unsere Epoche

Donnerstag, 12. november 2009

Mir ist es wohl bewusst: Beim Sparen wie beim Verschwenden wird auf allen Ebenen "gleich" gehandelt, obwohl man 10 Mal drei Millionen einsparen  müsste, um einmal die Verschwendung von dreißig Millionen auszugleichen - und 1000 Mal für drei Milliarden.
Die Frage stellt sich für mich immer neu, wann der Punkt eintritt, dass der "Kapitalismus" nicht nur partiell oder (krisenbedingt) tendenziell zu wirtschaftlichem Schaden führt.
Dabei stößt man auf das Problem der Versorgung mit Öl. Hier geht es um Größenornung von Milliarden oder einzelne Zahlungen von einer halben Milliarde (Ukraine).
Man stelle sich vor, mit welcem Wahnwitz um Pipelines gekrämert wird. Logisch, dass jedes Land seine Versorgung sichern möchte. Logisch, dass es sich möglichst wenig abhängig machen möchte. Also werden Projekte in Angriff genommen, die den Haushalt von der Hälfte Afrikas umfassen, um Leitungen zu bauen - aber unter "strategischen Erwägungen". Dabei ist das Problem ein menschheitliches. Allein dadurch, dass Versordungstrassen nach den technischen Möglichkeiten und planbaren Nutzungen heraus gebaut würden, wären Überschüsse frei, die die Wasser- und Energieversorgung der "dritten" und "vierten" Welt (mit Ausnahme Chinas und Indiens) mittelfristig garantieren könnte.
Es gibt konkrete Antworten auf die Probleme von heute. Auf der anderen Seite stehen heutige Verschwendungen von Erdreichtümern, die später nicht wettgemacht werden können.
Aber es gibt Nutznießer des Schadens und Teppichhunde, die von den guten Abfällen leben. (Dazu gehören die meisten Deutschen direkt und indirekt.)
Es ist zum Kotzen...


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Montag, 26. oktober 2009

Ich will ja nicht behaupten, dass die chinesische Regierung mit diesem Gedanken pielt bzw. gespielt hätte.
Ich stelle nur fest, dass ein solcher Gedanke MÖGLICH ist.
Die Volksrepublik China besitzt mit ihren selbstmörderischen Devisenreserven inzwischen den "roten Knopf" zur Auslösung einer "Weltrevolution". Diese ist zwar durch die Möglichkeit ihrer militärischen Umsetzung zu gefährlich, sie könnte sich allerdings bereits kurzfristig in einer neuen Block-Konfrontation verfestigen: Sozusagen ein Kompromiss mit den Staaten, die sich kurzfristig unter den Schirm der neuen Weltordnung begäben. Da dies bevorzugt beispielsweise arme Rohstofflieferanten wären, die dank des "Schirmes" ihrer neuen "Schutzmacht" sich selbst und die im imperialistischen System verbliebenen Staaten in neue Entwicklungspositionen versetzten, wäre das allmähliche Auflösen des Weltimperialismus möglich. Schließlich ist der Ausbau bestimmter "Speerspitzen" (sagen wir z.B. heute Kolumbien) nur durch die Ausbeutung der fast wehrlosen "Restwelt" möglich.
Die Weltpolitik könnte einen neuen Charakter bekommen, sobald die sozialistischen Elemente nicht nur in der theoretischen historischen Offensive, sondern auch in der praktischen ökonomischen Leisungskraft wären - was sie noch nie waren.

Das wäre die Potenz.
Diese verführt den USA-geführten Weltimperialismus zu halsbrecherischen Gegeninitiativen. Die einfachste wäre ein moderner Opiumkrieg. Der wäre durch Abspaltung verschiedener Landesteile möglich (Tibet, ein Uigurenreich usw.). Wenn China durch innere Abspaltungen nicht mehr ein solches massives Riesenreich mehr wäre. Die bisherigen Versuche sind peinlich gescheitert.
Die im Moment am meisten Erfolg versprechende Strategie wäre die Totalintegration in die imperialistische "Familie". Diese besitzt aber wiederum ein anderes Risiko: Objektiv geriete (und gerät bereits) das imperialistische China in die Weltrolle Deutschlands vor den Weltkriegen, besonders vor dem 1. Weltkrieg, mit dem kleinen Unterschied, dass die Aufteilung der Welt in "Interessensphären" nicht in Form offen gezeichneter Kolonialgrenzen erfolgt. Doch China stieße früher oder später an die Grenzen seines imperialistisch notwendigen Expansionsdranges - weil überall die anderen schon da sind. Und es dürfte eigentlich nicht schwer sein, eine eigene These des Volks ohne Raum zu entwickeln. Das mag nicht realistisch sein, ist aber natürlich eine Spieloption imperialistischer Thing tanks, denn was ich selbe denk und tu, trau ich auch den andern zu...

Die dritte praktizierte Linie ist die der Abschottung. An mehreren spektakulären Aktionen wurde das in letzter Zeit sichtbar: Wenn Chinesen versuchen, sich schlicht in kranke imperialistische Großunternehmen einzukaufen, ihr "potentielles" Geld in den Weltwirtschaftskreislauf mit vertretbarem Verlust (Überkonkurrenzpreis) zu echtem Kapital zu machen, greift oft "die Politik" verhindernd ein. Diese kurzfristige Vorgehensweise verstäkt jedoch mittelfristig die anderen Tendenzen. Es bliebe nur noch ein makabres Szenario:
Die chinesischen Neureichen legen ihr unverwertbares Überschusskapital in Immobilien an, wo es "der Markt" sprunghaft zerstört, die neuen Milliardäre kurz in Millionäre oder Flopps verwandelt.
Aber was ist, wenn dies zu keiner Zertrümmerung der Realwirtschaft führt?!


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Sonntag, 25. oktober 2009
An dieser Stelle erlaube ich mir die Konstruktion eines hypothetischen Szenarios. Mit all seinen denkbaren Seiten sprechen imperiale Strategen dieses Szenario nicht aus, für Sozialisten verbietet sich solch Spiel eigentlich von selbst, aber den meisten imperialen Strategen ist dieses Damoklesschwert durchaus bewusst. Aus diesem Grunde geben sie auch die Spielereien nicht auf, China zu sprengen oder zumindest zu stören, anstatt sich auf seine weitere stille Transformation in ein normales kapitalistisches Land zu verlassen.
Das Zahlenmaterial, das diesem Spiel zugrundeliegt, ist so ungenau, dass schon die Rundungsbeträge Katastrophen bringen könnten. Relativ sicher scheint jedoch, dass der chinesische Staat über Devisenreserven von mehr als einer Billion Dollar verfügt. Diese stellen eine Potenz dar. Jeder weiß, dass sie nicht mehr mit einem realen Wert hinterlegt sind bzw. dass die einmal dahinter verborgenen Werte in Afghanistan, Irak usw. zetrümmert worden sind und beständig weiter zertrümmert werden. Jeder weiß, dass auch China das weiß. Man geht deshalb vorsichtigerweise davon aus, dass China, einer kapitalistischen Grundlogik unterworfen, sich seinen spekulativen  "Wertbesitz" nicht selbst zerstört. (Er ist ja durch chinesische Arbeit entstanden und wartet theoretisch auf den Austausch mit internationaler Arbeit).
Was passiert aber, wenn z. B. die nächste Regierung sagte, es ist Zeit für die Weltrevolution? Sie müsste nur geballt ihre Währungsreserven auf den Markt werfen. Sie akzeptierte einen enormen relativen Wertverlust, aber...
Ich greife einmal ein Beispiel unter vielen möglichen heraus: Man stelle sich vor, China kaufte allers marktverfügbare Öl zum Einheitspreis von 500 Dollar pro Barrel auf. Mathematisch wären dann also gemessen in Öl die eigenen Devisenreserven von 2 Billionen auf 400 Milliarden "geschrumpft". Praktisch gibt es natürlich Prozesse, die die Marktlogik beschränkten - so wie es eben keinen Kapitalismus der freien Konkurrenz gibt - aber eine mit eine plötzlichen Verknappung des freien Ölangebots verbundene kurzfristige Preisexplosion ließe sich nicht verhindern.  Diese Preisexplosion hätte allgemeinen Charakter, da sie durch Kettenreaktionen verstärkt würde. Die ganzen "Bankenrettungsprogramme" in der Gegenwart beruhen letztlich ja nur auf dem Wissen, dass der der impeialistische Gesamtwirtschaftskörper um ein mehrfaches (?!) überhitzt ist. "Man" muss das System erhalten, damit jedem einzelnen seiner kleinen Glieder nicht sein wahrer Wert offenbar wird. Die platzenden Blasen platzen ja nicht nur an den Stellen, an denen sie nur Blasen wären. Sie werden ja vorsorglich als Blasen erhalten, damit sie sich nicht mit der Realwirtschaft vereinen.
China jedoch wäre die einzige Weltmacht, also Macht auf der Welt, die mit Vorsatz diesen Prozess herbeiführen könnte.
Mit Beginn der Offensichtlichkeit des Prozesses wird der große Run ausgelöst: Wer immer Geld frei verfügbar hätte, würde versuchen, es noch in der sich gerade vollziehenden Inflationswelle in materielle Werte zu verwandeln. Dies könnte selbst für Großwirtschaften wie die der europäischen Einzelmächte eine Überforderung sein: Innerhalb einer Woche wäre im Wesentlichen keine Lebensmittelkonserve erhältlich bzw. die erhältlichen unwesentlichen nur für astronomische Preise.
Situationen, die uns lächerlich erscheinen, wären plötzlich da. Im Wissen, dass keine neue chinesische Billigkleidung mehr nachrücken wird, lohnte sich selbst das Horten von Kleidung. In dem Gesamtrun veränderte sich auch die Rolle der anderen heutigen Billiganbieter. Ohne die auftretenden spekulativen Sondereffekte erhöhte sich das Preisgefüge wahrscheinlich "nur" auf etwa das Vierfache. Aber was soll man machen, wenn massenweise Autofahrer die nächsten Tankstellen ansteuern, um schnell noch zusätzlich erworbene Behälter zu füllen, weil heute der Preis eines leeren Fasses den Betrag übersteigt, den der Sprit morgen schon teuerer ist - und übermorgen hat man durch das Horten des Sprits bereits Gewinn erzielt???
Dem wäre nur durch diktatorische Zwangswirtschaft entgegenzutreten. Diese wiederum "funktioniert" nur bei absehbarer militärischer Konfliktauslösung...
(wird fortgesetzt)

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Dienstag, 20. oktober 2009
Konferenz der Marx–Engels–Stiftung und der Tagezeitung junge Welt
 
07.11.2009 in der jW – Ladengalerie von 11:00 – 17:00 Uhr
 
Kampf um die Geschichte – und der Zukunft zugewandt
 
Zum Streit um die DDR
 
Man könnte meinen nach nunmehr 20 Jahren seien die Argumente hinsichtlich der Ursachen und der Beurteilung des Verlaufes des Endes der DDR des ersten sozialistischen Staates auf deutschem Boden ausgetauscht. Diejenigen die gar nicht erst argumentieren, sondern als Diener ihrer Herren mit einer Art ideologischem Trommelfeuer die Lesart der vorläufigen Sieger in die Köpfe der Menschen bringen wollen, staunen ein wenig ob der geringen Wirkung, insbesondere bei den Ostdeutschen.
 
Für die Linke bleibt, trotz der „Verunglimpfung der DDR als Prävention gegen Kapitalismusfrust“ (Lieberam/Wötzel) die weitere Untersuchung der Ursachen dieser Niederlage eine wesentliche Aufgabe. Dabei ist es auch wichtig, herangereifte gesellschaftliche Widersprüche in der DDR zu anlysieren und die Phasen der Geschehnisse in der DDR einer genaueren Betrachtung zu unterziehen.
 
Was den Charakter der Auseiandersetzungen in der DDR in der Phase August bis zum 9. November 1989 angeht, gehen auch unter der ostdeutschen Linken die Meinungen weit auseinander. Sie reichen von der Bewertung als einer kompletten Konterrevolution bis zur Einschätzung, dass es sich um eine (friedliche) demokratische Umwälzung mit revolutionären Zügen gehandelt habe. Letztere These wird auch von vielen des radikal linken Teil der damaligen Bürgerbewegung hier insbesondere der VL vertreten. Besondere Aufmerksamkeit verdient dabei die These von Lieberam/Wötzel, dass es sich um eine „halbe Revolution gehandelt habe, der eine ganze Konterrevolution folgte”. In diesem Zusammenhang sind eine Reihe von Fragen zu erörtern, die auch für einen zukünftigen Sozialismusversuch von eminenter Bedeutung sind. Dazu gehört die Frage der Demokratie in Partei und Gesellschaft, die Eigentumsfrage und die Frage der praktischen Verfügung, der ökonomischen Entwicklungsrichtung, sowie die Frage des realen  Standes der Produktivkräfte.
 
Die Konferenz soll den Charakter eines intensiven Diskussionsaustausches tragen. Denkbar ist, dass sie nach einer gewissen Zeit auch mit vertiefenden Beiträgen fortgesetzt wird.
 
Als Referenten haben bisher zugesagt: Ekkehard Lieberam, Robert Steigerwald, Georg Fülberth, Erich Hahn, Sebastian Gerhardt 
 
Gesprächsleitung: Arnold Schölzel, Michael Mäde
 
Dabei sehen wir folgende Schwerpunkte:
 
Die Endphase der DDR: Revolution und/oder Konterrevolution
 
Zu untersuchen:
 
Reale Möglichkeiten einer „Wende“ hin zu einem sozialistischen oder zumindest nichtkapitalistischen Entwicklungspfad im Jahre 1989
 
Gesamtgesellschaftliche „revolutionäre Krise“ als Anfang vom Ende?
 
       Reale Widersprüche und Defizite in Führung und Partei
 
 Außenpolitische Entwicklung und Spielräume der DDR – Führung bis November 1989
 
Die DDR und die Ursachen ihrer Niederlage
 
Zu berücksichtigen:
 
Sozialismusversuch unter extrem schwierigen Ausgangsbedingungen,
 
die Größe der Herausforderung,
 
 verschiedene Geburtsfehler,  Zwänge und subjektive Fehler,
 
Ökonomie, Politik und Demokratie, sozialistisches Eigentum und reale Verfügungsgewalt
 
Zeitfenster für eine taugliche Strategie nach Stalins Tod, Chancenlosigkeit ohne konzertierte Aktion der sozialistischen Staatengemeinschaft
 
Subjektiver Faktor – Widerspiegelung und der Verschleiß an sozialistischen Werten und Visionen durch die alltägliche gesellschaftliche Praxis
 
Sozialismustheorie nach 70/40 Jahren Sozialismusversuch
 
Hier vor allem:
 
Macht- und Klassenfrage,
 
die materiellen Existenzbedingungen, das ökonomische System des Sozialismus,
 
sozialistische Demokratie als neuer Demokratietyp,
 
die ökologische Herausforderung,
 
Rätekonzeption, Parlamentarismus und Staatsfrage.
 
Anmeldung erbeten unter: mm@jungewelt.de oder 030/53 63 55-56

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Dienstag, 29. september 2009

Wenn es um das Überleben der Menschheit geht, muss die Frage gestellt werden, welches die Bedingungen sind, unter denen primitives, selbstzerstörerisches Verhalten der organisierten Menschengemeinschaften überwunden werden kann. Einfacher gesagt: Wie kommen wir raus aus dem Kapitalismus? Zumindest aus dem Kapitalismus wie wir ihn kennen, dessen Gestaltung aus dem privaten Eigentum an Produktionsmitteln in letzter Konsequenz Egoismus erzwingt.
Im Moment - die letzte Bundestagswahl hat das nur unterstrichen - ist Deutschland besonders weit vom gesellschaftlichen Fortschritt entfernt. Wenn wir die schwierigen Entwicklungen in Lateinamerika außer Acht lassen, ist die Entwicklung in China von besonderem Gewicht - nicht nur, aber auch, weil sie mehr als eine Milliarde Menschen unmittelbar und die Weltwirtschaft zumindest mittelbar betrifft.

Wir außen Stehenden können natürlich viel philosophieren und politisieren, was das für ein Land ist bzw. welche Art Gesellschaftsordnung dort herrscht.

Wir können es uns relativ leicht machen wie Rolf Berthold und die eigenen chinesischen Verlautbarungen als Quelle wählen (die offizielle der KP Chinas) und diese zu "Chinas Weg. 60 Jahre Volksrepublik" zusammenfassen.

Wir können aber auch als Diskussionsgrundlage eine eigene anbieten wie Helmut Peters in "Die VR China: Aus dem Mittelalter zum Sozialismus".
Eine umfangreiche Rezenzion zu diesem Buch findet sich in der jW vom Montag, dem 28.9.. Allerdings wird sie im Netz auf das online-Abo beschränkt, denn sie ist eine echte Empfehlung zum Nachdenken. Ich werde noch versuchen, genauer auf sie einzugehen...


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Sonntag, 20. september 2009
Wieder einmal leistet die jW Positives: Otto Köhler befasst sich in einem umfangreichen Artikel mit der Frage, wann der Begriff warum und wie geprägt worden ist. Tenor der Ausführung: Noch während des Weltkriegs wurde er erdacht als Weg, die Kriegsgewinnler vor wirtschaftlicher Bestrafung, sprich: Enteignung, zu bewahren.
Allerdings dürfte der Artikel diejenigen verwundern, die der Zeit wehmütig nachtrauern. Er beschränkt sich auf eine Seite, nämlich auf den Volksbetrug (vergleichbar dem Begriff "NationalSOZIALISMUS") und die Irreführung der Massen mit einer Faschismus-Ferne. Er spart allerdings aus, dass er eingebettet in die Bedingungen eines durch eine übermächtige Wirtschaftsmacht entfachten "kalten" Krieges als ideale Schaufensterdekoration eben funktionierte. (So wie 1936 die faschistische deutsche Wirtschaft als erfolgreiche Antwort auf die Weltwirtschaftskrise erschien)
Es wundert nicht, dass Verbrecher und Volksfeinde an der Wiege standen und viele Mythen erst geschaffen werden mussten, um Ludwig Erhardt salonfähig zu machen. Dass die Währungsreform 1948 die Kleinsparer traf, aber die Fabrikbesitzer nicht, mag das Wesen der Sache etwas aufhellen. Daran, dass dem eben doch ein relativer "Wohlstand für alle" folgte, ändert es aber nichts - so, wie es immer schwierig ist, wenn man Teile eines Ganzen herausgreift und weglässt, wer wie und warum die Zeche bezahlt und beispielsweise Kolonialismus und US-amerikanischen Neokolonialismus außer Acht lässt... 

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Freitag, 18. september 2009
Liebe Leute,

der nachstehend dokumentierte Internationale Aufruf kann hier unterschieben
werden: http://23august.kke.gr/portal_url/sign_form

GEGEN DIE ANTI-KOMMUNISTISCHE VERFÄLSCHUNG DES 23. AUGUST

Wehrt Euch massiv und entschieden gegen den Antikommunismus in allen
Erscheinungsformen

Wir, Funktionsträger, Mitglieder, Freunde und Unterstützer von
kommunistischen und Arbeiterparteien in Parlamenten, Gemeindevertretungen,
Gewerkschaftsführungen und Massenorganisationen verurteilen den Versuch, den
Nazismus mit dem Kommunismus durch Bemühungen gleichzusetzen, den 23. August
zum „Tag der Erinnerung ihrer Opfer“ zu erklären.

Dieser die Geschichte verzerrende Versuch findet Unterstützung bei
politischen Kräften, die dem Kapital dienen, und tritt in den letzten Jahren
auf verschiedene Weise zutage, unter anderem in Resolutionen von Gremien
verschiedener zwischenstaatlicher Gremien und parlamentarischen
Einrichtungen.

Nachdem sie zuerst den 9. Mai, den Tag des Sieges der Völker [1945], in
„Europatag“, umbenannt haben, um das Bild der über dem Reichstag wehenden
roten Fahne abzuschreiben, gehen sie nun dazu über, unter Bezugnahme auf den
Tag der Unterzeichnung des Molotow-Ribbentrop-Nichtangriffspakts [23. August
1945] die Opfer mit ihren Schlächtern auf dieselbe Stufe zu stellen.

Sie wollen damit den imperialistischen Klassencharakter des Nazi-Faschismus
verschleiern.
Sie möchten die Tatsache unterdrücken, dass der Sieg der Völker das
unauslöschliche Siegel der Sowjetunion, der Roten Armee und der
Partisanenbewegung trägt, in der die Kommunisten weltweit an vorderster
Front standen.
Sie betreiben weiter die Reinwäsche des Imperialismus, aus dem der
Faschismus hervorging, und der heute, 20 Jahre nach der Konterrevolution,
überall in der Welt ungehemmte Metzeleien veranstaltet.
Sie machen sich Hoffnung, auf diese Weise all jenen politische und
ideologische Schläge zu versetzen, die gegen Klassenausbeutung und
Ungerechtigkeit kämpfen, die Widerstand leisten gegen den unter den
Bedingungen der globalen ökonomischen Krise des Kapitalismus entfesselten
barbarischen Angriff auf jedwede sozialen, gewerkschaftlichen und
demokratischen Rechte.

Arbeiter, Bauern, Frauen, Jugendliche.
Rentner, Veteranen und Kämpfer des antifaschistischen Kampfes.

Mobilisiert gegen die Umschreibung und Verzerrung der Geschichte!
Erteilt eine entschiedene Antwort, um jeden Versuch zu verhindern, zum 23.
August anti-kommunistische Veranstaltungen zu organisieren.
Verbreitet die geschichtliche Wahrheit.
Verteidigt kompromisslos den Kampf gegen den Imperialismus für eine andere
Gesellschaft ohne Kriege, Beschäftigungslosigkeit, Armut und Ausbeutung. Für
den Sozialismus.

(Übersetzung aus dem Englischen : Klaus von Raussendorff)

Die Versuche, die Geschichte des Sieges der Völker über den Faschismus
umzuschreiben, erhalten auch vom russischen Ministerpräsidenten eine
deutliche Abfuhr. In einem Brief an Polen, der in "Gazeta Wyborcza" (v. 31.
Aug. 09) erschien, erklärt Wladimir Putin u.a.:

„So legt man uns heute völlig bedenkenlos nahe, den deutsch-sowjetischen
Nichtangriffspakt vom 23. August 1939 als den einzigen Auslöser des Zweiten
Weltkrieges anzuerkennen. Allerdings stellen sich die Verfechter dieser Idee
nicht die ganz elementaren Fragen: Hinterließ der Versailler Vertrag, der
den Schlussstrich unter dem Ersten Weltkrieg gezogen hatte, etwa keine
"Zeitbomben", von denen die wichtigste war, nicht nur die Niederlage
festzuschreiben, sondern Deutschland obendrein zu demütigen? Begann man
nicht schon lange vor dem 1. September 1939 damit, die Grenzen in Europa zu
zerstören? Und gab es keine Annexion Österreichs, keine zerfetzte
Tschechoslowakei, als sich nicht nur Deutschland, sondern auch Ungarn, und
im Grunde auch Polen, an der territorialen Umverteilung Europas beteiligten?
Genau an dem Tag, an dem das Münchener Abkommen unterzeichnet wurde, stellte
Polen sein Ultimatum an die Tschechoslowakei und schickte seine Armee
gleichzeitig mit den deutschen Truppen in die Gebiete von Teschen und
Freystadt.

Und kann man vor den Versuchen der westlichen Demokratien, sich hinter den
Kulissen von Hitler "freizukaufen" und seine Aggression "auf den Osten"
umzulenken, die Augen verschließen? Davor, wie systematisch und von allen
geduldet, die Sicherheitsgarantien und Systeme der Rüstungsbegrenzung, die
es in Europa gab, demontiert wurden? Schließlich, wie war das
militärpolitische Echo des Abkommens, das in München am 29. September 1938
getroffen wurde? Hat Hitler nicht etwa damals schon beschlossen, dass "alles
erlaubt" war? Dass Frankreich und England keinen Finger rühren werden, um
ihre Verbündeten zu verteidigen? "Der seltsame Krieg" an der Westfront, das
tragische Schicksal des in Stich gelassenen Polen zeigen leider, dass
Hitlers Hoffnungen nicht unbegründet waren.“
(Quelle: " Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ v. 6. September 2009, S.
11)

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Donnerstag, 23. juli 2009
Das erste, was man rückblickend sehen muss, ist, dass die Entwicklung alternativer Parteimodelle ein sehr dynamischer, in der Tendenz jedoch selbstzerstörerischer Prozess war.
Aus Organisationen des Unbehagens und des vagen Widerstandes ("Bund der Gerechten") entwickelten sich schlagkräftige, aber noch kleine Avantgardeparteien. Mit deren wachsenden Einfluss wuchs auch de Einfluss des Opportunismus bzw. theoretisch des Revisionismus.
Bis auf hier zu vernachlässigende Ausnahmen hatten solche zersetzende Tendenzen  bis zum ersten Weltkrieg in allen Parteien gesiegt. Nachdem der Begriff der "Sozialdemokratie" konkreter Ausdruck einer kommunistischen orientierten Praxis gewesen war, wandelte sich sein Wesen zu immer offenerem und reinerem Antikommunismus.
Zu den wenigen schmerzhaften Irrtümern Lenins gehörte die von ihren Konsequenzen her unterschätzte Bedeutung des weltweiten Opportunismus. So nahm er 1916 an, dass die Praxis des Weltkriegs den Opportunisten die Grundlagen ihres Einflusses in de Arbeiterbewegung entziehen würde.
Es kam zur Notwendigkeit des Handelns im eigenen Land. Wir dürfen nicht vergessen, dass Bolschewiki durchaus als Spottname verstanden werden konnte. Nur durch technische Tricks waren die Anhänger Leninschen Marxismus in einer Tagung in de Mehrheit. Der Beginn der Oktoberrevolution sah die konsequent revolutionären Kräfte in der Minderheit, nur geschieden von ihrer organisatorischen Geschlossenheit und ihrer Entschlossenheit im Handeln.
Für Russland reichte es. Die minimalen Grundforderungen aller einfachen Menschen, Frieden und Brot, wurden mit überzeugender Konsequenz angestrebt, und das wiederum überzeugte von der Richtigkeit der dafür angewandten Mittel.
Es war aus der Sicht der Leninisten nur folgerichtig, dass sich ähnliche Parteigebilde unter dem Sog des revolutionären Ungestüms der ersten Sieger und der Notwendigkeit, das offenbare Ekelgesicht des Imperialismus, des Krieges, folgen würden. Die konkrete Situation legte dies nahe. Das Sonderbild Russlands, wo in der Entwicklung von Monatenim Voranschreiten die Bolschewiki immer mehr das Heft jeden Handelns übernahmen, wurde nicht als solches erkannt.
Die Sozialdemokratie-Führung ging den konsequentesten Schritt: Vom Versuch, irgendwie noch auf der einen Seite die ursprnglichen gesellschaftsüberwindenden Ziele zu bewahren und sich mit der kapitalistischen Gesellschaft zu arangieren zur praktisch ersten Kraft zur Erhaltung eben dieser alten Ordnung, bevor das die Masse der eigenen Anhänger überhaupt hätte bemerkt haben können. 

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Mittwoch, 15. juli 2009
Für Interessierte weise ich darauf hin, dass in der Seite China inzwischen sehr gegensätzliche Darstellungen der Ereignisse dort nachzulesen sind - aus linker und ultralinker Sicht.
Schwierig für alle Analysten ist dabei die Ausgangsfrage, wie kapitalistisch ist denn diese heranreifende Großmacht ... oder wie "nicht kapitalistisch", um nicht sozialistisch zu sagen.

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Mittwoch, 13. mai 2009
Manchmal hat man Glück: Auf einen gedanklichen Ansatz hin bekommt man Reaktionen, iwS Antworten. Ich wage hier die Antwort auf den gestrigen Beitrag widerzugeben - und sei es nur, um zu betonen, dass ich dem grundlegenden Gedanken des marxistischen historischen Materialismus natürlich zustimme: In alleletzter Konsequenz entwickeln sich auch Intelligenzen vom Niederen zum Höheren und der Kommunismus als erste Gesellschaft der bewussten gesellschaftlichen Vernunft ist natürlich (!) die uns bisher höchstvorstellbare Gesellschaftsordnung.
Ich wollte nur deutlich machen (und dem Diskutanten voll zustimmen), dass diese Entwicklung an einem bestimmten Ort und einem bestimmten Zeitpunkt abe zufällig ist - und zwar so zufällig, dass auch eine denkbare Option bestehen bleibt, dass die "Menschheit" den Sprung nicht schafft und aus der weltweiten (!!!) Entwicklung der Intelligenzen herausfällt. Das wiederum kann innerhalb eines so kurzen Zeitraums passieren, dass wir es noch selbst miterleben oder"später".
Dies sind die MÖGLICHEN Schlussfolgerungen aus der bisherigen Geschichte...


"Deinen Beispielen liegt zugrunde, dass Dinge MOEGLICH waren. Das muss erst einmal der Fall sein.Dann koennen sie allerdings imer noch scheitern - um, wenn die entsprechenden (gesellschaftlichen) Bedingungen gegeben bleiben, spaeter, woanders, womoeglich in modifizierten Formen wieder "aufzutauchen". In dem Sinn war freilich nicht vorneweg ausgemacht, dass sich z.B. der Kapitalismus zuerst in Europa entwickelte und in China nicht in der Weise; oder dass das roemische Imperium, gerade an dem Entwicklungspunkt, an dem es sich mit den Kolonen selber feudale Elemente beimischte, von Gentilgesellschaften auf dem Gipfel ihrer Entwicklung und im "Umkippen" zu feudalen Gesellschaften politisch-militaerisch im Westteil beseitigt wurde.
Das heisst: Die "Spielraeume" sind gross, hundert oder sogar tausend Jahre sind u.U. eine kleine Zeit und umgekehrt koennen verhaeltnismaessig kleine, sogar zufaellige, Ereignisse (oder Nicht-Ereignisse, wie Dein Bauernkriegs-Beispiel) ueber hunderte von Jahren entscheiden.Zweitens gibt es neben der Moeglichkeit der Aufwaertsentwicklung immer auch die des Abbruchs und Niedergangs.

Der Determinismus ist halt eine politisch-zweckgerichtete Vereinfachung. Ich halte fuer seine schaedlichste Wirkung, dass der die Subjekte zu Quasi-Objekten macht (Vollzug der "geschichtlichen Notwendigkeiten") und aus sozialen Interessen und Beduerfnissen damit eine "historische Mission". Diese scheinbare, aus dem Geschichtsdeterminismus abgeleitete, Verobjektivierung der handelnden wirklichen Subjekte macht die auf Marx/Engels zurueckgehenden Gesellschaftswissenschaften ein Stueck weit zu einer Art Ersatzreligion.Aber auch in dieser, sagen wir, suboptimalen Qualitaet, drueckt sich der Interessensstandpunkt der Arbeiterklasse aus, selbst wenn und wo diese Klasse von ihm gar nichts wissen will; und das in weit hoeherer Qalitaet als der fruehe Luther den Buerger- und Bauernstandpunkt ausdrueckte. Diese Hauptsache scheint mir wichtiger zu sein als die Maengel."

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