Wenn die (heimlich) Herrschenden von Klassenkampf sprechen - Die Ausrottung der "Überflüssigen" als Satire (7)

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Und der Artikel stellt die berühmte Lenin-Frage ...

 

junge Welt, 30.04.2013 / Thema / Seite 10Inhalt

Planetarische Herrschaft

Ökonomie. Einblick in die Strategien der Superreichen: Mit ihren Funktionseliten ­entwickeln sie postkapitalistische Machtstrukturen

Von Hans Jürgen Krysmanski
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Was tun?

Wie kommen wir in dieser Welt der irgendwie unvollkommenen Systeme und der korrupt-chaotischen Machtzonen weiter? Die Antwort kann zunächst nur sein: durch mehr Wissen und durch eine Demokratisierung der ökonomischen Planungsvorgänge. Und wir sind dabei auf die Rechnerkraft und auf die Chancen für Transparenz­ angewiesen, die auch in den kapitalistischen und transkapitalistischen globalen Computernetzen bereits stecken. »Diese Welt bräuchte eigentlich eine ungeheuer komplexe Regulierung, um halbwegs zu funktionieren. (…) Es ist das mangelnde Verständnis des komplexen Systems der globalen Ökonomie, das bis weit in die Linke hinein das permanente Versagen der Politik erklärt. Wir haben nicht die Politiker, die Politik in der globalen Ökonomie machen könnten, und wir haben nicht die Ökonomen, die in der Lage wären, ein Design für diese globale Ökonomie zu entwerfen«, so der Wirtschaftswissenschaftler Heiner Flassbeck in der Schweizer Wochenzeitung Zeit-Fragen vom 19.12.2012. Erst ein solches umfassendes Datenwissen würde die »99 Prozent« in die Lage versetzen, sich die Aneigner anzueignen, das heißt, Privateigentum an den Produktionsbedingungen in Gemeineigentum zu überführen. So lange es aber Informationsvorsprünge und Wissensmonopole einzelner Gruppen an den Knotenpunkten des Systems gibt, wird es Macht, Herrschaft und Korruption von zerstörerischen Ausmaßen geben.

Die intellektuellen Technologien der Gegenwart ermöglichen eine neue Informations- und Wissenskultur. Die ultimative Privatheit, die von den großen Privateigentümern der Produktionsbedingungen immer brutaler eingefordert wird, stürzt den Kapitalismus in ein Chaos endloser Widerspiegelungen und medialer Selbsttäuschungen. Der bedeutende US-amerikanische Historiker Paul Kennedy beispielsweise lästert über die hilflosen Verrenkungen der »Weltpolitiker« auf den G-20-Gipfeln und der Finanzeliten in ihren Glastürmen, die alles Mögliche und Unmögliche zur Reparatur des Systems unternehmen, wo doch die Produktivkräfte dieses Planeten schon längst eine ganz andere Richtung der Entwicklung der Krise vorgeben.

In dieser Lage versuchen die Geldeliten sich zu verselbständigen. Sie beginnen im wahrsten Sinne des Wortes, auf eigene Faust mit Söldner­armeen sowie privaten Polizei- und Geheimdiensten zu operieren, denn Klimawandel, Ressourcenprobleme und wachsende, unumkehrbare Arbeitslosigkeit deuten auf ein kommendes globales Szenario nackter Überlebenskämpfe. In einer solchen Rette-sich-wer-kann-Welt werden neue und neuartige Klassenkonflikte entstehen. Und wir alle kommen letztlich nicht darum herum, an ihnen teilzunehmen.

Hans Jürgen Krysmanski lehrte bis 2001 Soziologie an der Universität in Münster. Sein Forschungsinteresse liegt seit vielen Jahren in der Soziologie der Superreichen. 2012 erschien von ihm das Buch »0,1% – Das Imperium der Milliardäre«, zu dem Krysmanski uns exklusiv eine Quintessenz geschrieben hat.

 

 

Mein Anteil zur Gegenwehr liegt inzwischen vor: 

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