Welche Schlussfolgerungen sollten wir aus Auschwitz ziehen? Ein „Rotfuchs“-Artikel

Veröffentlicht auf

 

Letzte Auschwitz-Überlebende an BRD-Spitze: Faschistenbanden endlich verbieten!

 

In großer Sorge wenden wir uns heute an Sie. Antisemitische, rassistische und neofaschistische Ideologie und Praxis finden Akzeptanz bis in die Mitte der Gesellschaft. Sie, die Regierenden, tragen Mitverantwortung an den „deutschen Zuständen“ heute, an der Ökonomisierung des Denkens, an der Entsolidarisierung der Gesellschaft, und, daraus folgend, an der sozialen Spaltung, die Ängste schürt.

Rassismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit haben heute wieder Konjunktur in Deutschland.

In Zeiten, in denen hierzulande mindestens zehn Menschen von einer rechten Terrorbande ermordet wurden, weil sie türkische und griechische Namen trugen und mindestens 13 Jahre lang der „Nationalsozialistische Untergrund“/NSU unter den offensichtlich rechts zugedrückten Augen der Polizei, der Justiz und des Verfassungsschutzes wütete; in Zeiten, da 182 Tote durch Gewalt von Nazis und Neonazis in den vergangenen 20 Jahren von den Regierenden scheinbar übersehen wurden, obwohl doch Ausstellungen wie „Opfer rechter Gewalt“ seit Jahren vielerorts gezeigt wurden, einschlägige Websites und Foren mit unendlicher Mühe von NGOs, Bürgerinitiativen und Opferverbänden ganz öffentlich zugänglich waren und sind; in Zeiten, in denen selbst im Winter Menschen schon wieder nachts aus dem Schlaf gerissen und abgeschoben werden, Bürgerkriegsflüchtlinge, Roma, Familien mit Kindern, Alte und Kranke in elende Zustände gewaltsam verbracht werden, obwohl auch Überlebende des Holocaust, die im Exil Zuflucht fanden, immer wieder das Bleiberecht anmahnen; in Zeiten, in denen ungeachtet zahlreicher Proteste, trotz Mahnungen von Überlebendenorganisationen, von den Zentralräten der Juden und der Muslime, von Wissenschaftlern die Fachministerin beratungsresistent bleibt. Wir müssen uns als Fremde für die Ministerin Schröder schämen, die durch ihre sogenannte Extremismusklausel Überlebendenorganisationen und seit Jahrzehnten ehrenamtlich arbeitende Initiativen gegen rechts mit dem Generalverdacht überzieht, nicht auf dem Boden des Grundgesetzes zu stehen. Bespitzelung und Verdächtigung statt Aufklärung und Anerkennung, Geld nur gegen Gesinnungsschnüffelei – wie groß wird der Scherbenhaufen sein, den das Ministerium hinterläßt?; in Zeiten, in denen schon wieder obrigkeitsstaatliches Denken Konjunktur hat, durch das Befolgen von Befehlen und Anordnungen selbst bei Frosttemperaturen mit Wasserwerfern auf Menschen geschossen wird, die in friedlichen Blokkaden sich mutig auf die Straßen der Städte setzen, um marschierende Neonazis zu stoppen. Gegen sie wird Tränengas in gesundheitsgefährdenden Mengen eingesetzt. Der Vertrauensverlust in demokratische Zustände ist kaum zu ermessen,

wenn Demonstranten weggespritzt und anderweitig traktiert, Menschen bespitzelt, überwacht und ausgehorcht, Mobilfunkdaten mißbraucht, Immunitäten von Abgeordneten aufgehoben werden; in Zeiten, in denen selbst ein Shoa-Überlebender wie Ernst Grube, VVN-BdA-Vorsitzender in Bayern, vom Nachrichtendienst über wacht und als Zeitzeuge diskreditiert wird; in Zeiten, in denen die NPD und neofaschistische Kameradschaften ganze Regionen zu „national befreiten Zonen“ erklären und die NPD immer noch nicht verboten ist, mischen wir uns ein und fordern Sie auf: Handeln Sie, jetzt!

Sieben Sofortmaßnahmen schlagen wir Ihnen vor:

Schluß mit der öffentlichen Subventionierung neofaschistischer Organisationen durch V-Leute! Wir fordern gründliche und parlamentsöffentliche Aufklärung der Morde sowie der Verfehlungen und Verstrickungen des Verfassungsschutzes und der Polizei in die Bluttaten des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ und ähnlicher Geheimbünde.

Schluß mit der Un-Kultur des Verdachts und der Gleichsetzung „Rot gleich Braun“; wir fordern gründliche und öffentliche Aufarbeitung aller Todesfälle durch rechte Gewalt in den vergangenen 20 Jahren!

Schluß mit den Abschiebungen, Bleiberecht für alle, insbesondere für Roma und Sinti!

Schluß mit den Verdächtigungen staatlich nicht kontrollierter Projekte und Initiativen gegen rechts!

Schluß mit der Gewalt gegen Menschen, die ihren eigenen Körper in friedlichen Sitzblockaden gegen Neonaziaufmärsche einsetzen, die großen Mut beweisen und unsere Hoffnung auf eine bessere Zukunft sind! Schluß mit der Kriminalisierung!

Schluß mit der Überwachung von Überlebenden des Holocaust! Die Diskreditierung ihrer Zeitzeugenarbeit, wie z.B. bei Ernst Grube in Bayern, muß sofort beendet werden!

Und Sie, Frau Bundeskanzlerin Dr. Merkel, und die Bundesregierung fordern wir wiederum auf: Verbieten Sie endlich nach Artikel 139 des Grundgesetzes und entsprechend dem Potsdamer Abkommen die NPD und alle faschistischen Nachfolgeorganisationen, ihre Schriften, ihre Embleme, ihre Aktivitäten! Das sind wir den Millionen Opfern der faschistischen Verbrechen schuldig.

Bitte unterrichten Sie uns über Ihre Maßnahmen.

Esther Bejarano,

Vorsitzende Auschwitz-Komitee in der Bundesrepublik Deutschland e. V.

Veröffentlicht in Gewalt Frieden

Kommentiere diesen Post