hinter sich. Die parlamentarische Republik mit der Bourgeoisie bemächtigt sich der ganzen Bühne, sie lebt sich aus in der vollen Breite ihrer Existenz, aber der 2. Dezember 1851 begräbt sie unter dem Angstgeschrei der koalisierten Royalisten: „Es lebe die Republik!"

 

Die französische Bourgeoisie bäumte sich gegen die Herrschaft des arbeitenden Proletariats, sie hat das Lumpenproletariat zur Herrschaft gebracht, an der Spitze den Chef der Gesellschaft vom 10. Dezember. Die Bourgeoisie hielt Frankreich in atemloser Furcht vor den zukünftigen Schrekken der roten Anarchie;

 

Die neun Grundaussagen von Marx in der Kritik der politischen Ökonomie (MEW Bd. 13 S. 8 und 9) sind u.a. hier eindeutig bestätigt

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