Wie sehen die nächsten Revolutionen aus? (4)

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... Der andere Mechanismus der Evolution ist die Katastrophe.

Um das klar zu stellen: Man kann die beiden Mechanismen nicht immer steng voneinander abgrenzen. Innerhalb einer langfristig abgeschrägt-geraden Evolution kommt es oft zu begrenzten „Minikatastrophen“. Für die einzelnen Wesen reichen die aus. Da reicht schon ein besonders langer und kalter Winter aus, um mehr als nur die am wenigsten Fitten auszusortieren. In solchen Fällen sterben mehr als für das Gleichgewicht notwendigen Exemplare, sodass sich deshalb ein neues Gleichgewicht einstellt. Eine Katastrophe jedoch ist eine Änderung von Umweltbedingungen, bei der es zu einem Massensterben, deutlicher gesagt: Massenaussterben kommt. Der Augenblick des Eintretens solcher Katastrophen ist aus Sicht der natürlichen Evolution rein zufällig. Es besteht also kein Zusammenhang zwischen dem Einschlagen eines Meteoriten oder eines Gammastrahlen- “Beschusses“ einer Sternenexplosion in der Nähe des Sonnensystems usw. und dem Stand des Lebens auf der Erde, ob es nur Meerestiere oder beispielsweise Dinosaurier an Land gibt. Aber es folgt üblicherweise ein Paradoxon: Die bis zu diesem Punkt am besten angepassten Lebensformen sterben am wahrscheinlichsten aus – ganz einfach, weil sich die Bedingungen unmittelbar nach der Katastrophe für sie am relativ stärksten verändert haben.

Ein meist zu beobachtendes allgemeines Zeichen solcher Katastrophen ist das Verschwinden der besonders großen Lebewesen, weil ja genau diese Größe Ergebnis eines langen Anpassungsprozesses ist. Wäre nicht über einen langen Zeitraum sehr viel Grünzeug zum Fressen dagewesen, wären die Grünzeugfresser auch nicht potentiell immer größerer geworden. Dann hätten sie sich eher in andere Gegenden ausgebreitet mit anderen Bedingungen, an die dann eine allmähliche Anpassung notwendig gewesen und auch erfolgt wäre.

Die „besser Angepassten“ klingt beinahe wie ein Witz: Eine Lebensform, die bei 20 Grad am besten gedeiht, ist am besten angepasst, wenn 20 Grad herrschen (und sie hat sich ja herausgebildet, weil lange 20 Grad geherrscht haben). Wenn nun „plötzlich“ (übertrieben) 20 Grad Frost herrschen, ist ihre bisherige Anpassung auf jeden Fall ungeeignet. Es ist eine Frage der Geschwindigkeiten der Veränderungen der Umwelt und des eigenen Umstellungspotentials, ob die Art die Katastrophe übersteht. Wenn – um bei dem Beispiel zu bleiben – zuvor zwischen einem Sommer und Winter der Temperaturschwankungen wegen unterscheiden worden war (und nicht wegen Regen und Trockenheit), dann muss es schon Ansätze für Kältanpassungen geben.

Im Sinne einer NATÜRLICHEN Evolution ist „der heutige Mensch“ ein Übergangswesen. Er muss logisch (wegen des Zeithorizonts) noch urzeitliche Anpassungsstrategien aufweisen, aber auch mehrere Stufen der Anpassung an „revolutionäre“ (hier nur im Sinne von katastrophal einschneidende) Veränderungen seiner Lebensumwelt.

 

 

Aber vorerst noch einmal zurück zur Frage einer revolutionären Beseitigung kapitalistischer Verhältnisse.  ...

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