Wenn eigene Inhalte nicht aufgegeben werden ...

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Bündnisse bergen natürlich Virus-Gefahr in sich: Jeder Kompromiss - und jedes Bündnis sollte einen Kompromiss einschließen - bedeutet ja nicht nur, dass man einen Schritt aufeinander zu geht, sondern auch, dass man sich evtl. genau diesen Schritt von der eigenen ursprünglichen Position entfernt. Schwupps(!) könnte man zum Opportunisten, zum Anpasser geworden sein. Ein so hoher Preis, dass viele taktischen Bündnissen gegenübe genauso skeptisch gegenüberstehen wie strategischen.

Andererseits ... Was ist der Preis eines klaren eigenen Standpunktes? U.U., dass man im Kreise derer, die sowieso schon Kommunisten sein wollten, versauert. Eine sachliche Bewertung - die damit OBJEKTIV eine Kommunistenwerbung wäre - braucht man von bürgerlichen Medien nicht zu erwarten. Überhaupt nicht erwähnt zu werden verstärkt aber den Eindruck einer 0,001-Partei. Bis zu einem bestimmten Grad wird damit das Wahrgenommen-Werden zum Zweck. Das erspart nicht die kritische Analyse, ob wir nachher gestärkt erscheinen und ob wir nachher gestärkt sind. 

Wer die Macht übernehmen will, um alle Machtsysteme der Herrschaft von Menschen über Menschen in Nichts aufzulösen - und so könnte man Sozialismus/Kommunismus beschreiben - muss u.a. Kompetenz glaubhaft machen. 

Wenn etwas schief gehen sollte, gibt es immer noch ein Argument: Wir müssen uns nicht vorwerfen, es nicht ernsthaft versucht zu haben. 

 

Ein Artikel in der regionalen DKP Zeitung:

Lauscha und Ernstthal sind eine kleine Gemeinde in Thüringen. Hier kann man die „Blühenden Landschaften“, die seinerzeit versprochen wurden, bis auf wenige Ausnahmen direkt bewundern. Das wäre kein Unterscheidungsmerkmal zu anderen Thüringer oder sonstigen kleinen Städten, 18% DVU Wähler bei der letzten Bürgermeisterwahl schon. Einige Jahre ist diese rechtsextreme Partei in der lokalen Kommunalpolitik erfolgreich dabei. Als Skandal wurde das aber nur durch antifaschistische Gruppen wahrgenommen.
„Extremisten von linker und rechter Parteizugehörigkeit prägen das Feld der Bewerber um den Rathaus-Chefposten in Lauscha.“ so beginnt der Artikel zur Vorstellung der Kandidaten der diesjährigen Bürgermeisterwahl in Lauscha im lokalen bürgerlichen Blatt „Freies Wort“. Als vor 6 Jahren der Nazi-Stadtrat zu gleicher Gelegenheit antrat, war das weniger dramatisch. Jetzt aber haben sich die Partei DieLinke. und die DKP in einem Wahlbündnis für einen Kommunisten als gemeinsamen Kandidaten entschieden.
Da müssen Halbwahrheiten und Unterstellungen bemüht werden, dessen bisheriges kommunales Engagement zu diffamieren. Die örtlichen CDU rief zum „Demokratischen Schuterschluss“ auf.
Das Presse veröffentlichte nahezu täglich Erfolgsmeldungen, die sich an Absurdität kaum überbieten ließen. In einer Richtigstellung, die nicht veröffentlicht wurde, hieß es dann auch folgerichtig:
„Das sich nun das Freie Wort vor den demagogischen Karren spannen lässt, um die Wahl des Bürgermeisters in Lauscha eventuell positiv für den Amtsinhaber zu beeinflussen, hat mich enttäuscht. ... Antikommunismus mag heute hoffähig und schick sein. Er sollte aber nicht dazu verführen, Tatsachen falsch oder verdreht darzustellen ...“
Heute liegen die Resultate vor. Erschreckend ist, dass der lokale Faschist 18% Stammwählerschaft bewiesen hat. Der Kampf um einen Paradigmenwechsel in Lauschas Amtstube scheiterte an der Phalanx der angeblich politisch Korrekten und dem übermächtigen Pressemonopol.
Es hat sich gezeigt, die DKP kann Bündnisse eingehen, ein Novum für Thüringen, und sie ist wählbar. Mit immerhin 10,6% der Stimmen wurde ein bemerkenswertes Ergebnis erzielt.
Gemeinsam mit der Partei DieLinke. wurden kommunalpolitische Profile geschärft. Die Erfahrung aus dieser Zusammenarbeit war für beide Parteien positiv und fruchtbar. So gesehen ein wirklicher Erfolg.
Toni Köhler-Terz 27. April 19:02

Veröffentlicht in politische Praxis

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