Kommunismus

Samstag, 13. juni 2009 6 13 /06 /2009 17:35
 

Die Rolle des Internets zur Kontaktanbahnung wird wachsen und einfacher werden, Da kein „Eheanbahnungsinstitut“ oder irgendeine „Flirtbörse“ Geschäftsgrundlage für die Betreiber sein kann, spricht nichts gegen universale Verknüpfungen. Es kann also jeder sich mit seinen spezifischen Wünschen in ein einziges, aber größeres und weiter verzweigtes System einloggen. Wer also eine Zweierbeziehung sucht in der Art unserer heutigen Ehe, kann dies tun und erreichen, wer eine zeitlich begrenzte Wohngemeinschaft, wer eine lose oder weniger lose kann dies auch. Sexualleidenschaftsbeziehung mit ganz individuellen Schwerpunkten... es spricht nichts dagegen.

Die elternschaftlichen Verpflichtungen als Beziehungskitt werden entfallen sein, richtiger: sich ausschließlich auf den anhaltenden gegenseitigen Wunsch beschränken (dazu nachher noch mehr).

Was also spricht dagegen, ins Netz zu gehen mit dem ausschließlichen Verlangen, einmal Sex zu wollen? Beziehungen, die wir heute als seltsam ansehen würden, können gleichberechtigt neben solchen stehen, die uns heute geläufig sind.

Allerdings wird ein solches universales Kontaktmedium auch notwendiger sein. Der geringe äußere Zwang, sich an nicht mehr weiter wünschenswerte Beziehungen zu binden, führt zum einen zu größerer Suchintensität, zum zweiten zu größeren Bemühungen, sich die erreichten Beziehungen angenehm zu erhalten. Da der nicht vorsätzlich durch die einzelnen Menschen angenommene Stress fast völlig schwindet, ist natürlich deutlich mehr Muße vorhanden, Partnerschaften zu pflegen – wobei mehr Partnerschaften auf mehr verschiedenen Ebenen nebeneinander bestehen können – aber nicht müssen.

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Freitag, 12. juni 2009 5 12 /06 /2009 07:31
 

Mindestens genauso interessant ist die "Weiterentwicklung" der Pornographie.

Hier klappen bei konservativen Kommunisten die Visiere herunter.

Sie haben aber nur teilweise Recht.

Einfach ist die Frage bei heute dominierenden Teilfragen.

Klar, wenn es nicht mehr ums Geld geht, so verschwindet mit einem Mal der ganze kriminelle Bereich und alle durch Not bedingte Prostitution bzw. Teilprostitution von selbst.

Für uns Heutige schwerer vorzustellen ist die Art, wie sich bindungsärmere, überwiegend körperorientierte Sexualität entwickeln wird. Ich behaupte, dass sie sich als eine von vielen verschiedenen Lebensäußerungen ihre Daseinsberechtigung im Bereich des natürlichen Genusses dann erst entfalten kann. Kein Stricher und keine Frau muss sich aus Not selbst verkaufen – sie können es ja gar nicht, weil es das Verkaufen nicht gibt.

Was übrig bleibt, wäre dann wirklich das Ausleben körperlicher Lüste.

Dabei wäre als erstes zu unterstellen, dass der Fortschritt der Medizin enorm sein wird. Schließlich wird ein Großteil der freien Forschungskapazitäten dorthin fließen. Es spricht also wenig gegen die Vermutung, dass heute wesentliche Sexualerkrankungen beherrscht werden, höchstens die Bedeutung einer leichten Grippe erreichen können. Es spricht also nichts gegen das, was wir heute „Seitensprung“ nennen würden.

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Dienstag, 9. juni 2009 2 09 /06 /2009 06:17

 

Eine Frau in der jW forderte bei einer Buchbesprechung, man solle doch einfach sagen: In der DDR wurde mehr gevögelt. Das sagte sie in Auseinandersetzung mit dem Buch „Eros...“, in dem dasselbe steht – nur mit verwissenschaftlichten Ausdrücken wie Koitushäufigkeit...

Vielleicht dürfen bestimmte Ausdrücke nur Frauen in den Mund nehmen, ohne als sexistisch oder schlimmer beschimpft zu werden. Dabei spiegelt diese statistisch „verifizierte“ Feststellung eine der wichtigsten überhaupt dar.

Konservative Kommunisten – häufig ältere Herren – haben oft ein verbürgerlichtes Angstverhältnis zur Sexualität, zur Erotik, ja zum Genuss im Ganzen. Das o.g. Buch versteckt sich da vorsichtshalber hinter Marx und Kofler, um zu erklären, dass es eine umfassende Genussbejahung auch schon in den klassischen Schriften des Marxismus gab. Immer merkt man solchen Auslassung ihre eigentliche Verklemmung an. Die Auseinandersetzung mit pornographisch verzerrter Sicht macht es nicht leicht, ein zutreffendes Gegenbild zu zeichnen, das in der notwndigen Vielfalt der Blickwinkel nicht die Lächerlichkeit solcher Sätze riskiert wie "eigentlich sei doch die höchte Liebe die Liebe zur Sowjetunion".

Die DDR brachte beabsichtigt und unbeabsichtigt (auch) viel Positives zustande. Etwas seinem Wesen nach Kommunistisches, was übewiegend unbeabsichtigt entstand, war die FKK-Bewegung.

 

Was waren Quellen der FKK-Bewegung, wie sie sich in der DDR zeigte?

Viele Überlegungen dabei waren vielen Beteiligten gar nicht bewusst. Gerade deshalb ist der Prozess aber gerade so interessant und betrachtenswert beim Nachdenken über den u. U. seltsamen Weg zum Kommunismus.

Ein Glück für die FKK-Bewegung in der DDR war, dass es Traditionen in der vorangegangenen Arbeiterbewegung gegeben hatte. Kaum ein FKKler hätte sich darauf tatsächlich berufen, aber es hielt den Widerstand der konvervativen Führungsriege in Grenzen. Soweit in der FKK-Bewegung wirklich politische Motive enthalten waren, waren sie überwiegend eine unterschwellige Opposition gegen verkrustet-konservative Seiten einer sich sozialistisch nennenden Staatsbürokratie. Dem stand das Gefühl gegenüber, in einem Punkt das auszuleben, was die offizielle „Linie“ ihrem Wesen nach hätte sein können und müssen ... und nur bedingt war...

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Montag, 8. juni 2009 1 08 /06 /2009 20:15
 

Ich war hängen geblieben beim persönlichen Besitz. Beim, vielleicht bedarf es eines besoderen Ausdrucks dafür, „Liebhaberbesitz“. Da wir davon ausgehen können, dass in solcher Zeit jeder Mensch ausgeprägtere Besonderheiten haben wird, gibt es auch im Besitz spezifischere Besonderheiten. Gerade in dem Rahmen, dass man sich alles „unentgeltlich“ nehmen kann, prägt sich natürlich genau das ein, was eben NICHT jeder haben kann, weil es nicht jeden interessiert. Das kann ein Sammelfimmel sein oder bestimmtes Werkzeug, was selten ist - nicht wegen seines „Preises“ sondern weil es einen hohen emotionalen Wert hat.

Insofern wird es also auch eine Nachfolgeeinrichtung der heutigen Polizei gegen Eigentumsdelikte geben. Denn natürlich ist das gelegentliche Bestreben, einem Anderen weh zu tun, gesellschaftsunabhängig. Es wird nur unter bestimmten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen „kultiviert“ (zu verschiedenen Ebenen „organisierter Kriminalität“). Und die Bereitschaft zur Mithilfe bei der Lösung „fremder“ Probleme wird größer sein.


(wird noch fortgesetzt)

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Montag, 8. juni 2009 1 08 /06 /2009 05:47
Vor fünf Tagen hatte ich meine geistige Reise begonnen in die Welt des Kommunismus.
 

In der Vorphase des Kommunismus gibt es allerdings schon einen „Denkwandel“.

Der besteht aus zwei Seiten. Die eine Seite nennen wir vereinfachend mechanischen Materialismus. Es muss, um bei dem Beispiel des Autos zu bleiben, der Individualverkehr wirklich weniger sinnvoll sein. Man muss also mit öffentlichem Verkehr mindestens genauso schnell an jeden Platz der Erde kommen können wie mit dem eigenen Auto – besser noch günstiger. Dass das geht, kann man sich schon jetzt gut vorstellen. Man baut einfach das öffentliche Netz extrem aus. Dazu kommt, dass die Bequemlichkeit der Verkehrsmittel zu erhöhen wäre (und trotzdem muss man sich die Fahrkarten leisten können).Bequem sowohl in der Art des Sitzen als auch der Taktfolge als auch der Verlässlichkeit / Planbarkeit.

Auf der anderen Seite kommt eine relative Unbequemlichkeit des Individualverkehrs dazu. Was damit gemeint ist, können alle die besingen, die in vielen Citybereichen Parkplätze suchen.

Einmal vorausgesetzt, man unterstellt nicht SF-Revolutionen in der Raumgestaltung weltweit (die auch einmal kommen werden), also dass das Verhältnis Wohnen – Arbeiten – Erholen „räumlich dynamisiert“ wird, ist ja der Platz besonders in den Städten begrenzt. Dann stellen sich sowieso Gleichgewichte ein: Eben vorausgesetzt, öffentlicher Verkehr ist ausreichend bequem gestaltet, dann wird ein ständig wachsender Teil der Bevölkerung auf ihn zurückgreifen, selbst, wenn ihm das schönste Auto geschenkt würde.

Ich hoffe, dies ist logisch nachvollziehbar.

Wenn ein solcher Punkt erreicht ist, tritt natürlich auch ein allmählicher Wandel im Denken ein: eine Art Manta-Fahrer-Effekt. Also diejenigen, die mit ihrem PKW protzem wollen, werden immer stärker belächelt. Man nimmt sie weniger ernst und, im Gegenteil, man erinnert sich daran, dass ihr Handeln nicht umweltfreundlich ist.

Man darf dabei eines nicht vergessen: Die großen privaten Autofabriken sind zu gesellschaftlichen Dienstleistern geworden. Niemand schlägt sich (im übertragenen Sinne) darum, ob der normale Mensch mit einem Opel oder einem Toyota herumkutschiert. Und natürlich werden die erhältlichen Individualfahrzeuge so verbrauchsarm und umweltfreundlich wie jeweils möglich gebaut, außerdem so, dass ihre „Lebenserwartung“ optimal, also länger ist.

Achtung: Man darf diesen Ansatz nicht missverstehen! Das alles bedeutet nicht das Ende des Individualverkehrs. Der wäre auchgar nicht im Sinne des allgemeinen Wohlbefindens. Manche Orte werden sinnvoll für lange Zeit nur ganz individuell erreichbar sein und eine Schnellbahn dorthin gesellschaftlicher Unsinn.

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Dienstag, 2. juni 2009 2 02 /06 /2009 20:39
 

 

Marx hatte sich vorsichtshalber auf eine sehr vage Formel zurück gezogen, die alles und nichts sagte. Immerhin hat er uns eines angeboten: Der Entwicklungsstand der Produktivkräfte müsste wesentlich höher sein als der heutige. Damit die Springquellen reicher fließen.

Also lassen wir sie doch fließen. Machen wir ein gedankliches Experiment und unternehmen wir einen Sprung in den Sozialismus heute, ohne dabei das Handeln der Kapitalisten zu berücksichtigen. Nur zur Veranschaulichung spielen wir Zauberer und lassen sie mit Wirkung zum 1.1.2010 weltweit verschwinden. Wir sind dabei gute „Marxisten“ und blasen nur die Großkapitalisten weg, also diejenigen, bei denen die eigenen Einnahmen ausschließlich aus der im Marxschen Sinne „Ausbeutung“ der „Ware Arbeitskraft“ anderer Menschen beruht.

Entscheidend ist für unser Gedankenpiel nur, dass dies weltweit geschieht.

Frage 1: Was passiert mit dem Eigentum?

Eigentum oder Besitz, was dann immer mehr miteinander verschmilzt, bekommt eine völlig neue Rolle. Dabei sind zwei Richtungen wichtig: Die eine ist der Besitz, der bleibt. Das wird langfristig der Besitz sein, der jedem einzelnen Menschen seine äußere Individualität verleiht, sichen seines unverwechselbaren Ichs wird. Auf der einen Seite ist dies im allerweitesten Sinne seine „Wohnungseinrichtung“. Was gehört zu „mir“? Dabei gibt es natürlich Menschen, die sich beschränken, ein einfaches Leben führen wollen, wil sie dies „schick“ finden. Wozu Blumentöpfe? Sieht doch spießig aus! Andere lieben es, sich zu schmücken. Das ist natürlich auch eine Frage demonstrierter Sexualität. Hier gibt es noch sehr lange, eigentlich den ganzen „Sozialismus“ hindurch den psychischen Trieb des „Protzens“. Sieh her, was für ein tolles Auto ich mir leisten kann! Meinetwegen kann man „Protzen“ auch durch Statussymbol ersetzen. Logisch bleibt dieses Handlungsmotiv so lange erhalten, so lange sich der eine etwas leisten kann, was sich ein anderer (warum auch immer) nicht leisten kann.

Insofern ist der Übergang vom Sozialismus zum Kommunismus durchaus eine Revolution. Denn plötzlich müsste sich jeder eine Nobelkarosse „leisten können“ oder richtiger, es gäbe keinen, der sie sich nicht leisten könnte. Nun wäre es ja eine Katastrophe, wenn jeder Bürger dieser Erde mit einem Edelauto herumfahren wollte.

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Sonntag, 22. märz 2009 7 22 /03 /2009 18:59
Im so geschnörkelten wie gepflegten Stadtteil Bloomsbury in London ließ
sich die vergangenen Tage eine merkwürdige Erfahrung verzeichnen:
Während unter den ersten Sonnenstrahlen in einem Park jeder Tourist
verdächtig ist, eigentlich arbeitsloser Investmentbanker zu sein, hängen
an einzelnen Laternen kleine, dezente Aufforderungen zur Denunziation
jener, die durch antisoziales Verhalten auffällig wurden. Wohl
verstanden meint antisoziales Verhalten eher Fußballspielen in der
Straße und alkoholisierte Rüpelei denn Investmentbanking.

Diese Logik sagt auch, dass eine philosophische Konferenz kein
antisoziales Verhalten ist, denn sie schadet dem Lauf der Dinge nicht.
Das ist jedoch, wie sich mit Slavoj Zizeks Eingangsstatement vor den
rund 800 Teilnehmern der Londoner Kommunismus-Konferenz am Wochenende
festhalten lässt, falsch. Gut zu handeln ist der Imperativ der
zeitgenössischen Moral und bedeutet, im Verein mit Bill Gates die Welt
retten zu wollen. Mit Zizek ist die richtige Antwort darauf weniger ein
anderes Handeln als vielmehr die Aufforderung, etwas ganz anderes zu
tun: zu denken.

Wie aber lässt sich heute noch affirmativ an einer Idee des Kommunismus
festhalten? Das Problem läuft auf die Verknüpfung zweier Dinge hinaus:
der Möglichkeiten zur Realisierung dessen, was unter Kommunismus gemeint
sein könnte, und dessen, was im abstrakten Sinne die Fortschreibung
seiner Idee ist. Dieser Widerstreit liegt, wie Alberto Toscano in seinem
Beitrag hervorhob, im Begriff selbst. Das Aushalten, Reformulieren und
Behaupten dieser Schwierigkeit, dass die Lösung einerseits nicht gegeben
ist, sondern sich in konkreten Situationen entwickelt und dass
andererseits an der abstrakten Idee absoluter Gleichheit als leitender
Idee festzuhalten ist, führte Peter Hallward in seinem Beitrag wiederum
zu einer Reformulierung des Konzepts des Willens.

Politik ist eine Frage der subjektiven Entscheidung und muss sich
abseits der organisierten Meinungen, der Umfragen und der ausgewogenen
Übereinstimmungen halten. Diese Distanz der Politik ist zunächst die
Distanz zum Staat, und so lässt sich zugleich der große gemeinsame
Nenner der Konferenz von Michael Hardt und Antonio Negri bis hin zu
Zizek, Jacques Rancière und Alain Badiou erfassen.

Bei Hardt und Negri zeigt sich diese Distanz anhand konkreter
Widersprüche heutiger kapitalistischer Gesellschaften. Im Denken Badious
bindet sich diese Distanz stärker an Ereignisse der Geschichte wie die
Oktoberrevolution oder die Pariser Commune.

Jacques Rancière unterstrich die Notwendigkeit, eine Geschichte dieser
singulären Momente mit der Schaffung neuer Punkte der Unmöglichkeit zu
verknüpfen. Wenn die kommunistische Hypothese die Behauptung einer
solchen Geschichte ist, dann kann davon die kommunistische Idee
unterschieden werden, die, wie Alain Badiou es differenzierte, die
immaterielle, zeitlose Axiomatik der Gleichheit all dieser Ereignisse
bezeichnet. Es ging und geht darum, soziale Gleichheit in Distanz zum
Staat zu denken.

Dass an dieser Stelle Zwist entsteht, wurde ziemlich genau fünf Minuten
vor Ende der Konferenz deutlich. Die Diskussion entzündete sich nach
Judith Balsos brillantem wie orthodoxem Vortrag, in dem sie Politik
radikal von der Philosophie unterschied. Balso unterstrich die formale
Seite eines Denkens, welches sich nicht über Analyse und Kritik, sondern
einzig in der Form des Ereignisses Politik versteht. Hier geht es um
etwas, und es schieden sich die Positionen Hardts, Negris und Zizeks von
Badious und anderen. Nach Badiou, Balso oder Rancière führt von der
Analyse kein unmittelbarer Weg zur Politik, die eine subjektive und
unwägbare Entscheidung bleibt und in der Behauptung der Möglichkeit
einer unmöglichen Position besteht. Die Kongress-Frage "Was tun?"
spaltete, auch wenn es, wie Zizek betonte, an der Zeit sei, den Namen
Kommunismus aus seiner realhistorischen Versenkung zu holen, um ihn mit
neuen Begriffen zu verknüpfen, wozu genau die letzten fünf Minuten der
Veranstaltung sprachen. JAN VÖLKER
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Dienstag, 27. mai 2008 2 27 /05 /2008 08:12

Greifen wir den ewig egoistischen Menschen, der eben nicht für den Kommunismus gemacht ist, heraus.

Der ist eine Frage unserer Fantasie bzw. der Anerkennung von Realitäten.

Wenn wir die Welt so nehmen, wie sie ist, dann fördern die äußeren Umstände diejenigen, die ihre Ellenbogen gegen andere „mit Erfolg“ einsetzen. Zum einen ist das Kapitalismus. Hier gilt das uneingeschränkt. Warum sollte das plötzlich anders sein, nur weil an den Betrieben dran steht, sie seien „volkseigen“? Was man sich einmal angeeignet hat, das hat man verinnerlicht, auch, wenn sich die Verhältnisse verändert haben. Aber drittens: Hatten sich denn in der Gesellschaft, die nun erst einmal untergegangen ist, die sichtbaren Verhältnisse so wesentlich verändert? Sah man nicht lieber Westfernsehen, in dem das Konsumdenken normal war? Wurde einem nicht laufend vorgeführt, was einem noch fehlte? Oder wie dies Busjagin für die Sowjetunion hervorhob: Gab es denn irgendwo eine massenwirksame Förderung kreativer Motivationen für die Gemeinschaft? Im Gegenteil!

Wir können uns so schwer vorstellen, wie es sein könnte, wenn die primitiven Verlockungen des Egoismus gesellschaftlich weg sind. Ja, selbst dann wird es Generationen dauern, bis sich die neuen Erfahrungen verfestigen / verinnerlichen, bis es für die Enkel normal ist, was wir heute nicht verstehen.

Das, was wir heute als Eigenschaften des Menschen verstanden zu haben glauben, ist ein Gemisch aus tierischem Existenzkampf ums nackte Überleben mit den Erfahrungen zweckmäßiger Verhaltensweisen in Verhältnissen der Über- und Unterordnung (man könnte auch Klassengesellschaften sagen … womit man auf das Problem stößt, dass auch der Sozialismus innerhalb der kommunistischen Gesellschaftsformation eine Klassengesellschaft ist).

Es ist schlicht zu kurz gegriffen, etwas, was in 5000 Jahren bewusst und unbewusst mit jedem Ansatz bekämpft wurde, für unmöglich zu erklären. Wie sich vernünftig gebildete Menschen in einer herrschaftsfreien (herrschaftsarmen) Gesellschaft entfalten (entpuppen), geht über unseren Horizont hinaus. Können wir uns trotzdem darauf einigen, dass es anders sein wird als heute? Dass aber die Anfänge aller neuen Gesellschaften immer bedroht sein werden, da dort immer die „alten Menschen“ die Handelnden sind?

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Dienstag, 25. märz 2008 2 25 /03 /2008 18:44


"...Die von den Kassen als Begründung für die Erhöhungen gern ins Feld geführte Kostenexplosion ist nach Ansicht des Allgemeinen Patientenverbandes (APV) in erster Linie auf Raffgier, Verschwendung und Korruption zurückzuführen. In der Onlineausgabe des Magazins Stern erklärte APV-Präsident Christan Zimmermann: »Von den 160 Milliarden Euro, die das Gesundheitswesen pro Jahr verschlingt, sind 70 Milliarden Euro zum Fenster rausgeschmissen«. Allein 20 Milliarden Euro gingen nach Schätzungen unabhängiger Experten durch Korruption verloren. Weitere 20 Milliarden Euro müßten von den Kassen aufgebracht werden, weil Ärzte überflüssige Untersuchungen durchführten. Weitere Faktoren seien unter anderem die Verschreibung überteuerter Medikamente und die Finanzierung der aufgeblähten Verwaltungsapparate von über 200 konkurrierenden gesetzlichen Krankenkassen sowie der kassenärztlichen Verbände. Der APV fordert die Einführung einer Positivliste für verschreibungsfähige Medikamente, die Umstellung der Vergütung niedergelassener Ärzte von Einzelhonoraren auf Gehälter sowie die Auflösung der Ärzte- und Kassenkartelle. Auch Sozialverbände, die Partei Die Linke und die Grünen wollen den permanenten Raubzug der Krankheitslobby gegen Lohnabhängige beenden. Sie fordern die Einführung einer Bürgerversicherung, die alle Einkunftsarten und Vermögen zur Finanzierung des Gesundheitssystems heranzieht."

aus dem Titelthema der "jungen Welt" vom 26.3.08

Nun ein kommunistische Rechnung:
Man stelle sich die einfachen (!) Einsparungen als Arbeitszeit vor.
Sagen wir 20 Euro = 1 Arbeitsstunde.

Mit der Abschaffung dieses Systems wären also

70 000 000 000 Euro / 20 = 3 500 000 000 Arbeitsstunden einzusparen.
Unterstellen wir (weil es sich so gut rechnet)
35 Millionen deutsche Arbeitskräfte.

3500 Millionen Arbeitsstunden / 35 Millionen Arbeitskräfte =
100 Stunden pro Arbeitskraft.
Aufs Jahr gerechnet also etwa 1/2 Stunde, die jeder allein wegen des kapitalverseuchten Gesundheitswesens zu viel arbeiten muss...

Milchmädchenrechnung???

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Mittwoch, 19. märz 2008 3 19 /03 /2008 07:56

Noch einmal: Kommunismus ist das notwendige Mittel, um ein Maximum an Selbstverwirklichung der in dieser Gesellschaft lebenden Menschen ermöglicht, ein Mittel zur vollen Entfaltung im engen wie weiten Sinn „menschlichen“ Persönlichkeiten. Nur ein Mittel – kein Selbstzweck. Dass es notwendig angestrebt werden muss, liegt allein daran, dass Kommunismus der einzige äußere Rahmen ist, innerhalb dessen solche Persönlichkeitsentfaltung nachhaltig dauerhaft gesichert werden kann. Unter diesem Gesichtspunkt scheiß ich auf die „Befreiung“ einer so genannten „Arbeiterklasse“. Solche Überlegungen sind rein taktischer Natur. Sie waren modern, als besagte „Arbeiterklasse“ die moderne Klasse war, kaum behaftet mit irgendetwas, was sie konservativ erhalten hätte wollen und können.

Heute überlagert ein allgemeineres Problem in den fortgeschrittensten Ländern diese Klassenzugehörigkeit sehr wesentlich: Der Gegensatz von Tages-Individual-Interessen zu allen Interessen die mittel- oder langfristiger Natur sind. Theoretisch träfe dies sogar auf die Kapitalisten zu. Eigentlich wäre auch ihr Interesse, in 10, 20, 100 Jahren noch sich entfalten zu können. Praktisch schließt der Kapitalismus als Rahmen-System aber ein vernünftiges Verhalten über den Tagesprofit hinaus aus. Was soll der einzelne Kapitalist, „Unternehmer“, auch tun? Wenn er nachhaltig wirtschaftet, erwirtschaftet er nicht genügend freies Kapital, um sich vor dem Gefressenwerden durch den rücksichtsloseren Konkurrenten zu behaupten, und geht unter. Ihm bleibt also im Rahmen seiner Vernunft nur, vom „Staat“ eine besondere Förderung seines nachhaltigen Verhaltens zu verlangen, also eine praktische Steuer-Umverteilung des Volksvermögens in Zukunftsinvestitionen. Dies aber bevorteilt wiederum Staaten und Unternehmen, die solche Rücksichten nicht nehmen. Es schafft nur Inseln moderner Bio-Kunst-Industrien. Die Atmosphäre fragt aber nicht danach, ob sie durch Deutschsprecher nicht, sondern nur durch Englisch- oder sonst wie –sprecher zerstört wird. Sie wird zestört.

Diese Erkenntnis ist als Erkenntnis nicht an Klassen, sondern an ein gewisses Maß an Erkenntnisfähigkeit, sprich ein elementares Bildungsniveau gebunden. Sie kann mittels „gesundem Menschenverstand“ durchaus gefunden werden. Der darüber hinaus gehende Gedanke, dass eine dauerhafte Lösung der „Menschheits“-Probleme allein durch ein System funktionieren kann, in dem weltweit elementare Menschheitsaufgaben geplant werden können und deren Lösung durchgesetzt auch planmäßig durchgesetzt werden kann, und dies nur funktioniert, wenn keine wesentlichen Menschengruppen notwendigerweise der Scheiß-Menschheit entgegenstehende Eigeninteressen verfolgen, das muss ihnen klar gemacht werden. Dies setzt aber voraus, zu akzeptieren, dass das Interesse der „Umweltschützer“ ein kommunistisches ist – selbst, wenn diese es (noch) vehement ablehnten.

Es ist also die Aufgabe von Kommunisten, sich mit allen zusammenzutun, deren Handeln global menschlich gedacht begründet ist.

Sozialdarwinisten der Tat haben dies längst erkannt. Frieden ist nicht „natürlich“, also sind ALLE Friedensfreunde Feinde dieser Gesellschaft….

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