Blogger-Kultur

Samstag, 3. mai 2008
Wenn ich mir nun einmal vorgenommen habe, Linken, denen das ganze Internet ein rotes Tuch (grins:ROTES!) ist, erklären möchte, was für eine gute Sache Bloggen ist? Wenn ich nun einfach neue Autoren, Hobbyredaktuere für die rote Predigt suche? Hier müsste also ein so richtig wissenschaftlicher Artikel für "Rotfuchs"-Leser entstehen. Vielleicht so:

Doris Lessing hat es bei ihrer Rede zur Literaturnobelpreis-Verleihung für nötig erachtet, die Bloggerei als Zeichen des Kulturverfalls in der Gegenwart mit Worten zu geißeln. Oh diese Jugend heutzutage! Ein Blogger, der schon nicht mehr zur Jugend, aber noch nicht zur Generation der Alterskonservativen gehört, meinte dagegen, Lenin wäre heute ein begeisterter Blogger.

Vorsichtshalber ein paar Worte zum Einstieg, was denn ein Blog überhaupt ist. Die meisten haben schon von Homepages gehört. Man stellt sich mit einer Haupt- und mehreren Unterseiten im world wide web vor mit Verbindungen (Links) zu interessanten Partnern. Das ist eine relativ starre Sache: Wenn die Seiten erst einmal stehen, dann stehen sie eben. Es besteht wenig Anlass, seine eigene Seite häufig zu besuchen und vor allem besuchen zu lassen. Die Bereitstellung des Platzes (und ggf. die professionelle Einrichtung) kostet den Nutzer (User) Geld. Das Neue an Blogs dem gegenüber ist die angestrebte regelmäßige Veränderung auf der Hauptseite. Beispielsweise kann ich jeden Tag ein neues Gedicht veröffentlichen – das vorige (der letzte Artikel) rutscht dann automatisch eine Stelle weiter zurück ins Archiv. Bei der Artikelfolge verwandelt sich das bzw. der Blog in eine Art Endloszeitung. Am Rand tauchen die relativ stabilen Seiten wie bei einer Homepage auf.

Inhaltlich gibt es keine Beschränkungen (abgesehen von strafrechtlichen), d. h. im Prinzip kann jeder nunmehr sein ganz privates Tagebuch ins Netz stellen, man kann fortlaufend sein Hobby präsentieren, seine Spezialkenntnisse, egal ob echte oder eingebildete, darstellen, Nachrichten kommentieren oder selber welche fabrizieren, seine Meinung aufschreiben, begründen … im Prinzip alles.

Für die Anbieter ist dies eine neue Qualität. Immer mehr, gerade junge Menschen werden so relativ regelmäßig an ihr Medium, die „Blogosphäre“, gebunden. Die Blogger eignen sich nun als Werbeträger – vorausgesetzt, die Artikel werden auch von Anderen gelesen. Keine Frage: Sie werden. Die Zugriffszahlen schwanken extrem. Blogs mit Hunderten und Tausenden regelmäßigen Lesern sind nicht die Ausnahme. Es gibt viele verschiedene Wege, Gemeinschaften („Communities“) gleich Gesinnter zusammenzuführen. Erwähnt werden sollen hier nur die Schlüsselwörter („Tags“), durch deren Sucheingabe man alle die findet, die eben sich bloggend mit „Maulbrütern“ oder „Kommunismus“ beschäftigen. Man hat seine „Identität“ und vernetzt sich mit anderen Identitäten, kommentiert sich gegenseitig. Man tauscht MEINUNGEN aus. Weil diese so persönlich sind, haben sie auch einen höheren Authentizitätsgrad als beispielsweise die „Originalmeldung“ in „Bild“.

Der Anteil der Blogs an der Meinungsbildung wächst rasant – so wie die Blogs rasant anwachsen. Obwohl das Betreiben eines Blogs einen minimalen (wenn auch regelmäßigen), schon gar keinen finanziellen Aufwand bedeutet, es also ein Medium wäre, in dem Linke dem Umfang des real „bildenden“ „Bild“-Einflusses entgegen wirken könnten (wobei der hier für die GANZE kapitalistische Medien-Industrie steht), ist die Zahl derer, die sich in dieses Schlachtfeld um die Köpfe herab bewegt, schmerzhaft gering. Das kann damit zusammenhängen, dass eine „Meinung“ immer ein Stück Komplexität im Wissen opfert, das kann aber genauso gut damit zu tun haben, dass eben diese Linken schlicht diesen Zug der Zeit wieder einmal verschlafen.

Es gehört zur geistigen Selbstverstümmelung der dogmatischen Linken, dass sie mit der Kraft des Beharrens auf gut Gelerntem neue Trends verschlafen – bis die der kapitalistische Mainstream restlos integriert hat. Dann ist es leicht, zu sagen, wir haben es ja schon immer gewusst. Dabei gibt es in der Welt der Erscheinungen, der Erfindungen, der Technik nichts, was sich nicht so … und eben so gebrauchen, also missbrauchen ließe.

(2) Bloggen und das Grundgesetz menschlicher Entwicklung
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Freitag, 18. januar 2008

In den Kommunismus bloggen…

Welches Potential aber liegt im Web?

Man denke sich einmal die Werbung raus, die auf diesem Weg unbewusst in die Hirne der jungen Köpfe eingewurzelt werden soll. Übrig bleibt einfach ein fast unendlichen Platz für Kommunikation. Und damit wäre ich bei den Bloggern als Beispiel. Auch da denke man sich hinzu, dass sie bessere Möglichkeiten bereits hätten nutzen können, ihre Sinne umfassend zu bilden, eine Schule, die als Hauptziel angestrebt hätte, Menschen mit Werten wie Solidarität in Verbindung mit abgerundetem Allgemeinwissen und „geschulter Genussfähigkeit“ zu entwickeln… Alle ihre tatsächliche Solidarität müssen sie sich ja jheutzutage als Abgrenzung zu ihrer Umwelt aneignen!

Merken wir denn nicht, dass dort eine Generation heranwächst, in deren Händen bereits kommunistisches Handwerkszeug liegt? (Die Schäubles und ihre Gesinnungsgenossen haben das früher bemerkt. Die trachten gierig danach, jeden ihnen nicht passenden Gedanken mit einem pauschalen Terrorismusverdacht in Warnschussarreste zu verbannen. Es wird sonst wohl niemand ernsthaft eine „Bedrohung“ durch die Internetties erwarten – nur durch die Macht-vollen Staatsterroristen.)

 Was macht denn so ein Blogger? Er schreibt und gestaltet etwas zu dem Thema, das ihn interessiert und von dem er was versteht – mehr jedenfalls als die ihm über die Schultern schauenden gelehrten Opis – und sucht „weltweit“ nach gleich Gesinnten zum Austausch. Ist das nicht aber eine Vision, wie es im Kommunismus zugehen könnte? Ein Höchstmaß an Entfaltung der einzelnen Individuen mit ihren ganz persönlichen Besonderheiten innerhalb einer Gesellschaft, die keinen Grund hat, diesem freien Spiel an Möglichkeiten Schranken zu setzen, nicht so lange, sondern weil es die Freiheit anderer nicht bedroht?

Gut. Die materiellen Grundlagen im Kommunismus sind andere. Die Gesamtmenge der gesellschaftlich notwendigen Arbeiten zur Weiterexistenz ist so weit zusammengeschrumpft, dass sich genügend Menschen finden, sie gern machen zu dürfen (zu wollen). Die Frage, sollen wir etwa 20 Stunden die Woche arbeiten, würde Verwunderung auslösen. Warum denn nicht auch einmal mit anderen zusammen für andere arbeiten? Da trifft man wenigstens neue Leute!      

Die heutigen Blogger haben ihr Tun als Alternative zum Abhängen vor der Glotze gewählt. Wenn man unter ihren Beiträgen sicher auch weniger kreative Beiträge finden mag … Wessen Schuld ist das wohl? Sie gebrauchen zumindest die Kreativität, die sie haben. Damit sind sie den linken Selbstdarstellern voraus, die seit Jahrzehnten unveränderte Tonfolgen reproduzieren.

Älteren hat selten gefallen, was ihre Sprösslinge so angestellt haben. Wie sollen die jemals an die eigenen Nobelpreise herankommen?! Dabei sollte alles getan werden, damit das demokratischste Medium, das bisher entstanden ist, unseren Nachfolgern den Weg in eine Zukunft zu bahnen hilft, die vorzubauen uns nicht gelungen ist.

 

„Slov ant Gali“

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Donnerstag, 17. januar 2008

Endlich gefunden: Die postkapitalistische Gesellschaft ist erntereif

Leider haben Cockshott / Cottrell ihre Betrachtung mit so viel Gemisch aus Mathematik und Umdeutung der Marxschen Arbeitswerttheorie verbunden, dass der eigentliche revolutionäre Gedanke ihrer Schrift „Alternativen aus dem Rechner“[1] darunter fast verschüttet worden ist:

Der Kapitalismus unterwirft alle Leistungen menschlichen Geistes dem nachträglichen spontanen Wirken eines chaotischen Marktes. Das hat den Preis, dass notwendigerweise immer ein Teil der erbrachten Menschheitsleistung im Nachhinein als überflüssig entwertet wird.

Der Sozialismus schafft durch die formaltheoretische Übereinstimmung von Produktionseigentümern und Konsumenten die Möglichkeit, dass genau das produziert werden kann (könnte), was auch gebraucht wird. Dies setzte eine hoch qualifizierte Planung voraus. Das, was in den bisherigen „Planwirtschaften“ aber Planung geheißen hatte, waren voluntaristische Fiktionen, einmalige Was-wäre-wenn-Berechnungen, die so nie aufgehen konnten. Sie hätten nicht einmal dann funktioniert, wenn man einen in sich geschlossenen Wirtschaftskreislauf hätte umsetzen können, sich also nicht in die Illusion gestürzt hätte, dass die lieben Kapitalisten friedlich dauerhaft beim Aufbau des sie überlebenden Sozialismus helfen würden.

Weil das so war, verwandelte sich das "realsozialistische" Wirtschaftssystem zwangsweise in eine Kommandowirtschaft, in der die dem Namen nach besitzenden Werktätigen sich zu Recht als von einer supermächtigen fremden Gruppe (Parteiführung usw.) benutzt empfanden. Ich will nicht behaupten, dass nicht schon in den Jahren nach 1945 vom Grundsatz viel mehr Demokratie im Wirtschaftsprozess möglich gewesen wäre, aber dem tiefsten inneren Wesen nach war eine dem Kapitalismus überlegene Volkseigentümer-Demokratie technisch nicht umsetzbar (also auch bei bestem Wollen nicht). Cockshott / Cottrell gehen davon aus, dass in den allerletzten Jahren des letzten Jahrtausends die Computertechnik prinzipiell ein potentielles Niveau erreicht hatte, um dies erstmals zu ändern. Das heißt zwar nicht, dass in jeder Taiga das sofort hätte umgesetzt werden können, aber man hätte einen Anfang machen können. Ganze Völker als unteilbare, nicht käufliche, unverkaufbare, aber nachvollziehbar „Dividenden“ erbringende Eigentümergemeinschaft. Schrittweise hätte jeder die tatsächlichen Wirkungen seines Tuns im Vorhinein ermessen und verändern können. Lenins Traum von der mitregierenden Köchin hätte plötzlich reale Züge am häuslichen Computer bekommen können, eingeloggt in ein System „Volkswirtschaft“. Das hätte zugegebenermaßen viele dogmatisch eingefahrene Rollenspiele der Macht sprengen müssen, aber es hätte sie erstmals sinnvoll sprengen können.

Nun darf man von unserem Entwicklungsstand dem Frühdenker Marx sagen, dass die heimische Computerisierung eine bessere Voraussetzung für Wirtschaftsdemokratie ist als eine Taktstraße, der militärische Kommandogewalt und Unterordnung entspricht. Die hoch entwickelte Computertechnik haben wir nunmehr – aber dafür kein gesellschaftliches Eigentum, für dessen demokratische Verwaltung wir sie nutzbringend einsetzen könnten. Anstatt dessen mühen sich Software-Spezis darum, Microsoft-Systeme für Fremdsoftware inkompatibel zu machen bzw. die in der Sache normalerweise innewohnende unendliche Vielfachnutzung derselben Software auszuschließen, damit dieselbe Software für den nächsten Computer neu gekauft werden muss – welch Verschwendung menschlicher Schöpferkraft!

Auf welchem Niveau sind die Produktivkräfte heute angekommen: Ohne den Druck der Warenwirtschaft reichte es aus, für ein Problem einmal auf der Welt eine Software zu entwickeln, die dann überall den jeweiligen Besonderheiten entsprechend anzupassen wäre – im Prinzip (nicht praktisch im einzelnen Fall) auch nur einmal pro Fall auf der ganzen Welt. Dem steht im Prinzip nur das Einzeleigentümerinteresse entgegen. Man bedenke die astronomischen Einsparungen, die allein durch den Wegfall aller jetzigen Geheimhaltungssysteme möglich wäre.

Anders ausgedrückt: Wir haben erste technische Ebenen erreicht, in denen ein sozialistisch-kommunistisches Wirtschaften dem kapitalistischen nicht mehr nur moralisch, sondern praktisch überlegen sein könnte. (Der Grad der Integration Chinas ins kapitalistische Weltwirtschaftssystem auch im Inneren lässt es nicht zu, China in diesem Sinn als sozialistische Wirtschaft anzusehen, was eine sozialistische Zielstellung nicht ausschließt.)

Das zweite Zukunftsfeld ist das World Wide Web. Zumindest potentiell ist dies eine Erscheinung der „Produktivkräfte“, die über den Horizont kapitalistischer Systeme hinausreicht.

Ich will hier sofort eine Einschränkung einschieben: Es gibt keine technische Möglichkeit, die nicht zum Schaden der Menschheit missbrauchbar wäre. So ist die Horrorvision, jemand säße in einem Kommandobunker und bediente einen Computer, der fern steuernd eine gesamte Erdregion auslöscht, im Bereich des technisch Vorstellbaren. Auch das ist ein andauernder Grund, weshalb es mit der Umsetzung einer postkapitalistischen Gesellschaft (die dann eben keine imperialistische wäre, denn Imperialismus ist nur eine innere Höherentwicklung des Kapitalismus) schnellstens wieder auf die Tagesordnung aller vernünftig denkenden Menschen, vor allem der Jugendlichen, zu setzen.

Es geht hier um das Potential einer Sache. Dampfmaschine und Fordscher Großbetrieb mit Taktstraßen hatten keine anderen Potentiale als gut genutzt Unmassen mehr (gleiche) Produkte in gleicher Zeit herzustellen als je zuvor. Mehr eben nicht. Hätten sie massenweise Arbeitserleichterungen bringen sollen, dann hätten entweder die Maschinen zeitweise ungenutzt herumstehen müssen (was für Kapitalisten wie Sozialisten eine Verschwendung gewesen wäre) oder an anderer Stelle des Weltwirtschaftsgeschehens hätten Menschenmassen abgezogen werden müssen (was unter anderem noch mehr Hunger bewirkt hätte).

(wird fortgesetzt)

[1] W. Paul Cockshott / Allin Cottrell, Alternativen aus dem Rechner. Für sozialistische Planung und direkte Demokratie, deutsch 2006 PapyRossa Verlag Köln.


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Mittwoch, 16. januar 2008

Der vergangene „Realsozialismus“… ein Gesetzesbruch?

Wann es so weit ist, dass eine neue Gesellschaftsordnung, neue Produktionsverhältnisse, kommen müssen und können, ist eine Frage des Entwicklungsstandes der Produktivkräfte. Deren zwingende Wirkung im Nachhinein zu bestimmen war für Marx möglich. Womit aber sollte er das Niveau der künftigen festlegen?

Marx war kein Science-Fiction-Autor. Er überlegte nicht, welche Verhältnisse erreicht sein könnten, müssten, welche Möglichkeiten technisch vorliegen sollten. Er beobachtete nur, dass mit seiner Entfaltung der Kapitalismus das ursprünglich gesellschaftlich fortschrittliches Potential verlor, menschliche Schöpferkraft in Krisen zerstörte, und mit dem Proletariat eine „Klasse“ entstanden war, deren natürliches (objektives, also erst einmal vom Einzelwesen unabhängiges) Interesse jene postkapitalistische Gesellschaft sein musste, die ein Kommunismus sein konnte, weil dieses Proletariat keine Besitzstandsinteressen zu verteidigen hatte.

So weit  - so schön - so richtig.

Aber als Wissenschaftler konnte Marx nur vorhandene Trends extrapolieren. Also erschien ihm die sich herausbildende Großproduktion als Quelle des materiellen Umschwungs. (Die war der erkennbar neueste Trend.) Dem kam entgegen, dass eine solche Großproduktion (Lenin hat diesen Aspekt weitergeführt) das ideale organisatorische Umfeld für die Herausbildung von Klassenbewusstsein seitens der Arbeiter bot. Die Massen konnten hautnah beobachten, dass es anderen massenweise so ging wie ihnen selbst, sie konnten eventuelle Erfolge der Mit-Massen als für sich nachvollziehbar und nachmachbar miterleben („Alle Räder stehen still,…“) und es bedurfte nur der bewussten Organisation dieser im Charakter der Produktivkräften bereits angelegten Widerstandskraft, um den Wandel Wirklichkeit werden zu lassen.

Der erste Fehler dieser Theorie liegt in der Unterschätzung der Tatsache des notwendig bewussten Handelns aller geschichtlichen Akteure, also auch der "überlebten" Kapitalistenklasse. So wie die Arbeiter undank ihrer begrenzten Bildungsmöglichkeiten Marx eventuell lesen konnten, lasen ihn die Kapitalisten umso aufmerksamer, um den Bedingungen ihres Untergangs, wenn möglich, vorzubeugen.

Lenin stieg notwendigerweise in ein sich bietendes Zeitfenster ein, bei dem der Kapitalismus als Imperialismus sein Wesen besonders offen als Weltkrieg verriet. Er tat dies dort, wo er es tun konnte - in seiner Verpflichtung als Kommunist und in der Erwartung, dass dies die anderen an den Orten ihrer Verantwortung auch tun würden, und er begann es in der Erwartung, es erfolgreich zu tun (was er auch von den anderen erwarten durfte und musste).

Aus vielen Gründen, unter denen die kapitalistische Käuflichkeit von Menschen in Form des Opportunismus sicher besonders wichtig war, blieb seine Revolution als die einzige siegreiche vorerst übrig – unter Bedingungen, die sich keine Vernunft freiwillig ausgesucht hätte.

Langsam schließen sich die Kreise: Es ist ja den „Klassikern“ des Marxismus-Leninismus nicht vorzuwerfen, aber kann es nicht sein, dass die Produktivkräfte einfach nicht weit genug für die folgende Gesellschaftsordnung entwickelt waren? … dass es für eine sozialistisch-kommunistische Gesellschaft während des „realen Sozialismus“ die Grundlagen für einen (Entschuldigung für diese „Tautologie“) wirklich realen Sozialismus nicht gab, man sie sich nicht einmal hat vorstellen können? Dass die größte historische Katastrophe vielleicht gerade darin besteht, dass genau dann die technischen Bedingungen für die postkapitalistische Gesellschaft aufkamen, als die Produktivkraftvoraussetzungen für ihre sinnvolle Nutzbarmachung wieder beseitigt worden waren?

Die Verstaatlichung, meinetwegen „Entkapitalisierung“, der wesentlichen Produktionsmittel war natürlich schon ein wesentlicher Fortschritt, selbst wenn das „Volkseigentum“ meilenweit davon entfernt war, welches gewesen zu sein. (Aber wie viel Soziales hatte es möglich gemacht… Das sollte man bei aller Fäulnis dieser vorsozialistischen Periode nicht unter den Tisch kehren.)
(wird fortgesetzt)

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Dienstag, 15. januar 2008

 (2) Bloggen und das Grundgesetz menschlicher Entwicklung

Es ist mit unterschiedlichem Niveau und unterschiedlicher Zielrichtung in den zurückliegenden Jahre viel darüber geschrieben und gesagt worden, was zum Untergang des „Realsozialismus“ geführt habe. Das meiste davon war richtig, aber immer nur ein Stückchen der Wahrheit – und zwar ein Stück zweit- und drittrangiger Wahrheit (drittrangige Wahrheiten meist bei denen, die mit diesem „Ostblock“ die Idee einer postkapitalistischen Gesellschaft entsorgt wissen wollten, zweitrangige Wahrheiten bei denen, die es „gut gemeint hatten“, aber ihr „Zukunftsflitzer“ wurde nun einmal gegen den Baum gefahren…).

Vielleicht ist die Zeit schon reif für eine viel einfachere Antwort. Warum gönnen wir dem genialen und intensiv studierenden und analysierenden Wissenschaftler Marx nicht, dass er mit der Entdeckung des grundlegenden Entwicklungsgesetzes der menschlichen Gesellschaft Recht hatte, mit dessen Anwendung auf die (so nicht vorherzusehende) Gegenwart aber scheitern musste?

Welches „Gesetz“ meine ich damit? In der Untersuchung der Abfolge aller bekannten Geschichte stellten Marx und Engels fest, dass den Veränderungen in den Verhältnissen, die die Menschen zueinander eingingen, die Marx anfangs „Verkehrsverhältnisse“ später „Produktionsverhältnisse“ nannte (weil er die materielle Produktion als Basis für alle anderen Verhältnisse erkannt hatte), immer Veränderungen in der Qualität der materiellen Produktion vorausgegangen waren. Er nannte diese Elemente der materiellen Produktion „Produktivkräfte“, worunter er die Qualität der Menschen als Veränderer der ihn umgebenden Natur, die Mittel diese zu verändern (Arbeitsmittel und Maschinen) und den Charakter der veränderbaren Natur verstand. Dabei stellte er fest, dass die „Produktionsverhältnisse“ immer einem bestimmten Entwicklungsstand der Produktivkräfte entsprachen, diese sich (unterschiedlich schnell, aber immer) permanent veränderten und so irgendwann die „Produktionsverhältnisse“, die ihnen anfangs „gerecht“ gewesen sind, als Fesseln empfanden, neue forderten und neue erzwangen. Marx vermochte dies für den Übergang von der „urkommunistischen Gesellschaft“ zur Sklaverei (die in diesem Sinn ein Fortschritt war), für den Übergang von der Sklaverei zum „Feudalismus“ (wieder Fortschritt) und von diesem zum Kapitalismus (letzter praktisch beobachteter Fortschritt) anhand vorliegenden Materials zu analysieren.

Als zwingende Logik ergab sich daraus, dass dieses Gesetz, wenn es denn wirkt, nicht aufgehört haben konnte zu wirken, ja, nicht aufhört zu wirken, bevor eine (unerreichbare) Idealform der Entwicklung erreicht wäre bzw. der idealisierbare natürliche Urzustand der Menschheit bewusst gestaltet hergestellt worden wäre (dialektische Negation, wobei der natürliche Zustand eben nicht ein Fressen und Gefressen werden war, sondern eine Entwicklung zu Höherem). Einfacher gesagt: Aus der Tatsache, dass vorangegangene Gesellschaften durch höhere abgelöst worden sind, wenn es soweit war, lässt sich ableiten, dass auch die gegenwärtige abgelöst werden muss, wenn es soweit ist. (Im Kommunistischen Manifest berücksichtigt Marx allerdings auch die Möglichkeit des Untergangs der widerstreitenden „Klassen“.) Die Frage ist also "nur", WANN es soweit ist...


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