Wie sehen die nächsten Revolutionen aus?

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Was würde ich dafür geben, auf diese Frage eine konkrete Antwort geben zu können. Aber wir alle stehen dabei vor dem Schachspielerproblem. Dabei wage ich nicht einmal zu entscheiden, ob es „bevorzugt“ bei dem Spieler mit den schwarzen Steinen auftritt: Letztlich sind die eigenen Strategien ja immer davon abhängig, ob der Gegner das wirklich macht, was man in seiner eigenen Konzeption ihm als Reaktion zugeordnet hatte.

Lenin, dem man angebliche besondere Radikalität zuschrieb, erklärte die eigenen Maßnahmen zu Reaktionen auf die Formen, mit denen die Bourgeoisie ihre Macht zu verteidigen versucht. Ihm sei eine parlamentarische Machtübernahme noch Mitte 1917 nicht nur wünschenswert, sondern auch möglich erscheinen (also vor Juli).

Es ist also EINE von vielen denkbaren Optionen, dass z.B. im bürgerlichen Staatssystem Volksabstimmungen stattfinden, sagen wir beginnend mit „Soll die xy-Bank enteignet werden, weil sie dem Gemeinwohl geschadet hat“ über „Sollen die Privatbanken in Gemeineigentum überführt werden, weil sie dem Gemeinwohl geschadet haben“ und Ähnliches zur Zugehörigkeit zu imperialistischen Staatenverpaktungen u,Ä. Bis hin zur pauschalen „Machtübernahme“.

Nicht lachen! Diese Option ist nicht wahrscheinlich. Es ist aber nur schädlich, sie als die einzige, einzig wünschens- oder unterstützenswerte usw. anzusehen, also sich in Legalismus und Sozialdemokratismus zu verbeißen.

Wenn dies rechtlich zulässig ist – prinzipiell widerspricht es ja beispielsweise dem deutschen Grundgesetz nicht – wäre es schlimm, wenn man auf damit zusammenhängende Maßnahmen verzichtete. Die wichtigste „Maßnahme“ wäre dabei die Aufklärung der Menschen im Sinne einer logischen Kette: Seht her: Ist das nicht kriminell, was xxx da macht? --->>> Ist es ausreichend, nur xxx zu entmachten, sondern muss man nicht die ganze mafiose Struktur beseitigen, damit sich das nicht wiederholt usw.

Wesentliche und aktive Teile der Bevölkerung müssen aus dem Kapitalismus raus wollen – und das können sie nicht, wenn sie nicht wenigstens wissen, dass sie in einem der Sümfe des Kapitalismus stecken und dass es auch anders geht.

Das heißt: Eigentlich sollten Linke überall und immer mit ihren Mitmenschen so umgehen, als stehe ein Volksentscheid über das gewünschte Gesellschaftssystem unmittelbar bevor,

Wenn wir den Gedanken aber weiterspinnen, stoßen wir ohne die Reaktion des Gegners auf ein anderes Problem: Den Einzelfall zu erkennen ist eben einfacher als das Wesen des Systems.

Aber das trifft eben nicht nur für diesen exotischen Fall zu. Wie viele offensichtlich streitbare Revolutionen begnügten sich letztlich mit der Ablösung eines Diktators. Dass sie den Nährboden des Diktators hätten mit austauschen müssen, merkten sie erst, als es schon zu spät war.

 

Typischer deutscher Fall: die Proteste gegen Stuttgart 21. Ihnen fehlte total der Hintergrund, dass es „normal“ ist, dass etwas eventuell total Widersinniges gemacht wird, sobald eine aktive Gruppe daraus Profite ziehen kann. Man stößt auf das Grundproblem des ökologisch jätenden Gärtners: Ist das eine „Unkraut“ ausgerissen, ist das nächste schon am Wachsen.

Veröffentlicht in unsere Epoche

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