Wir schreiben den 30.Januar 2013

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Heute vor 80 Jahren wurde einem Adolf Hitler mit seinem Faschistenanhang zugebilligt, die politische Macht in Deutschland offen zu übernehmen.

Mir graut es vor der Vorstellung, was so im Querschnitt in der deutschen Presse dazu verbreitet wird. Jede Interpretation, jeder Beitrag, der sich dabei auf die Person des Adolf Hitler orientiert, bekräftigt unterschwellig die "Einzeltäter"-Lüge. Nun sind krankhaft übersteigerte Eigenarten an diesem Mann sicher vorhanden gewesen. Allerdings gibt es in allen Zeiten kleine Hitler-Persönlichkeiten zu Tausenden. Die Frage ist, lässt man sie an die Führung eines Staates oder steckt man sie in die Nervenheilanstalt. Keine Partei kann ohne entsprechende Mittel groß werden. Erst einmal "am Ruder" ist der persönliche Einzeleinfluss größer. Doch auf dem Weg dorthin? Da standen Industrielle mit viel Geld aktiv hinter diesem "Einzeltäter". Wer die dummen "Volksmassen" in die Pflicht nehmen will, die sich haben verführen / blenden lassen, der sollte eines bedenken: Die Machtübergabe erfolgte als Reaktion auf die erste Wahl, bei der die Nazis Stimmen verloren hatten, zwei Millionen. Also die "Massen" waren an dem Punkt angekommen, sich von dem Verführer abzuwenden.

"Faschismus" ist - grob gesagt - konsequenter Kapitalismus. Hier wird der Sieg gegen die Konkurrenten "nur" aufs Äußerste getrieben. Rassismus als Humus der "Bewegung" gehört zum Kapitalismus aber dazu. Man ist auserlesen, die Anderen sind Abfall. Wer also gegen Arbeitslose hetzt, obwohl er genau weiß, dass sie zumindest in der Masse beim besten Willen ihr "Schicksal" nicht ändern können, weil nie entsprechende Arbeitsplätze angeboten werden - nicht einmal unwürdige und schlecht bezahlte - der bereitet die Frage vor, was mit den überflüssigen Alimenten-Empfängern passieren soll. Weit ist es da nicht bis zur logischen Konsequenz, sie umzubringen, ihren Nachwuchs zu verhindern usw.

In der Gegenwart ist offen selbstorganisierter Faschismus "NUR" eine im Hinterfach behaltene Reserveerscheinung. Sie erfüllt dort noch viele Aufgaben. Die wichtigste: von den eigenen faschistoiden Gedanken ablenken. Ganz so schlimm ist man ja gar nicht. Aber man hat über deren Gedanken geredet und sie sich - abgeschwächt - zu eigen gemacht.

Faschismus in Europa kann praktisch nur ein "europäischer Faschismus" sein. Wie zu Zeiten der Vorbereitung des 2. Weltkrieges gehört zwar nationalistische schein-antikapitalistische Propaganda zum Handwerkszeug, aber keiner der Faschisten würde ernsthaft Kriege gegen Atommächte anfangen wollen. Denn das ist ebenfalls zu bedenken: Schon der Hitlerfaschismus war eben NICHT irrational. Solche Züge traten erst zutage, als die eigene Niederlage sich deutlich abzeichnete. Wer seitens marxistischer Geschichtsschreibung zu beweisen versucht, wie abenteuerlich aussichtslos die Eroberungsabsichten der deutschen Faschisten gewesen seien, der unterstützt ungewollt die Einzeltäterschaftsmythologie. Man bedenke die überzeugenden Blitzkriegsiege über Polen und Frankreich. Für einen, der noch dazu die Erfahrungen der zaristischen russischen Armee aus dem 1. Weltkrieg in Erinnerung hat, musste bei entsprechender Konsequenz eine deutsche Weltherrschaft in Blitzsiegen erreichbar erscheinen.

Heute heißt also "Antifaschismus", konsequent gegen jede Wurzel des Faschismus in allen Formen vorzugehen. Insofern muss Antifaschismus unbedingt Antikapitalismus bedeuten. Nur eine Gesellschaft, die gegenüber allen Mitmenschen zur Achtung fähig ist und die Grundlagen der Missachtung anderer beseitigt hat (und nicht nur Äußerlichkeiten) wird eine menschliche und friedliche sein können.

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