Wenn die (heimlich) Herrschenden von Klassenkampf sprechen - Die Ausrottung der "Überflüssigen" als Satire (1)

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An dem jW-Artikel ist fast nur die Unterüberschrift zu bemängeln. Hier bemüht der Autor den Audruck "postkapitalistisch", was ja hieße, wir wären aus dieser Scheißgesellschaftsform raus. Dabei ist es doch egal, ob die wirklich herrschende Kapitalistenklasse nun aus 1000 x 1000 Kapitalisten oder eigentlich nur noch 1 x 1000 Superkapitalisten besteht. Es ist nur ein Argument, dass eigentlich wieder die Kleinbürger oder der "Mittelstand" eher Bündnispartner gegen eine erdrückende private Über-Macht sein könnte ... wenn diese Menschen gründlicher nachdächten.

Es ist ein Horrorszenario, dass man sich durch fen Kopf gehen lassen muss: In diese Richtung ginge die Entwicklung der Menschheit, wenn sich nicht bald eine ausreichend starke Gegenmacht herausbildet. Etwas vorgreifend habe ich aus dem langen Artikel zur Mai-Demo-Motivation jenen Absatz herausgegriffen, der mir und Meinesgleichen mit de biologischen Entsorgung droht:

junge Welt, 30.04.2013 / Thema / Seite 10Inhalt

Planetarische Herrschaft

Ökonomie. Einblick in die Strategien der Superreichen: Mit ihren Funktionseliten ­entwickeln sie postkapitalistische Machtstrukturen

Von Hans Jürgen Krysmanski
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Imperiale Biopolitik

Aber das private Imperium der Milliardäre wappnet sich, zum Beispiel durch Biopolitik. Im Jahre 2000, zeitgleich mit dem Buch »Empire« von Michael Hardt und Antonio Negri, erschien die satirische Schrift »Le Rapport Lugano« (Der Lugano-Report), geschrieben von der Mitgründerin und Vizepräsidentin von ATTAC France, Susan George. Im Auftrag einiger der mächtigsten Gruppen der Welt schlägt dort eine fiktive Expertengruppe vor, den drohenden Zusammenbruch der Finanzmärkte und die Zerstörung der Umwelt dadurch abzuwenden, daß die Weltbevölkerung auf vier Milliarden Menschen reduziert wird: »Da die Genozidsysteme der Vergangenheit zu primitiv, kostspielig und ineffizient waren, muß eine andere Lösung her. Die moderne Opfer­selektion soll nach Kriterien wie Inkompetenz, Armut und Faulheit, kurz: Verlierertum erfolgen. Kriege und Seuchen müssen den Vernichtungsprozeß beschleunigen.« Das Hungerproblem der »Dritten Welt« dürfe nicht beseitigt, sondern müsse gefördert werden. Um die Akzeptanz einer genuinen Bevölkerungskontrolle zu erhöhen, müsse ein neues Denk- und Meinungsklima verbreitet werden, in dem die Menschenrechte als zentrales Anliegen aufgegeben wurden.

Die fiktiven Experten empfehlen ihren Auftraggebern dringend, ein Korps von Theoretikern, Schriftstellern, Lehrern und Kommunikationsexperten aufzubauen und zu finanzieren, das in der Lage ist, entsprechende Konzepte, Argumente und Bilder zu entwickeln. Zusätzlich könnten Soziologen und Psychologen ein feindseliges Klima zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen erzeugen, was dem demographischen Ziel nur dienlich wäre. Führungspersönlichkeiten, die weiterhin am universalistischen Ziel einer gruppenintegrativen Solidargemeinschaft von Staatsbürgern festhalten, müßten um jede Glaubwürdigkeit gebracht werden. Das also war eine politische Satire – mit seinerzeit großer Wirkung.

Es sei nur angemerkt, daß sich im Jahre 2009 in New York auf Einladung von Bill Gates und Warren Buffett ein Dutzend der sicherlich liberalsten, gar progressiven US-amerikanischen Milliardäre traf, um das Konzept einer Giving Pledge zu diskutieren, einer Verpflichtung, die Hälfte ihres Vermögens für philanthropische Zwecke zu stiften. Dabei waren u.a. New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg, George Soros, Oprah Winfrey, David Rockefeller senior und Robert »Ted« Turner III. Zwar weigerten sich die Teilnehmer standhaft, den Inhalt ihrer Diskussionen preiszugeben. Doch immerhin wurde öffentlich, daß es nicht nur um die globale Rezession und um die Rolle der Philanthropie ging, sondern auch um Möglichkeiten der Verringerung der Weltbevölkerung.
Aber auch diese ganze Philanthropie ist eher ein Piratenstück. Sie will das Öffentliche durch das Private ersetzen. Seit etwa die Gates-Stiftung nicht nur Weltgesundheitspolitik betreibt, sondern sich, wie die US-amerikanische Lehrergewerkschaft NEA moniert, auch noch ans Aufmöbeln maroder Schulen gemacht hat, sei Bill Gates fast so etwas wie der wahre Bildungsminister der Vereinigten Staaten geworden. Es kommt in der Tat einer Kaperung gleich, wenn der gegenüber staatlichen Aufwendungen immer noch verschwindend geringe finanzielle Einsatz selbst der potentesten solcher Einrichtungen, etwa auch der Bertelsmann-Stiftung, zum Anspruch führt, auch größere öffentliche Bereiche zu steuern. Im Endeffekt geht es um nichts anderes als die Eroberung der Schiffsbrücke.

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Mein Anteil zur Gegenwehr liegt inzwischen vor: 

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