Wie soll man DAS erklären?!

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Nach Griechenland steht gerade eine Wahl in Mexiko an. Hier ist die Wahrscheinlichkeit der Wahl des reaktionären Kandidaten von vornherein größer, aber es gibt ein ähnliches Problem für die radikale Linke:

Eine Machtübernahme von revolutionären Kräften steht nicht auf der Tagesordnung. Kommunisten werden nach den Wahlen nicht das Land führen - auch wenn sie die progressivsten Ideen dafür hätten.

Und nun kommt das ABER: In beiden Ländern sträuben sie sich, den - sagen wir es so: - "progressiven" Kandidaten zu unterstützen, wodurch das Bild der Zerstrittenheit begründet wird, was letztlich zur niederlage ALLER "progressiven" Kräfte führen wird.

In beiden Ländern ist das Hauptargument, dass  die progressiven Kandidaten nicht das Notwendige, Ausreichende bringen werden.

Für mich stellt sich eine taktische Frage: Welche Bedeutung hat die Erfahrung der Mobilisierungsfähigkeit? Ist es besser, die Menschen in die Scheiße laufen zu lassen und dabei zu stehen und zu sagen, das haben wir doch gesagt, dass das Scheiße ist, oder zu sagen, wir können einen Wechsel durchsetzen, im Moment mit dem Kandidaten, der da ist, und wenn der sich als "Verräter" erweisen sollte, dann mobilisieren wir den auch weg?

Klar: Es gibt viele Argumente GEGEN die Mobilisierungen. Dass, um ein Beispiel aufzugreifen, Obama die meisten Hoffnungen, die in ihn aus progressiver Sicht gesetzt wurden, nicht erfüllt hat, hat die Bedingungen für die reaktionäre Tea-Party-Bewegung als Mobilisierung verbessert. Aber doch in erster Linie, weil er zur Heilsbringerfigur hochstilisiert worden war. Wenn der gewählt ist, sind so viele Probleme sofort gelöst. Man sollte aber nicht vergessen, dass mit den Occupys in den USA erstmals relevante Gruppen von sich reden machten, die das kapitalistische System zumindest in Frage stellten. 

Geht es nicht in die Hirne der Massen hinein, dass große Veränderungen u.U. in Etappen verlaufen könnten, dass dabei derjenige, den man selbst ans Ruder gebracht hat, dieses Ruder danach aus der Hand genommen werden könnte, wenn e nicht den eigenen Kurs steuert - man ihn aber zu verteidigen weiß, wenn dasselbe seitens reaktionärer Kräfte versucht wird?

Woher kommen denn die eigentlich absurden Zwischenerfolge der Piraten? Weil eine totale Demoralisierung um sich gegriffen hat, dass "man" sowieso nichts zu verändern vermag und deswegen die, die total anders wirken, Anziehungskraft bekommen.

Taktik ist ein verdammt kompliziertes Ding. Da kann eine gemeinsame Demonstration mit dem Bündnispartner von vergangener Woche plötzlich kontraproduktiv sein. Ist das abe ausreichendes Argument dafür, gar keine Taktik zu probieren und unabhängig von den realen Möglichkeiten zu sagen: Das ist unser strategisches Ziel ... also alles oder nichts?! 

Veröffentlicht in politische Praxis

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