Anti-Darwin

Donnerstag, 12. februar 2009 4 12 /02 /2009 10:33
Wer DEN Grundgedanken Darwins, die laufende Entwicklung der Lebensformen als permanente Anpassung an ihre äußeren Umstände in Zweifel zieht, ist eigentlich nicht mehr ernst zu nehmen.
Die einmalige Schöpfung... und so ist es bis heute ... das kann man nur unter Negierung fast aller Entdeckungen der letzten 200 Jahre glauben.
Trotzdem verweise ich am 200. Geburtstag des bedeutendsten Evolutionstheoretiker und -praktiker auf meinen "Anti-Darwin". Über die Auslese hinaus muss es etwas Kooperatives geben. Bevor aus etwas ausgelesen werden kann, muss es ja da sein. Wenn man dabei nicht wieder bei einem Schöpfer landen wil, landet man beim Prinzip der Symbiose: Die niederen Einzelformen finden sich zusammen. Wenn dieses Zusammenfinden bewirkt, dass sie sich gegenseitig stärken, zusammen einen neuen, widerstandsfähigeren Organismus bilden, setzen sie sich im Ausleselkampf danach gegen die alten, niederen Einzelformen durch. Dies ist ein Ursuppen-Prinzip (von dem Darwin nichts ahnen konnte) und kann bzw. muss in einer durch bewusste Vernunft erhaltenen Natur (einschließlich der menschlichen Gesellschaft) wieder das bestimmende Element werden (wovon Darwin noch nichts ahnen konnte, im Gegensatz zu Marx, was "Sozialdarvinisten" aber brutal leugnen).
Wenn wir Darwin so ergänzt verstehen, wird es auch in Jahrtausenden noch eine "Menschheit" geben. Sonst ´nicht.
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Freitag, 16. mai 2008 5 16 /05 /2008 05:36
...

sollte schon etwas Besonderes sein – und ist doch nur ein kleines Anhängsel an eine kleine Artikelfolge. Es ging mir um Gesetzmäßigkeiten der Entwicklung und dabei um Gesetzmäßigkeiten, wie in der Biologie sich das Gesetz der Entwicklung vom Niederen zum Höheren zeigt. Dabei wagte ich, die Darwinsche Lehre als Entwicklungslehre anzugreifen – allerdings nicht aus „kreationistischem“ Blickwinkel natürlich.

Fragen wir noch allgemeiner:

Warum bleibt die Erde genau auf der Bahn, auf der sie sich um die Sonne bewegt – weshalb die Bedingungen für das Leben auf diesem Planeten relativ konstant positiv bleiben? Warum bleibt die Entfernung zur Sonne konstant?

Wer sich damit beschäftigt, wird sehen, dass dies auf einem ausgleichenden Zusammenspiel einander entgegen wirkender Kräfte beruht: Auf der einen Seite die Anziehung der Sonne – auf der anderen Seite die aus der Bewegung erwachsende Fliehkraft der Erde.

Wer andere wesentliche „Zustände“ genauer beobachtet, wird dieses scheinbare Nullsummenspiel überall antreffen. Bei manchen Vorgängen fällt es uns nur nicht auf. Wer wunderte sich darüber, auf einem Stuhl zu sitzen? Kreativität und bewusste Sitzhaltung des Menschen… gleichen natürlich die Erdanziehung aus, schaffen vorübergehend ein Gleichgewicht, durch das wir unnatürlich sitzen können – ansonsten würden wir auf dem Untergrund landen, je nach Form und Wirkung der Erdanziehung.

Dieses Prinzip sollte bei der Entwicklung des Lebens nicht gelten?

Ich möchte noch einmal meinen Anti-Darwin aufnehmen, weil er möglicherweise selbst ungenau bzw. unvollständig ist.

Ich bleibe dabei, dass die Entstehung und Entwicklung der Arten (nur) durch Auslese eine einseitige und damit falsche Darstellung ist. Aber ich muss ergänzen, dass dies unter mehreren Gesichtspunkten zutrifft.

Ausreichend dargestellt ist die vom Ursprung her, dass also Auslese immer nur aus etwas Vorhandenem vorgenommen werden kann, sie also wenigstens mit einer Sinnlosigkeit des Entstehens von dem verbunden sein müsste, was nachher negativ ausgelesen wird.

Genauso wichtig ist jedoch die Gleichgewicht herstellende Richtung der Entwicklung.

Gäbe es NUR die Auslese der Stärksten, der Angepasstesten, dann blieben diese theoretisch irgendwann allein übrig (im Vergleich hieße das beim obigen Bespiel stürzte die Erde in die Sonne).

Es muss also eine Gegenkraft geben, die die Wirkung der Darwinschen Auslesekraft ausgleicht. Und die gibt es wirklich: Nennen wir sie Biodiversifizierungskraft.

Es bilden sich in der Natur immer neue sprunghafte Abweichungen, die eventuell in einer neuen Lücke höherer Ebene Platz finden. Die ganze Natur ist aber voll von Lücken. Gleichgewichte bestehen eben nicht nur zwischen Raubtieren und Pflanzenfressern, nicht nur zwischen Pflanzenfressern und von ihnen gefressenen Pflanzen, nicht nur zwischen diesen „Futterpflanzen“ und anderen Pflanzen, nicht nur zwischen diesen Pflanzen und sie bestäubenden Insekten, nicht nur zwischen diesen Insekten und dem, was sie jeweils als Nahrung aufnehmen, sondern z. B. auch zwischen allen diesen „Kettengliedern“ und niedrigzelligen Parasiten, die durch Mitvermehrung von Krankheiten eine explosionsartige Ausbreitung eines Kettengliedes verhindern (sollen) und mitunter zu „Kettengliedern, die auf den ersten Blick absurd oder an den Haaren herbeigeholt erscheinen. Bei zu einfachen Abhängigkeiten aber könnten z. B. alle Mitglieder einer Population Jagdbeute der anderen geworden sein, was danach auch das Aussterben des Jägers zur Folge hätte.

Die Richtung der erschaffenden „Auslese“ in der Natur ist (tendenziell) eine so unüberschaubares Geflecht gegenseitiger Abhängigkeiten, dass sich stabile Gleichgewichte innerhalb von dauerhaft kurzfristigen Ungleichgewichten ergeben. (Ein Mückenjahr führt deshalb zu keinem Anwachsen der Mücken auf Jahre usw.)

Trotzdem erreicht die spontan sich regulierende Natur einen Punkt, wo sie sich nicht mehr selbst verbessern kann. Hier greift bewusste Intelligenz ein. Diese besäße potentiell die Möglichkeiten, harmonische Naturkreisläufe zu kreieren. Allerdings erst nachdem diese Intelligenz sich dieses Ziels bewusst geworden ist und es sich zu eigen macht (dieses Ziel, nicht die Natur). Das Risiko für die Natur ist der Zeitraum des Übergangs, indem die handelnde Intelligenz bereits umgestaltend in alle Kreisläufe eingreift, sie aber in ihrer Komplexität nicht versteht bzw. verstehen will.  U. U. muss dann die Selbstregulierungskraft der Natur die eingreifenden Zerstörungsmechanismen eliminieren.

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Samstag, 29. dezember 2007 6 29 /12 /2007 06:37
In „Neues Deutschland“ vom 22.12.2007 erschien der folgende Artikel im Wissenschaftsteil:

„Leben ist kein perfektes Design

Die Vielfalt der Arten mag uns zwar erfreuen, doch als Beleg für einen Schöpfer taugt sie nicht

Von Martin Koch

»Anzunehmen, dass sogar das Auge mit all seinen unnachahmlichen Vorrichtungen durch natürliche Selektion entstanden sei, scheint, ich gebe es offen zu, im höchsten Grade absurd.« Wer, glauben Sie wohl, hat das geschrieben? Kardinal Christoph Schönborn? Papst Benedikt XVI.? Weit gefehlt. Es war kein Geringerer als Charles Darwin, der sich in seinem berühmten Buch »Über die Entstehung der Arten« (1859) unter anderen mit den »Organen von äußerster Vollkommenheit« beschäftigt hat. Denn die Gegner der Abstammungslehre sahen schon damals in solchen Organen einen untrüglichen Beweis für die Existenz eines intelligenten Schöpfers.

Prinzipiell freilich hegte Darwin keinen Zweifel, dass sich selbst das komplizierte menschliche Sehorgan aus primitiven Uraugen entwickelt hat. Doch erst der modernen Biologie ist es gelungen, diesen Evolutionsprozess in groben Zügen zu rekonstruieren. Dabei wurde offenbar, dass von einer Vollkommenheit des Auges keine Rede sein kann. Bevor etwa das Licht auf die Sensoren der Netzhaut trifft, muss es eine Schicht von Nervenfasern passieren, welche schließlich die visuellen Signale ins Gehirn leiten. »Das entspräche einer Kamera, bei der die lichtempfindliche Schicht des Films auf der falschen Seite liegt«, urteilt der britische Biologe Steve Jones.

Einem göttlichen Designer wäre ein derart dilettantischer Fehler sicherlich nicht unterlaufen. Doch die Evolution arbeitet eben nicht wie ein Ingenieur. Sie arbeitet, wenn man so will, wie ein Bastler. Das heißt: Bei jeder neuen Erfindung knüpft sie an das bereits genutzte biologische Material an. Im Fall des Linsenauges war dies zunächst eine lichtempfindliche Zellschicht auf der Haut, die sich später becherartig vertiefte und damit eine simple Lochkamera formte. Mindestens 40 Mal, so vermutet man heute, sind Augen im Tierreich unabhängig voneinander entstanden. Und keines davon kann als perfekt bezeichnet werden. Vielmehr gilt: Die Organe der verschiedenen Lebewesen sind nur kompliziert, um ihren Trägern in einer speziellen Umwelt gerade so das Überleben zu ermöglichen.

Das trifft übrigens auch auf Pflanzen zu. Zwar ist die Photosynthese eine geniale Lösung, um Energie aus Sonnenlicht zu gewinnen. Nur: »Würden perfekt erschaffene Arten existieren, gäbe es keine C3-Pflanzen«, meint der Kasseler Evolutionsforscher Ulrich Kutschera. Denn die sogenannte Photorespiration sorgt dafür, dass C3-Pflanzen im Licht etwa 30 Prozent des assimilierten Kohlendioxids sofort wieder verlieren. Andererseits hat sich dieser »Makel« in der botanischen Evolution als höchst erfolgreich erwiesen: Rund 90 Prozent aller bedecktsamigen Blütenpflanzen betreiben Photosynthese nach C3-Art. Dieses Beispiel zeigt, wie Steve Jones schreibt, dass die Evolution nicht auf Perfektion zielt, sondern lediglich »eine Serie erfolgreicher Fehler« ist.

Einen besonders schlechten Tag scheint Gott bei der Erschaffung des Menschen erwischt zu haben. Denn die »Krone der Schöpfung« ist biologisch betrachtet alles andere als ein ausgereiftes Modell. Man denke nur an die Kreuzung von Luft- und Speiseröhre im Rachen, die es notwendig macht, dass beim Essen die Luftröhre durch einen komplizierten Mechanismus verschlossen werden muss. Allerdings funktioniert dieses System nicht störungsfrei, so dass jedes Jahr etliche Menschen an ihrer eigenen Nahrung ersticken. Aber selbst, wenn die Luftröhre frei ist, nutzt der Mensch den zugeführten Sauerstoff nicht optimal. Denn unsere Lunge scheidet, anders als beispielsweise die Lunge der Vögel, die verbrauchte Luft nicht vollständig aus. Sauerstoffreiche und sauerstoffarme Luft vermischen sich vielmehr in unseren Atemwegen, was zwangsläufig unsere Leistungsfähigkeit beeinträchtigt.

Als Design-Fehler könnte man auch den aufrechten Gang bezeichnen, wäre er nicht aus einer vierbeinigen Fortbewegungsweise hervorgegangen. Bei Vierfüßern verteilt sich die Last des Körpers nahezu gleichmäßig auf die Wirbelsäule. Zweibeinige Wesen hingegen verlagern ihr Gewicht vornehmlich auf die Nackenwirbel und die untere Wirbelsäule. Da beide Bereiche für eine solche Belastung nicht gemacht sind, »wehrt« sich unser Körper. Er reagiert mit Rückenschmerzen, über die inzwischen so viele Menschen klagen, dass Ärzte von einer neuen Volkskrankheit sprechen. Doch den Nachteilen der Zweifüßigkeit stehen eminente Vorteile gegenüber. So haben aufrecht gehende Wesen beide Hände frei. Und sie benötigen nur ein Viertel der Energie, die etwa Schimpansen für ihre Fortbewegung aufwenden müssen. Letzteres gab in der Evolution wohl den Ausschlag dafür, dass Menschen aufrecht gehen, ohne dafür das passende Rückgrat zu besitzen.

Im Bemühen, ein eigentlich schwächliches Design zu verbessern, tue die Evolution ihr Bestes, meint Jones: »Doch ihr Bestes ist nicht besonders beeindruckend.« Die Liste der Beispiele hierfür ließe sich beliebig verlängern. Dennoch findet die Vorstellung, dass die Natur vollkommen und mithin der Intelligenz eines allmächtigen Schöpfers entsprungen sei, nach wie vor zahllose Anhänger. In einigen Ländern, allen voran in den USA, wird sogar versucht, das kreationistische Konzept vom »Intelligent Design« (ID) als Alternative zur Darwinschen Theorie in den Schulunterricht einzuführen. Wie viele Wissenschaftler ist auch Steve Jones über diese Entwicklung entsetzt und spricht daher Klartext: »Das ID-Konzept ist keine wissenschaftliche Theorie. Es speist sich aus Denkfaulheit und Arroganz.« Ähnlich dachte im Dezember 2005 wohl auch Richter John Jones vom US-Bundesgericht in Harrisburg. In einem spektakulären Prozess entschied er, dass ID eine verbrämte religiöse Anschauung sei und somit an Schulen nicht unterrichtet werden dürfe.“

Hier zeigt sich auch, dass es entscheidend für die Darstellung eines Sachverhalts ist, wogegen er sich richten soll oder worauf er sich bezieht. Es unterliegt sicher keinem Zweifel, dass diese ablehnende Darstellung der Vollkommenheit der Natur (die aus diesem Grund Erfolg eine allmächtigen Schöpfers sein müsste) nicht im Widerspruch zur Idee „sich ausprobierender“ Symbiosen steht. Andererseits wäre die Logik des Artikels mir zu einseitig, denn was ist Perfektion? Ein Computer von 100 Tarabyte Speicherplatz, der einer Sekretärin als Schreibprogramm dient? Die im Artikel beanstandeten Mangellösungen erfüllen einfach nur ihren Zweck im Gesamtsystem Natur. Perfektere Fähigkeiten verschöben das Gleichgewicht im Gesamtsystem zu Gunsten ihrer Träger, zerstörten es … und wären insofern überhaupt nicht perfekt… Oder… Bei als Beispiel wesentlich besserer Sehleistung der Menschen wäre ihre optische Forschung nicht so weit gediehen … und es gäbe (wahrscheinlich) auch keine „Fernrohre (Teleskope) deren „Sehvermögen“ das aller „natürlichen“ Lebensausstattungen inzwischen weit übersteigt.

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Donnerstag, 27. dezember 2007 4 27 /12 /2007 07:16

Für das Halten der relativen Gleichgewichtigkeit in natürlichen Makrosystemen bedarf eine sich spontan entwickelnde Natur (mindestens) eines Gegengewichts. Um ein (bedingtes) Teilsystem herauszugreifen: Eine Rehpopulation bedurfte einer passenden Zahl Wölfe, die für sich genug schwache Rehe verspeiste, damit die verbleibenden Rehe genug Grün zum Verspeisen hatten. Ohne Wölfe hätten sie sich soweit vermehrt, dass das dann fehlende Grün sie hätte verhungern lassen. An der Stelle sieht man aber, dass diese Teilsysteme immer mit mehr anderen Teilsystemen ein größeres System bilden, in dem „Krankheiten“ / vernichtende äußere Systeme (Feinde) eine nicht unwesentliche Rolle spielen.

In der „natürlichen Natur“ ist also die Symbiose für das immer wieder neue Entstehen von strukturiertem Leben auf höherer Stufe zuständig. Wahrscheinlich sind Mutationen ihrem Wesen nach gleichfalls neue Symbiosen (immer neue, zufällige Notgemeinschaften, die sich wahrscheinlich nicht bewähren, aber da sein müssen, um sich im Fall veränderter Umweltbedingungen bewähren zu können). Das gegenseitige Begrenzen der extensiven Entfaltung solcher Gemeinschaften ist dann das durch Darwin Beobachtete und Beschriebene. (Dass eigentlich auf der Erde der Gesamtlebenskreislauf geschlossen war und immer neu geöffnet, aber sofort wieder (relativ) geschlossen wird, begründete, warum zu beobachtende aktuelle Symbiosen nur noch „Notgemeinschaften“ sind. Warum und wie sollten sich mühsam spezialisierte Zellen zu Lungen zusammenfinden, wenn es schon welche gibt und die ihre Grundbauinformationen verschlüsselt weitergegeben können.)

Das Problem ist nun aber, dass diese „natürliche Natur“ längst nicht mehr existiert. Permanent greift der Mensch in ihre Gleichgewichtsmechanismen ein. Bis an den Kapitalismus heran hat er dies überwiegend unbewusst chaotisch getan, wie ein Naturwesen überrascht von den Mechanismen, mit denen die Natur nach der jeweiligen Einwirkung ein neues Gleichgewicht hergestellt hatte. Aber die Eingriffe wurden und werden immer umfassender. Und ein Eingriff erfordert meist gleich den nächsten. Die Möglichkeiten der Menschen wachsen. Veränderungen an den Grundinformationen (Genetischen Codes) und Beseitigung die Populationsentwicklung regelnder (natürlich bremsender) Krankheiten u. a. fordern grundsätzliche Fähigkeiten und Bereitschaft, das „ordnende Prinzip“ (also das Darwinsche) (mehr und mehr) durch die bewusste Regelung der Entwicklung zu ersetzen… gezielt positive Symbiosen einzugehen und eingehen zu lassen. Ein Symbiotisches System setzt aber voraus, dass alle beteiligten Glieder akzeptieren, dass die sich von ihnen (notwendig) unterscheidenden Anderen (!!!) etwas einbringen, was für sie selbst gut ist. Auf der Ebene der „Vernunft“ ist diese Akzeptanz Bewusstsein.

Welche Verantwortung!!! Nimmt man die Art, mit der die Beziehungen zwischen Menschen(gruppen) zurzeit ausgetragen werden, so ist sicher: Wir sind dieser Verantwortung (noch) nicht gewachsen.

Nein, das kann nicht der Schluss einer solchen Betrachtung sein. Die Natur hat viel früher ein Prinzip hervorgebracht, das eine Höherentwicklung ihrer eigenen Existenz ermöglichte. Jetzt gibt es denkende Menschen. Sollten die nicht zu sich selbst organisierten Symbiosen finden können? Sollte es nicht möglich sein, dass sich Menschen bewusst an die Gestaltung ihrer Umwelt machen (wobei sie ihre Eingriffe auf jene orientiert, deren Wirkungen auf des Gesamtsystem relativ überschaubar sind)? Ich würde sagen ja. Sie müssen dazu nur jene Verhältnisse (die zuerst einmal Produktionsverhältnisse sind,) die vorsätzlich Egoismus fördern, beseitigen. Und das schnell. Gegen zu verrückte Eingriffe findet die Natur endgültige Gegenmittel. Die Erde dreht sich auch ohne Menschen.

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Mittwoch, 26. dezember 2007 3 26 /12 /2007 06:48

Dialektisches Denken ist also ein Denken in komplexen Strukturen. Es bedeutet nie ein „A“ wird zum „B“, sondern immer, das „A“ zum „B“ wird, wenn … (z. B. „C“)

Im Alltagsleben ist das zu anstrengend. Da reicht es meist, das Ergebnis festzustellen und die Hauptursache als Ursache festzustellen, vor allen, wenn die Bedingungen selbstverständlich zu sein scheinen (bzw. beim anderen, dem man etwas erklären will, als selbstverständlich vorausgesetzt werden).

Anders ist dies in der Wissenschaft. Insofern ist es schon schockierend, mit welcher unkritischen Begeisterung die Masse der „Materialisten“ Darwins Lehre als Antwort auf die Frage nach dem Ursprung der Arten annahm (und annimmt), obwohl sie dies nicht ist. Im Gegenteil: Die Unbedingtheit der Lehre legte die Analogie eines „Sozialdarwinismus“ geradezu nahe. Und da scheuen dieselben (marxistischen) Darwinisten vor der Konsequenz, dass dann der Kapitalismus dem Wesen der Natur am ehesten entspricht.

Wo liegt das Problem? U. U. liegt es schon im Begriff: Dialektisch gesehen dürfte es nur heißen „Die Entwicklung der Arten durch …Auslese …“. Nun schlich sich immer wieder die Auslegung ein es wäre „Der Ursprung der Arten…“ Verständlich ist das schon. Eine Auslese kann immer zwischen etwas erfolgen, was (schon) da ist. Die Fittesten können nur siegen, wenn sie in einem „Wettkampf“ angetreten sind, also selbst schon da waren, neben den weniger Fitten, die auch da gewesen sein müssen, aber untergingen. Man kann das immer weiter zurückverfolgen. Man stößt immer neu auf das Problem eines „Ursprungs“.  Insofern ließe das Darwinsche System für einen „Schöpfer“ Platz, wenn das religiöse Dogma sich nicht darauf verstiegen hätte, Gott habe die Wesen so geschaffen, wie sie sind, und damit Darwin erst das Prinzip einer Entwicklung in Veränderung einbrachte. Doch man kann machen, was man will: Irgendetwas fehlt. Das System funktioniert nicht. 50 Prozent der Lösung. Die Note dafür kennt jeder Lehrer.

Das Prinzip ist in unserer gegenwärtigen (uns zugängigen) Welt sicher nicht nur vorhanden, sondern auch das vorherrschende. Das Prinzip der Natur, was sehr wahrscheinlich das fehlende Puzzleteil ist, ist auch noch vorhanden, aber in so exotischen Ecken, dass man es leicht unterschätzt. Für alle dialektischen Kommunismusforscher ist es aber zwingender Untersuchungsgegenstand: Das Prinzip der Symbiose.

Wie sonst sollte Lebewesen mit funktionsorientierten Organen entstanden sein. Die Zeiträume, die dabei zu betrachten wären, erscheinen aus der Warte eines Menschenlebens fast unendlich. Aber was sind für „die Natur“ schon 100 Millionen Jahre? Chemische Substanzen entstanden und reagierten unter konkreten Umweltbedingungen. Dabei waren die möglichen Kohlenstoffverbindungen besonders vielfältig möglich. Damit waren sie in der Lage, besonders viele Informationen in ihrer Kombination zu speichern. Dies setzte bestimmte Stoffwechselprozesse voraus, hatte aber auch bestimmte Stoffwechselprodukte zur Folge. Diese wiederum schufen ein „Mikroklima“ für den Beginn von neuen Reaktionsgleichungen nach demselben Prinzip. Es sammelten sich also Teilchen gezielt an einer für sie günstigen Stelle. Was lag da nahe, sich miteinander zu verbinden – und zwar auf immer neuem Niveau. Es entstanden ausgewählte Strukturen, die in sich ein System bildeten. „Sinnvollerweise“ (und hier lag natürlich die Verkopplung mit dem Ausleseprinzip: Die loseren Strukturen wurden leichter durch Umweltfaktoren wieder aufgelöst, während sich die Strukturen, die sich zu einer neuen Einheit, einer Zelle, einem „Organ“ zusammengebunden hatten, in der Lage waren, sich selbst (als System und gespeicherte Information) zu erhalten. Als Reaktion auf den trotzdem andauernden, verschleißenden Umweltdruck lag der „Schritt“ einer „Reproduktion“ der eigenen Information auf verjüngender Stufe nahe – das Leben. Einfache Reproduktion zuerst, indem die geballten Informationsabschnittsträger sich jeweils teilen und zu einem neuen, im Prinzip gleichartigen System zusammenfinden (z. B. Teilung von Einzellern) bis hin zur Ausbildung von neuen Informationskettenausgangsgliedern im Schutz des festen eigenen Systems („Samen“).

Ich gehe davon aus, dass solche „symbiotischen“ Vorgänge nicht nur den („weltweiten“) Übergang von der Chemie / Biochemie zur Biologie, dem Leben, bestimmten, sondern auch im wahrsten Sinne des Wortes die folgenden langen Zeiten. Als dominierendes Prinzip zumindest so lange, bis sie auf der Erde ein vollständig geschlossenes Gesamtsystem gebildet hatten. Aber Vorsicht: Immer gemeinsam mit dem „Prinzip“ der Auslese. Die durch Symbiose entstandenen, ihr „entsprungenen“ neuen Einzelsysteme, sprich Einzellebewesen fanden ihre Verbreitung durch das Überleben der den Umweltbedingungen am meisten angepassten festen Symbionten. Es können theoretisch alle existierenden Lebewesen eine Symbiose miteinander eingehen, sprich ungehemmte Symbiosen führten zu einem sich selbst „erstickenden“ Leben.

 

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