Dienstag, 24. juni 2008

Ela

Irgendwie kommen ihr die Empfindungen vertraut vor, die ihr das Gehirn vorgaukelt. Ist so der Tod? Als ob man in ein früheres Leben versetzt ist? Mit bekannten Gerüchen? Wie in einem Krankenhaus? Wie bei einer Schwangerschaft, die kein Leben bringt?

Ein Krankenhaus?! Ela öffnet die Augen. Das alles ist real. Ela hört es ganz deutlich. Es piept. Das hat sie sich nicht eingebildet. Irgendwelche Kontrollapparate, mit denen ihr Körper verbunden ist, signalisieren, sie ist erwacht. Andere Menschen haben das Geräusch auch gehört. Die Tür geht auf. Eine Krankenschwester kommt herein. Ein Mann in Uniform drängt sie zur Seite. Ela erschrickt. Vor ihr steht leicht gebeugt Madrill, ein Vier-Sterne-General, der Ranghöchste der Raumerkundung.

„Schön, dass Sie wieder unter uns sind. Colonel Mc Phearson hatte uns gewarnt, dass die Kopffüßer mit einer Armada die Erde angreifen würden. Und eine aus eurem Team, Gila …, oh, wie hieß sie noch, … also jedenfalls diese Gila meinte, die Viecher könnten Sie als Geisel dabei haben. Da haben wir alle Raumschiffe nach menschlichen Lebenszeichen gescannt und Sie vor der Explosion Ihres Schiffes geborgen. Es war nicht gerade leicht, Sie rechtzeitg in den Skaphander zu hüllen. Ein Glück, dass Mc Phearsons Fernsteuerung der Schleusenkammer wirklich funktionierte. Aber Sie wissen ja, die Army lässt ihre Leute nicht im Stich.“

Ela spürt, wie ihr Blut an den Schläfen pulsiert. Sie will sich ruckartig aufrichten. „Nein!“ brüllen. Ihr fehlt die Kraft. Außerdem hängt sie an verschiedenen Schläuchen, die wie Fesseln verhindern, dass sie sich wenigstens die Ohren zuhalten kann. Jetzt eine Ko sein. Nichts hören. Oder wenigstens weghören können. Die Gedanken gegen alles abschotten, was von draußen kommt. Ela versucht, still auf sich einzureden. Das kann nicht wahr sein. Sie ist nicht allein. Morgen – oder wann immer man glaubt, ihr den Anblick zumuten zu können – würden Ascha und Shi in der Tür stehen und – weil das bei Krankenbesuchen unter Menschen so üblich ist und die beiden das ja wissen – einen Blumenstrauß auf den Nachtschrank stellen. Mit geschlossenen Augen versucht sich Ela zu konzentrieren. Wenn sie sich Mühe gibt, dann nimmt das feiste Gesicht des Militärs bestimmt die Hügelform von Aschas Ko-Kopf mit den großen Augen darin an, und sie bildern sich gegenseitig, was alles noch an Abenteuern vor ihnen liegt …

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Montag, 23. juni 2008

Zum ersten Mal versteht Ascha die Freundin nicht. Die Bilder ergeben keinen Sinn. Schon bei ihrer ersten Verschmelzung hat sie einen Teil der menschlichen Erinnerungen als absurd blockiert. Das konnte Ela doch nicht wirklich erlebt haben, was Menschen einander angetan haben sollen. Ein vernünftiges Wesen lebt doch nicht auf Kosten anderer! Aber nur, wer auf Kosten anderer lebt, tötet, um seinen kleinen Vorteil zu erhalten. Sollten das da unten alles Räuber sein? Verschworene der Kristallräuber, die die Welt nur in „mein“ und „dein“ und „noch dein“ und „Wegnehmen“ und „angreifen“ unterteilen? Oder sucht Ela jetzt einen Grund, um nicht zu den Wesen ihrer Art zurückkehren zu müssen? Wie lieb sie doch ist. Lass es sein, Ela, du weißt, wir haben keine Wahl. Wenn du willst, dann nehmen wir dich mit, wenn wir uns auf die Suche nach der zukünftigen Heimat der Ko aufmachen.

Plötzlich strahlt ein roter Strich durch alle Gedanken. Alarm! Ascha und Shi versuchen ihre Beine auszustrecken. Aber in dem mit Leibern voll gepfropften Steuerraum ist das nicht so schnell möglich. Der Visorschirm hat Flugapparate geortet, die von der Erde kommen und sich der Ko-Flotte nähern. Ist das die erhoffte Antwort auf ihre Kontaktversuche? Ascha drückt den Knopf, um das Flugprogramm zu verändern. Den kann sie mit einem Arm erreichen. Allerdings versuchen Hunderte Ko gleichzeitig, irgendetwas zu erkennen. Gerade dadurch erkennen die meisten nichts.

Ascha weiß, sie fliegen zu schnell. Ihr bleibt noch der Knopf als Überbleibsel der Handsteuerung. Eine Kugel zum Drehen und Drücken, mit der sie die Aufgaben eines Piloten erfüllen könnte. Aber was sollte das nützen? Sie erkennt ja nicht, wovor sie wohin ausweichen soll und ob überhaupt. Plötzlich leuchtet der ganze Visor aufdringlich rot.

Ein Bündel hochenergetischer Strahlen geht vom vorderen Raumschiff der Menschen aus. Ascha zögert. Vielleicht ist dies das lange vermisste Erdsignal, und sie versteht es nur nicht. Plötzlich erinnert sich Ascha an Nonscho. Hatte der nicht einen Piloten … ? Sie muss sich mit dem Schiff verbinden.

Shi ahnt die bevorstehende Katastrophe. Er drängt die Fangarme hinter Ascha ab und betätigt einen Kontakt, den seine Heirin übersehen hat. Aus dem Steuerpult wird ein Helm herausgeschleudert. Biometrische Steuerung. Die Abläufe sind schneller getan als beschrieben. Schon hat Ascha das Gefühl, selbst der Gleiter zu sein.

Schmerzen. Wahnsinnige Schmerzen. Etwas zerreißt Ascha scheinbar den Bauch. Der Gleiter prallt zurück, als hätte ihn eine riesige heiße Faust getroffen. Die Ko, die gerade auf ihren Beinen standen, stürzen gegen die linke Außenhaut, andere, die lagen, schleifen, einander wegstoßend, am Boden entlang.

Was ist denn das? Ascha hat das Gefühl, auf dem Erdboden aufzuschlagen. Einen Moment lang glaubt sie mit ihren Augen zu sehen, wie sich ein Schleusentor öffnet und wieder schließt. Menschenartige Gestalten in groben Hautformen bemühen sich, Ela eine solche seltsame Haut überzustreifen. Die Freundin wehrt sich nicht. Mit Blitzen öffnet sich die Wand der Schleusenkammer erneut. Alles läuft schnell und irgendwie unwirklich. Gleichzeitig empfängt Aschas Gehirn eine Unmasse von Bildern. Fremdartige Fluggeräte, von denen Lichtblitze ausgehen. Gestalten, die in sie eindringen. Shi fliegt an ihr vorbei nach draußen. Das ist das letzte Bild, das ihre Augen wahrnehmen. In derselben Sekunde verschwimmt alles um sie herum im grenzenlosen Blau der Angst.

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Sonntag, 22. juni 2008

Ascha

Die nächsten Tage vergehen wieder ohne besondere Vorkommnisse. Sie haben inzwischen längst die Plutobahn passiert. Uranus und Saturn würden sie nicht aus der Nähe sehen. Die befinden sich gerade auf der anderen Seite der Sonne. Die Rücken der Ko wechseln immer häufiger ihre Farbe. Warum nur ist noch immer keine Antwort von der Erde gekommen? Ascha beobachtet Ela auf ihrem Extraplatz. Fast sechzehn Stunden täglich sitzt sie neben dem Sender, der laufend automatische Signale in Richtung Erde schickt. Sie haben sich darauf geeinigt, in verschiedensten Wellenbereichen zu arbeiten. Jeder Sendung gehen Standardfloskeln voraus. „Wir grüßen die Bewohner der Erde. Liebe Menschen, wir Ko kommen in friedlicher und freundschaftlicher Absicht. Wir brauchen Hilfe zum Überleben …“ Dann folgen je nach Bandbreite unterschiedlich lange Sendungen. Notrufe, Bildberichte, Schemata der Katastrophe des Kori-ado-Ko-Planeten.

„Nein“, hat Ascha gebildert, „wir sollten bei diesem Erstkontakt eben nicht auf den Diebstahl eingehen. Es kann ja sein, dass auf der Erde die Menschen gar nichts davon wissen. Vielleicht ist dieser Mc Phearson gar nicht angekommen? Wenn ja: Wer sagt uns, was er erzählt hat, woher der Kristall stammt? Wenn unsere Flotte in ihrer ersten Botschaft an die Menschen gleich missbilligt, was unter ihnen für Diebe und Mörder sind, welche Meinung über unsere Absichten sollen die Wesen auf der Erde dann gewinnen? Die könnten ja denken, wir wollten sie angreifen und bestrafen. Dabei möchten wir doch vorübergehend ihre Gäste sein.“

Ascha beobachtet Ela, die sich bei der Diskussion zurückgehalten hat. Ela wartet immer nervöser auf irgendeine Botschaft der Menschen. Jedes intelligente Signal hätte der Zentral-TS auf den Hauptschirm übertragen. Ela hantiert an den Anlagen. Ascha hat ihr die Abläufe erklärt. Beide sind sicher, dass alles störungsfrei funktioniert. Will Ela auf Handbetrieb umschalten? Aber dann müsste sie auf herumhockende Ko treten, und die Automatik arbeitet doch. Trotzdem registriert sie kein Signal, das als Antwort der Menschen erkennbar ist. Immer wieder schwenkt der Sucher durch alle Frequenzen. Ascha kann sich das nicht erklären.

Allmählich kommt es ihr so vor, als würde das Bild der Erde auf dem Schirm größer. Leider müssen sie des Platzes wegen auf direkten Blickkontakt verzichten. Ein Visor tastet den nahen Raum draußen nach Flugkörpern ab, die die Menschen zu ihrem Empfang geschickt haben könnten. Vergeblich. Gelegentlich registriert er Teile der eigenen Flotte.

Als ihr Gleiter die Marsumlaufbahn passiert, erfasst die ganze Besatzung eine gespannte Erwartung. Unmöglich, dass sie auf der Erde jetzt noch niemand bemerkt hat. Selbst wenn durch einen Zufall ihre Signale nicht angekommen sein sollten, muss nun die Flotte von fremden Raumschiffen auffallen. Warum nur kommen keine Empfangssignale? Technisch ist das nicht zu erklären. Ascha sieht zu Ela hinüber. Da stimmt etwas nicht. Sie will ihre Frage ins Hirn der Gefährtin schicken. Es gelingt nicht. Sollten sie so kurz vor der Ankunft auf der Erde noch eine letzte Verschmelzung versuchen? Was mag Ela denken, wenige Tage, bevor sie am Ende ihrer Reise ist, bevor sie sich von ihnen verabschieden muss? Ascha dringt nicht in die Gedanken der Freundin vor. Das kann aber auch an den vielen Störungen liegen. Sie übernimmt also wieder die Initiative. „Shi, wir brauchen dich!“

Die Bilder, die sie dann aus Elas Hirn empfängt, sind ein einziger Hilferuf: Kehrt um! Bitte, Ascha!

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Samstag, 21. juni 2008

Für die Ko in der Höhle ist es dunkel, aber mit jeder weiteren Stunde wächst die Hoffnung. Sie leben noch. Die Vorräte sind noch nicht verbraucht… Scha weiß zwar, dass die eigentliche Entscheidung draußen erst später fallen wird. Vielleicht bleiben ihnen noch viele Monate, um langsam zu krepieren. Sie kennt die Modellrechnungen, die ein Spezialistenteam vor Tagen angestellt hatte. Die makaberste sieht einen ascheumwolkten Himmel, der Kälte, und einen näher an ihren Zentralstern heran gedrückten Planeten, der vorübergehend eine gleich große Erwärmung bringen kann, bis sich der Ascheschutz allmählich auflöst. Es gibt aber so viele Unwägbarkeiten, dass praktisch alles möglich sein wird. Was lohnt es sich da, zu spekulieren?

Dass so viele Mikros unter den Höhlenbewohnern sind, erfordert einen gewissen Tagesrhythmus. Scha ordnet Nachtruhe an. Irgendwann wird es Tag. Draußen scheint noch immer nicht Ruhe zu sein. Erst in der folgenden Sonne spüren sie nichts mehr von dem Inferno. Der Meteorit hat sich wohl längst wieder entfernt, wenn es ihn überhaupt noch gibt.

Vorsichtig öffnen sie den Eingang zum Höhlensystem. Er ist nicht von draußen verschüttet. Aber der größte Teil der Siedlung ist zerstört. Die Ko beginne sofort mit dem Aufräumen. Scha wechselt die Farben wie ein Maler mit bunter Palette. Sie kann sich einfach nicht entscheiden, wie sie das finden soll: Die alten Kubbons sind restlos niedergebrannt. Es muss in der Zwischenzeit aber auch ein gewaltiger Regen, vielleicht ein Ascheregen niedergegangen sein. Jedenfalls qualmt es nur wenig. Dafür patschen die Ko durch ekligen Aschemorast.

Eine Gruppe diskutiert lebhaft mit den Menschen, woraus am schnellsten und einfachsten wenigstens provisorisch nutzbare Energie gewonnen werden könnte, um einige der erhalten gebliebenen Materialisatoren in Betrieb zu nehmen. Ein extrem starkes Gewitter unterbricht kurz die Aufbauarbeiten. Die Bauleute sitzen beieinander. Warten auf das Ende der Störung. Einen Moment sieht Istvan Szarmati dem Ko Zschamm in seine riesigen Augen. Dann bildert er ihn an: „Ich würd sagen, im Moment gibt’s Wichtigeres. Später werden wir sehen. Wir waren schon so lange nicht mehr auf der Erde, da kommt es auf ein paar Sonnen auch nicht an …“

„Boris, ich bin eingeklemmt!“ Iris, die schwarzhaarige Feinmechanikerin, sieht sich suchend um. Boris ist nicht in der Nähe. Dafür kommt ihr Istvan zur Hilfe. Die verrutschte Rüststange eines der zerfetzten Kubbons hat Iris halb unter sich begraben. Die Stange ist leichter als befürchtet. Oder vielleicht auch nicht. Als Istvan aufsieht, merkt er, dass ein ihm unbekannter Ko das andere Stangenende hochgehoben hat.

Dies wird der erste Tag, an dem abends alle Menschen wie normale Ko in ihr Kali kriechen, ohne künstliche Hautfetzen über ihrer Haut zu haben. Scha-Scha und Zschamm hätten es nach außen als Beweis ausgegeben, dass die Behandlung der Menschen erfolgreich gewesen ist. Die fühlen sich einfach nicht nackt. In Wirklichkeit hat Kron die Korrektur auf solche Äußerlichkeiten und die Symbolsprache beschränkt. Die anderen menschlichen Verhaltensmuster sind unverändert erhalten geblieben. Scha-Scha hat das genauso gewusst wie Zschamm. Beide sind wie der Heiler Kron davon überzeugt, dass im Laufe der Zeit Menschen und Ko eine Gemeinschaft schöpferischer Harmonie auf Kori-ado-Ko eingehen werden. Ein kleines Risiko bleibt ja immer…

 

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Freitag, 20. juni 2008

Scha liegt völlig reglos in ihrem Kali. Ohne die innere Verbindung ihrer Einheit hätte Zschamm gedacht, es steckte kein Leben mehr in ihr. Aber ihr Gehirn ist hellwach. „Wir verstehen die Evolution dieser Menschen nicht. Dass die ihren Umgang mit anderen Wesen auf den Kampf um Besitz und Macht reduzieren, muss die Folge einer Katastrophe sein. Wenn wir bedenken, was sie an Mitteln besitzen, um mit der Natur umzugehen, ist nicht zu verstehen, warum sie nicht längst aus solch einem Stadium heraus sind. Wie auch immer: Sie sind es nicht.“

Scha hat es längst bemerkt. Auch Zschamm ist eigentlich davon überzeugt, dass sie eine Ungerechtigkeit begangen haben. Aber anstatt das einfach zuzugeben, versucht er weiter zu rechtfertigen, dass sie in den menschlichen Gehirnen eingeschriebenen Verhaltensmuster, mit denen die Menschen zu Monstern geworden sein könnten, ausgefiltert haben.

„Scha, wir haben uns gedacht, …“

„Wer ist wir?“

 „Wir jungen, die wir den Rat bald allein führen müssen. Also wir dachten uns, dass die Menschen wieder wie Erwachsene würden, wenn sie, also wenn du … Na, wenn du in die Unendlichkeit gehst, möchten wir am liebsten deine Verhaltensmuster in den Gehirnen der Menschen haben, damit sie gute Bewohner von Kori-ado-Ko werden.“

Scha-Schas Körper hebt und senkt sich regelmäßig. Sie sammelt zum letzten Mal ihre Gedanken. In der Zwischenzeit sind die Ko aus den Nachbarkubbons näher gekommen. Die Rücken aller Ko sind grau. Trauer ziemt sich nicht, wenn jemand die Unendlichkeit erreicht. Aber für die Gemeinschaft ist es auch kein Grund zur Freude.

„Zschamm, nein, das ist nicht richtig. Gebt diesen Wesen die Chance, als Menschen unsere Freunde zu werden. Unsere Welt lebt, unsere Werte sind nicht schlecht. Wenn wir den Kontakt zu sechs verirrten Menschen nicht ertragen, dann wären wir nicht so gut, wie wir uns einbilden. Mit ihrem eigenen Denken und Fühlen müssen sie entscheiden, ob wir ihnen bei ihrer Rückkehr auf ihren Heimatplaneten helfen sollen oder ob sie bei uns bleiben möchten. Und wir sollten sie fragen, ob wir die Kenntnisse aus ihren Hirnen für unser Leben gebrauchen dürfen. Bisher haben wir sie ihrer Vorstellungswelt nach gestohlen. Wir sollten sie achten. Und wir werden nicht besser, wenn wir uns bis in die Unendlichkeit darauf berufen, dass es umgekehrt Ihresgleichen waren, die unser Leben so missachtet haben.“

In diesem Moment spüren sie seltsame Wellen durch ihre Körper gehen. Es hat begonnen. Schon seit einer Weile hat der wolkenverhangene Himmel seinen Violetton verloren. Er scheint zu brennen. Tausende Ko flüchten in die Höhlen, die einst den Güllscho als Versteck gedient haben. Es ist wie ein Gewitter von bisher unerreichten Ausmaßen. Was sich draußen abspielt, sehen die Ko nicht. Sie nehmen an, dass kleine, mittlere, vielleicht auch große Bruchstücke des ursprünglichen Meteoriten in die Atmosphäre eindringen, dass ein Teil von ihnen den Boden erreicht. Immer wieder verraten Vibrationen neue Einschläge. Scha liegt ruhig in der Ecke. Wie viele andere erwartet sie den einen, den ganz großen Treffer. Ob sie den in ihrem Versteck erkennen würden? Vielleicht brechen dann die Höhlen zusammen und sie merken nichts mehr? Vielleicht ist ihre Siedlung längst in einem Krater verschwunden, sie haben den Einschlag nur nicht erkannt, und draußen wütet ein gnadenloses Feuermeer?

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Donnerstag, 19. juni 2008

Scha-Scha Tzu, provisorische Vorsitzende des Rates der Kori-ado-Ko

Zschamm, meinst du, das war wirklich alles nötig?“ Scha dreht sich auffällig zu den anderen wartenden Ko.

„Scha, die nächsten zwei Sonnen werden es zeigen. Die Rakete der Menschen hat getroffen. Ich glaube nicht, dass wir uns wesentlich verrechnet haben. Der Meteorit wird uns schaden, daran ist nicht zu rütteln. Aber seine Bahn wird Kori-ado-Ko nur wenig näher an die Sonne heransaugen. Das Klima hier wird heiß werden. Trotzdem werden wir weiter leben. Micros haben. Viele Micros …“

„Zschamm, du weißt ganz genau, dass ich das nicht gemeint habe. Die Menschen meine ich.“

Zschamm und Scha-Scha könnten gegensätzlicher nicht sein. Zschamms Haut ist weich und glitzert. Von einem Moment zum anderen wechselt die Farbe seiner Leuchtplättchen von gelb zu grün, blau oder rot, und bevor seine Partner sich auf die Veränderung eingestellt haben, ist der Rücken wieder so liebenswürdig golden, als wäre nichts geschehen. Scha-Scha dagegen gehört zu jenen Ko mit rauher Haut, die auf Kori-ado-Ko geblieben sind, um einfach nur in Ruhe sterben zu können.

„Was hat Kori-ado-Ko verdient? Wir wollen weiter leben, alle, oder?“ Scha-Scha leuchtet unwillig grün.

„Du hast ja Recht. Aber es gab auch bei den Menschen Ansätze zur Vernunft. Schließlich waren die Leute des Raumschiffs in ihrem Sinne so unvernünftig, dass sie ihre Kameraden unbedingt retten wollten ohne Rücksicht auf sich selbst. Das war gehandelt wie unter Ko. Nur, was haben beide Landetrupps getan, kaum, dass sie vor den ersten Zeichen unserer Kultur standen? Na?“ Zschamm bildert so bunt, als wolle er eine ganze Ratsversammlung überzeugen oder wenigstens seine eigenen Zweifel abtöten.

„Zschamm, hör endlich auf, mir auszuweichen! Da sind wir uns doch einig, dass keiner den Kubbon des anderen zerstören darf. Eine kurze Neutralisation als Warnung hätte aber gereicht.“

Scha-Scha breitet ihre Gliedmaßen auf dem Kali aus. Ihr Rücken ist nun grau. Es sieht aus, als wollte sie sich auf den Weg in die Unendlichkeit verabschieden. Sie rührt sich kaum noch. „Unsere neue Gemeinde umfasst beinahe sechzigtausend Ko. Warum auch immer – es sind viele junge dabei. Die Menschen sind nur sechs. Trotzdem. Woher nehmen wir das Recht, das Leben der einen für das Leben der anderen zu opfern?“

Zschamm leuchtet grün. „Was soll das? Du tust gerade so, als hätten wir sie getötet.“

„Haben wir das etwa nicht?“

„Die Körper der Menschen funktionieren wieder. Sie haben zwei Menschinnen dabei. Wenn die verkrüppelten Dorne der Menschenmänner wenigstens zu dem einen gut sind, dann können sie ihnen zu Micros im Bauchfältchen verhelfen. Eine neue Gemeinde von Menschen wird entstehen.“

„Zschamm, mir gefällt nicht, wie abwertend du über andere Denkende des Universums sprichst. Du weißt genau, dass ein intelligentes Wesen nicht nur einen Körper hat.“

Zschamm glitzert einen Moment wie ein Regenbogen. Scha sieht ihm an, wie er mit sich ringt. Dass auch der Junge zum Schluß grau wird, nimmt sie wohlwollend auf.

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Mittwoch, 18. juni 2008

Ascha

 Wochen voll quälender Eintönigkeit. Allein die Entfernungsanzeige bemerkt eine Veränderung. Etwa ab dem einhundertsechzigsten Tag scheint sich Ela anders zu verhalten als bisher. Die Menschin wird von Tag zu Tag einsilbiger. Sie macht kaum einen Scherz mit, und Ascha gelingt es immer seltener, Elas Gedanken zu erreichen. Dafür blickt Ela wehmütig auf die Projektionswand, auf der die Annäherung des Schiffes an das System der Erdensonne dargestellt wird.

„Shi, wir müssen uns in Ela unterhalten.“

Ihr Partner drückt diesmal seinen Bauch auf den Boden.

„Was ist, Shi? Warum willst du nicht?“

„Verstehst du denn nicht, Ascha? Ela ist bald zu Hause. Lass sie in Ruhe!“

„Shi“, entgegnet Ascha, wobei sie vorsichtig ihre Beine unter seinen Körper schiebt, bis sie den Dorn greifen kann, „es ist doch noch schwieriger. Sie traut sich nicht, zuzugeben, dass sie dort ihre Heimat hat, um uns nicht zu verletzen. Lass uns verschmelzen.“

Als Ascha mit dem Lappen kommt, um die Freundin zu waschen, läßt Ela alles über sich ergehen, so, als ob etwas, was einstmals Freude bereitet hat, nun nur noch ein alltäglicher Ritus ist, der bald seinen Sinn verloren hat. Umso verwunderter schaut Ela Ascha an, als sie ihr Rücken und Kopf abstützt. Ascha gibt Shi ein Zeichen. Der bildet mit ihr einen kleinen Kreis, den er mit seinem Dorn auf Ela erweitert. Ascha liest die Symbole, wie Ela ihr Einssein mit den vertrauten Freunden genießt, und wie eine weise Mutter bildert sie auf die Menschenfreundin ein. Eigentlich malt sie in immer neuen Varianten einen einzigen Satz: Wir sind deine Freunde und wie auch immer du deinem Gefühl folgst, es wird richtig sein, und wir bleiben deine Freunde auch danach.

Plötzlich löst sich Ascha aus der Einheit. Sie will ihr eigenes Gefühl nicht eingestehen. Was sie bei Ela vorausgeahnt hat, ist ihr selbst passiert: Sie spürt einen tiefen Schmerz. Irgendwie gehört dieses Wesen dort zu den Menschen. Sie hat Elas Angst wahrgenommen, in gar nicht so langer Zeit vielleicht nur mit Schaudern daran denken zu können, dass einmal der Dorn eines Kraken in ihr gesteckt hat. Die Angst,  dann Scham und Ekel empfinden zu müssen. Die Angst, der jetzigen Ela zu entfremden. Sie sind ja nur kurz zusammen gewesen. Eine kleine Episode zwischen langen Zeiten des Menschseins.

Was will ich überhaupt, ruft sich Ascha zur Vernunft. Ihre Freundschaft ist ja auch nur durch Zufall entstanden. Und nun sieht sie Shi zu, wie er sanft zu ihrer so fremdartigen Freundin ist, und so gern hätte sie einen Dorn besessen, um Elas Gedanken zum Leuchten zu bringen.

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Dienstag, 17. juni 2008

Die TS arbeiten schnell. Die Symbole, die die Ko schließlich gebildert bekommen, bedeuten vor allem eines: Die Menschen machen sich Sorgen um ihre Kameraden, und zwar so viele, dass sie offensichtlich ihre eigene Sicherheit und die ihres Raumschiffs dabei vernachlässigt haben. Neue Menschen können vorerst keine mehr kommen, da ihr Raumschiff führerlos eine Parkbahn hält.

Scha bildert den anderen Ko: „Wir müssen die ersten beiden vorübergehend wecken. Wir sollten alles wissen, was in ihnen vorgeht.“

Mosch bringt einen Vorschlag vor, bei dem mehr als die Hälfte der versammelten Ko begeistert gelb leuchtet: „Wir kopieren den gesamten Daten- und Normeninhalt ihrer Gehirne in den Zentralspeicher. Dort kann alles analysiert werden. Am besten, es werden alle Verhaltensmuster ausgefiltert, die diese Menschen unfähig machen, wie anständige Ko zu handeln. Mit dem Ergebnis überschreiben wir den bisherigen Hirninhalt. Dann bleiben sie sie selbst und sind trotzdem nicht gefährlich.“

Zschamm schimpft: „Wozu die Mühe? Bald hat uns der Meteorit erreicht. Dann sind wir sowieso alle auf dem Weg ohne Wiederkehr.“

Die Sonne hat ihre Position zur Kori-ado-Ko nur wenig verändert, da hat Zschamm seine Äußerung bereut. In den Erinnerungen jenes Ischtwann findet sich eine Information, die fast alle Ko gelb leuchten läßt. Das Menschenraumschiff verfügt über geheime Energiereserven.

„Es ist egal“, bildert die Ratsvorsitzende Scha, „ob es uns noch retten kann. Wir müssen es versuchen. Wir schicken das Menschenschiff gegen den Meteoriten. Und wenn er dessen Flugbahn auch nur geringfügig verändert, erhöht das unsere Überlebenschancen gewaltig.“

„Ja!“ bildert Zschamm. „Vielleicht werden wir leben. Aber warum haben wir das Manöver nicht mit unseren eigenen Schiffen gemacht? Wäre das nicht einfacher gewesen, als unser ganzes Volk zu evakuieren?“

Scha wiegt ihren Oberkörper langsam hin und her. Sie zögert sichtlich. Schließlich werden die Sinnzeichen sichtbar: „Es ist gut, dass niemand von denen da draußen diese Frage gestellt hat. Nur wenige kennen die technologischen Hintergründe, und die werden sich hüten, dieses Geheimnis preiszugeben. Für uns ist das Ergebnis egal. Wir haben mit dem Leben abgeschlossen, als wir uns zum hier Bleiben entschieden haben. Sollte die Rakete der Menschen punktgenau arbeiten, dann wird sie den Meteoriten an einer günstigen Stelle treffen. Wir hatten gehofft, dass das Raumschiff, das wir extra dafür umgebaut hatten, das auch schaffen würde. Die Menschen haben es uns entführt. So werden wir nie erfahren, wie gut es ist. Vielleicht hatten wir sowieso keine Überlebenschance. Praktisch konnten wir es nie testen. Wir wissen nur, dass die Schiffe, mit denen jetzt unser Volk unterwegs ist, sehr ungenau sind. Sie hätten den Meteoriten wahrscheinlich verfehlt. Die Erde ist natürlich groß genug. Hoffentlich richten sie keine Verwüstungen bei den Menschen an. Unsere Vorfahren hätten sich eben mehr mit der Raumfahrt befassen sollen. Aber sich darüber aufzuregen lohnt nicht für uns. Vielleicht helfen die Menschen den Unseren, an einer günstigen Stelle zu landen.“

Zschamm leuchtet tief rot. „Aber was ist, wenn die geflüchteten Menschen nicht heil auf der Erde angekommen sind?“

Scha glänzt matt gelb. „Dann gibt es dort vielleicht gar keine Menschen mehr. Aber sei nicht ungerecht. Die meisten von denen, die los geflogen sind, meinten, dass wer sich bewegt, immer eine Chance hat. Er muss nur selbst daran glauben. Ich habe nicht an diese Chance geglaubt. Ich wollte mich nicht sinnlos quälen. Du doch auch nicht. Wir waren uns einig. Sollte uns das Raumschiff der Menschen retten, dann haben wir eben Glück. Also programmiert seinen Kurs.“

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Montag, 16. juni 2008

„Und jetzt?“

„Was fragst du, Boris? Wenn klopfen nicht hilft, schneiden wir uns unsere eigene Tür.“

Legt bitte eure Waffen weg.

„Was war denn das? Boris, ich glaube mir hat gerade jemand etwas zugeflüstert, ohne einen Ton gesagt zu haben.“

„Bei mir auch, Captain. Irgendwie mehr als merkwürdig. Bloß gut, dass wir die Strahler haben.“

„Sag mal, das war doch Englisch?“

Istvan und Boris sehen sich unsicher um. Nichts, absolut nichts deutet auf ein Wesen hin, dass sie beobachten würde. Plötzlich richtet Boris seinen Strahler auf das Tor. Er drückt krampfhaft den Auslöser. Die Waffe bereithaltend steht Istvan daneben. Die Wirkung des Strahlers auf das Tor sieht er nicht mehr. Sein Gehirn registriert für den Bruchteil einer Sekunde ein grünes Feuermeer. Dann ist alles schwarz.

 

Zschamm, ein auf Kori-ado-Ko verbliebener Ko

Zschamm ist blau vor Angst. Diese Menschen haben mit ihren ausgestreckten Fingern ganze Ko-Köpfe von ihren Körpern getrennt. Auf seinem TS sieht er, wie die beiden Fremden da draußen ihre Finger benutzen, um das Tor zu schmelzen. Sie kommen ihm vor wie Boten des sich nähernden Meteoriten. Fast starr vor Entsetzen berührt er die Fangarme der um ihn herum lagernden Ko. Alle Energie wird in Gedankenströmen gebündelt. Ja, es funktioniert! Die Angreifer sacken abgeschaltet zusammen.

Die Ko bringen die fremden Körper in den Gesundungskubbon. Als sie allerdings hilflos auf dem Behandlungskali liegen, hat Zschamm längst bereut, dass er zuvor dafür gestimmt hat, die Fremden endgültig zu neutralisieren, sollten sie Gewalt gegen die Ko-Kultur anwenden.

Auch die Haut der anderen im Kubbon flimmert unsicher. Schnell wechselnd mischen sich in das neutrale Grau Töne von Grün und Blau. Bei einigen ist sogar Gelb dabei, denn schließlich sei auch Ela ein Mensch gewesen. „Ich möchte etwas anderes vorschlagen: Wir belassen sie in ihrem Zustand, bis einer von uns sich auf die Reise ohne Wiederkehr begibt. Dann überschreiben wir ihren Monsterhirnspeicher mit dem inneren Wesen eines Ko …“

Weiter kommt er nicht. Alle Telesymboler blitzen plötzlich einheitlich in Alarmrot. Dann erscheinen die Bilder von vier Menschen, die sich mit ausgestreckten Fingern dem schon einmal angegriffenen Tor nähern.

„Was haben wir diesen Menschen nur getan, dass sie alle kommen, um uns in die Leere zu schicken?“

Scha-Scha Tsu, die neu gewählte Ratsvorsitzende schaukelt ihren orange leuchtenden Körper hin und her. „Ich mag einfach nicht glauben, dass das wirklich ihre Absicht ist. Wir sollten uns die Mühe machen und ihre aktuellen Gedanken aus den Gehirnen übersetzen, bevor die Fremden den Großen Schlaf beginnen.“

Die Menschen bewegen vor dem Tor lebhaft ihre Arme. Sie sehen sich gegenseitig an und es ist den Beobachtern an den Telesymboler rätselhaft, wie viele Informationen sie angeblich mit den geringfügigen Bewegungen ihrer Mundöffnungen austauschen. Dann finden sich die Ko zum Abschalten zusammen.

 

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Sonntag, 15. juni 2008

Ascha verlangt von dem Heiler eine Analyse, wo die Schrumpfungen besonders stark und wo sie eventuell gar nicht auftreten. Das Ergebnis ist schnell da. Kein einziger aus der Gruppe der Dornenecke zeigt irgendwelche Schrumpfungssymptome. Also geht Ascha mit funkelndem Rücken durch die immer schlaffer werdenden Ko. WENN EUCH EUER LEBEN LIEB IST, SEID LIEB ZU EUREN LIEBSTEN – UMSCHLINGT SIE, SO OFT ES GEHT. EURE DORNE SIND EURE RETTUNG.

Ascha, Ela und Shi drücken sich jetzt immer häufiger aneinander. Sie amüsieren sich über die verknäuelten Ko. Am liebsten aber waschen sie sich mit einem gelben großen Lappen gegenseitig die Bäuche. Ascha blitzt in allen Farben des Regenbogens, als ihr Ela erklärt, dass Shis Dorn sie an eine menschliche Zunge erinnere, nur dass die niemand wasche und sie keinen halben Meter aus dem Mund heraushängen könne. Natürlich muss Ela nach dieser Behauptung sofort ihre Zunge herausstrecken. Vorsichtig betastet sie Ascha, um dann zu Shi zu bildern Dein Dorn ist mir lieber. Eine Menschenzunge wird nicht so fest.

Immer öfter versucht Ascha, ihre Gedanken zu verbergen. Wenn sie zu schlafen versucht, sieht sie ein tödliches Gewirr hoffnungslos ineinander verschlungener Ko-Arme vor sich, und sie kämpft gegen das Gefühl an, dass ihr verschwommen aus Elas Gehirn entgegenkommt. Diese Menschen haben einen Sinn, den sie Geruch nennen. Er empfängt einen anderen Bereich von Signalen als die Ko. Ela leidet offenbar unbeschreiblich unter diesen Geruchssignalen. Aber die Freundin will es nicht eingestehen. Es scheint ein neuer Ekel zu sein. Als Ascha den Gedanken liest „Aber wir können ja doch nichts dagegen tun; Hauptsache, wir kommen lebendig an“, da weiß Ascha nicht, wie sie helfen könnte.

 

Istvan Szarmati

Der Rochen setzt sanft auf dem Boden auf. Trotzdem ist er nun von einer Staubwolke umgeben. Istvan überfliegt noch einmal die Analysedaten.

„Boris, das sieht ideal aus. Atemluft, so sauber, dass wir auf der Erde nur davon träumen können. Wenn das alles stimmt, brauchen wir keine Skaps.“ Dabei spielt er an seinem Raumanzug, als wolle er ihn wirklich ausziehen.

„Die behalten wir besser an. Sicher ist sicher, Chief.“

Die Umgebungsbilder deuten auf keinen Gegner in unmittelbarer Nähe hin. Die beiden Männer öffnen die Luke und bleiben einen Moment auf dem linken Flügel des Rochens sitzen. Hinter dessen Leitwerk erstreckt sich ein dichter Wald aus Farngewächsen. Gelandet sind sie in einer staubigen Steppenlandschaft, in der die Luft violett flimmert. Die Schnauze des Rochens deutet auf eine seltsame Siedlung. Dort sind die Analysedaten hergekommen.

„Zelte?“ Boris ahnt, dass die Bezeichnung nicht zutrifft. Aber was ist das dann? Die Scans zeigen an, dass sich die Lebenszeichen dort konzentrieren. Aber können sich Istvan und Boris auf deren Ergebnisse verlassen? Noch dazu, wo zwar intensive Hirnströme, aber keine Skelette angezeigt werden? Die beiden Männer verständigen sich mit Blicken. Sie entsichern ihre Strahler und regeln sie auf höchste Streubreite, während sie sich einem der Zugänge der Siedlung nähern. Lebewesen sind keine zu sehen. Istvan und Boris stehen vor einem Tor ohne erkennbaren Öffnungsmechanismus.

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