Zukunft denken

Sonntag, 8. november 2009 7 08 /11 /2009 10:18

Gestern war sie wieder da, die Frage: "Und du könntest dir wirklich vorstellen, im Kommunismus zu leben?"
Es fiel mir leicht, ja zu sagen, weniger leicht, in knappen Worten zu beantworten warum. Vielleicht geht das auch gar nicht. Vielleicht würde die einfachste Antwort zu sehr verwirren. Aber sie wäre ehrlich: "Weil ich mich als Künstler fühle."
Ich spreche all jenen die Eigenschaft ab, Künstler zu sein, die NUR deshalb ihre Kunst betreiben, um ihren Kontostand in der Kommastelle zu verändern. Diese Summe ist im Höchstfall Beleg für die Anerkennung in der Gesellschaft. Kann man es einem Trivialschriftsteller verdenken, wenn er sagen kann "...aber ich werde gelesen"?
Das Problem sehe ich heute eher in der ausufernden Zahl von Tätigkeiten, die man sich schwer als "Kunst" vorstellen kann. Es gibt zwar Zahlen liebende Buchhalter, aber dass so etwas einmal die "Arbeitswelt" bestimmen könnte, dürfte kaum jemand glauben. Da ist die Marxsche Überlegung doch glaubhafter, dass solche Tätigkeiten schrittweise durch Technik gelöst werden werden.
Die zweite Seite des "Künstlerproblems" liegt in einem auch durch Karl Marx selbst verbreiteten Unterschätzung des "Dienstleistungssektors". Gerade dadurch, dass die meisten Vorgänge unmittelbarer materieller Produktion zum Zeitpunkt des sich durchsetzenden Kommunismus durch Maschinen / Roboter / bedingt künstliche Intelligenz ersetzt sein werden, rückt wieder die unmittelbare "Arbeit" mit den Mitmenschen in den Vordergrund. Man wird sich auf die Pflege (im weitesten Sinn) seiner Mitmenschen konzentrieren und auf Wege, die unmittelbare Pflegebedürftigkeit zu bekämpfen. Beides findet heute wenig "Wert"schätzung.
Gerade Pfegetätigkeiten enthalten aber das größte "Umschlagspotential": Wie befriedigend kann das Kümmern um einen anderen Menschen sein - und wie unbefriedigend, wenn man unter Druck steht!
Gerade Pflegetätigkeiten zeigen noch ein anderes positives Kommunismusproblem: Sie sind nicht "Jedermanns" Sache. Diese künftige Gesellschaftsordnung funktioniert abe gerade deshalb, weil NICHTS Jedermanns Sache ist, aber es IMMER etwas gibt, das Sache jedes einzelnen Individuums ist. Kommunismus setzt sich durch, weil die Gesellschaft als Ganzes jedem Einzelnen die Zeit geben kann, genau diese "Sache" zu finden - weil die Gesellschaft die Zeit hat und weil es u.a. technische Hilfsmittel gibt, eine solche Suche umfassend zu organisieren ... wie eine allumfassende "Mitfahrzentrale"...

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Dienstag, 14. juli 2009 2 14 /07 /2009 11:17

zum Zwecke gemeinsamer Planung und Projektierung unserer ökosozialistischen Konferenz trafen sich am Samstag, 11.Juli 2009 zwölf Genossinnen und Genossen (davon zwei Gäste) , die aus Arbeitsbereichen linker Zeitungsredaktionen, Institutionen und ökosozialistisch agierenden Organisationen, Initiativen und Handlungsfeldern stammen.

 

Mit der Einladung zu diesem Termin wurde eine Vorlage (Autoren/UnterstützerInnen, vgl. Text „Zum Geleit“ in der Anlage) in Umlauf gebracht, durch ein Redaktionsteam überarbeitet und geschlossen abgestimmt. Das Geleitwort zur offiziellen Einladung bezieht sich  positiv auf die Ökosozialistische Erklärung von Belém und bringt die antikapitalistische Stoßrichtung der Konferenz zum Ausdruck.  Linke Zeitungsredaktionen sind herzlich eingeladen unsere Konferenz zu unterstützen und dies durch Mitzeichnung des Geleittextes anzuzeigen.

 

Der Ablaufplan und der Termin der ‚Ökosozialistischen Konferenz Kassel’ wurde festgelegt.

Sie wird am Wochenende  vom 13. März – 14. März 2010  in 4 Blöcken unterteilt stattfinden:

 

  1. Ökosozialistische Bestandsaufnahme
  2. Ökosozialistische Perspektiven
  3. Ökosozialistische Bewegung
  4. Ökosozialistische Abschlusserklärung

 

  • Träger der Konferenz sind die Bildungsgemeinschaft SALZ e.V. und Kooperationspartner (Stiftung/en), die ab sofort angefragt werden.
  • Mitveranstalter und Unterstützer werden Redaktionen linker Zeitungen und Zeitschriften sein (Bestätigungen liegen zum Teil bereits vor oder befinden sich im Arbeitsgang).

 

Geeignete Räumlichkeiten werden von Kasseler SALZ-Mitgliedern besorgt.
Der Teilnahmebeitrag wird 25 Euro, der ermäßigte Beitrag (gegen Vorlage
entsprechender Bescheinigungen) 5 Euro betragen.
 
Vorträge und Diskussion werden im Plenum stattfinden; Arbeitsgruppen sind nicht vorgesehen.
Neben dem "ins Auge" gefaßten Konferenzraum wird Platz für Büchertische sein.
 
Zur Nachbereitung soll durch Zusammenarbeit der beteiligten Redaktionen
ein Konferenzreader erstellt werden.
 

Zum Geleit

Wenn das Wort Globalisierung überhaupt eine Bedeutung gewinnen kann,

dann die der heute erreichten Globalität kapitalistischer Destruktivität.Karl-Hermann Tjaden

 Auch die herrschende Politik macht den Wandel des Klimas zum Thema. Sie bestreitet jedoch den Zusammenhang zwischen kapitalistischer Produktions- und Lebensweise und den uns alle bedrohenden ökologischen Katastrophen. Während aber die Regierungs­konferenzen tagen, macht die NATO schon Nägel mit Köpfen: die zu erwartenden Flüchtlingsströme aus neuen Dürrezonen oder Überschwemmungsgebieten werden als Gefahr für die Stabilität Europas betrachtet und sollen gegebenenfalls auch militärisch zurückgewiesen werden. Wie in einem Brennglas verdichten sich im Bereich der Ökologie die gesellschaftlichen Widersprüche auf internationaler Ebene: die Interessen der herrschenden Klasse widersprechen den Gattungsinteressen. Die unmittelbar ökologischen Folgen des Klimawandels erzeugen somit auch massive globale politisch-gesellschaftliche Folgen, denen man auch nur auf globaler Ebene begegnen kann. Es handelt sich um eine

   

Herausforderung für einen neuen Internationalismus

Das Ziel unserer Veranstaltung soll es sein, in der Kooperation von verschiedenen linken, anti-kapitalistischen, sozialistischen, kommunistischen Strömungen, Bewegungen und Parteien konkrete Forderungen und Strategien zu entwickeln, um international gegen die fortgesetzte Zerstörung unserer Lebensgrundlagen und die kapitalistische Aufrüstung, die mit Sozialabbau und Überwachungsstaat einhergeht, vorzugehen. Wir wollen gemeinsam nach Ansatzpunkten für eine internationale demokratische Zusammenarbeit suchen, wie sie etwa in der Ökosozialistischen Erklärung von Belém vorausgesetzt wird. Der technische Machbarkeitswahn der bürgerlichen Ideologen verkennt, dass es um gesellschaftliche Verhältnisse geht, die es zu ändern gilt. Es ist erforderlich, ein weltweites Forderungsprogramm aus den sozialen und ökologischen Bewegungen, aus den Gewerkschaften und antikapitalistischen Organisationen zu entwickeln.

Die soziale Dimension der ökologischen Krise

erfordert eine internationale Solidarität von unten, um die kapitalistische Globalisierung von oben zurückzudrängen. Diese Solidarität muss auf ein neues Verhältnis von Ökonomie und Ökologie gerichtet sein, das allein mit dem Ende der verantwortungslosen, auf blinder Profitlogik beruhenden kapitalistischen Herrschaft über die Natur und die Menschen erreicht werden kann. Dazu gehört ein neues Verständnis von Arbeit und Produktivität, welches das Verhältnis von Arbeiten und Leben und die Wirkungen von Erwerbsarbeit auf Gesundheit und Wohlbefinden der Menschen berücksichtigt. Vielleicht übersteht der Kapitalismus die nächste ökologische Krise spricht dafür, dass der Kapitalismus auch eine schwere ökologische Krise übersteht der Kapitalismus die nächste ökologische Krise – was aber kann die Linke hier und heute tun, um nicht die absehbare Katastrophe, sondern ein menschenwürdiges Leben im Einklang mit der Natur anzusteuern? Wie lässt sich die Herausforderung für einen neuen Internationalismus praktisch-politisch aufgreifen und umsetzen?
 
Um von vornherein den Eindruck eines Organisationen-Bündnisses zu vermeiden, betonen wir hiermit, dass es uns um ein konstruktives Zusammenwirken von Menschen aus unterschiedlichen Richtungen der antikapitalistischen Linken geht.

Dr. Klaus Engert (Redaktion Avanti), Sebastian Gerhard (SALZ e.V. – Vorstandsmitglied, Redaktion Lunapark 21), Martin Gertenbach (SALZ e.V. – Landesbildungsbeauftragter Süd, SALZ BK Ökosozialismus), Thomas Goes (SALZ e.V. – Bildungskreis Ökosozialismus, Sozialwissenschaftler), Dr. Manuel Kellner (SALZ e.V. – Vorstandsmitglied, Politologe), Dr. Bruno Kern (Initiative Ökosozialismus), Angela Klein (SALZ e.V. – Vorsitzende, Redaktion SoZ – Sozialistische Zeitung), Prof. Dr. Ekkehard Lieberam (SALZ e.V., Wissenschaftliches Beiratsmitglied, Redaktion Marxistisches Forum Sachsen), Wolfgang Meyer (SALZ e.V. – Bildungskreis Bremen, SALZ BK Ökosozialismus), Dr. Ingo Nentwig (SALZ e.V., Wissenschaftliches Beiratsmitglied, Sinologe), Hans Gerd Öfinger (freier Journalist) , Dr. Michael Rieger (SALZ e.V. – Literaturwissenschaftler, SALZ Bildungskreis Ökosozialismus), Peter Schüren (SALZ e.V. – Geschäftsführer, SALZ Bildungskreis Ökosozialismus, Soziologe) , Sascha Stanicic SALZ e.V. – Mitglied, Redaktion www.sozialismus.info ) , Dr. Robert Steigerwald (SALZ e.V., Wissenschaftliches Beiratsmitglied, Redaktion Marxistische Blätter)
 

Ökosozialistische Konferenz Kassel

Ablaufplan

Samstag, 13.03.2010

 

Beginn 10:00  Uhr: Begrüßung der TagungsteilnehmerInnen / Organisatorisches

- Zur Konferenzeröffnung: Grußwort von Karl Hermann Tjaden, Dr., Prof. em. für Politische Ökonomie und Wirtschaftssoziologie an der Universität Kassel
 
Block 1

Bestandsaufnahme

Moderation: Dr. Ingo Nentwig, Wissenschaftliches Beiratsmitglied SALZ e.V. /  Martin Gertenbach, SALZ Bildungskreis Ökosozialismus .
 

1.1.

10:20 - 10:50 Uhr: Die internationale Situation aus ökologischer Perspektive                              

- Referent: Dr. Bruno Kern, Daer: 30 Minuten

1.2.

10:50 - 11:20 Uhr: Die Umwelt- und Klimakrise als Teil der Weltwirtschaftskrise                 - Referent: Dr. Winfried Wolf, Wiss. Beirat von attac + SALZ, Dauer 30 Minuten

11:30 - 11:45 Kleine Pause, Dauer: 15 Minuten

11:45 - 13:00 Uhr: Diskussion 

- Dauer: 75 Minuten                                                                                                           

1.4.

13:00 - 13:30 Uhr: Referenten – Schlusswort (max. 30  Minuten)

13:30 - 15:00 Uhr:  Mittagspause, Dauer: 1 ½ Stunden

 

Block 2

Perspektiven

Moderation: Angela Klein (Redaktion SoZ) / Dr. Jürgen Klippert

 

2.1.

15:00 - 15:20 Uhr: Internationale Dimension und ökologische Perspektive aus der Sicht Chinas

- ReferentIn: Dr. Eva Sternfeld, Dauer: 20 Minuten

2.2.

15:20 - 15:40 Uhr: Gibt es eine ökologische Planwirtschaft

- Referent: Dr. Klaus Engert, Dauer: 20 Minuten

2.3.

15:40 - 16:00 Uhr: Ökologie und Neuordnung der Produktionsweise

Referent: Prof. h.c. Dr. phil. Frieder Otto Wolf (Zusage, auch verwandtes Thema), Dauer: 20 Minuten

16:00 - 16:15 Uhr: Kleine Pause, Dauer: 15 Minuten
 

2.4.

16:15 - 17:30 Uhr: Diskussion

Dauer: 75 Minuten
 
2.5.
 
17:30 - 18:00 Uhr: ReferentInnen – Schlusswort (je 7  Minuten),
Dauer max. 30 Minuten
 
18:00 - 18:05: kurze Pause (Präsidiumsumbesetzung durch die SprecherInnen der Grußworte)
 
Organisatorische Ansagen sowie
 
Grußworte und ergänzende Kurzbeiträge (angemeldet)
 
G.1.
 
18:05 - 18:15 Uhr: Das Projekt „Computer nach Kuba!“ – solidarisch, nachhaltig und effektiv?
Grußwort/Beitrag: Dr. Volkmar Vogel, Redaktion „Mitteilungen der Kommunistischen Plattform der Partei DIE LINKE“
18:15 - 18:25 Uhr: Fragen und Antworten
 
Schluss des ersten Konferenztages max. 18:40 Uhr
 
Wir weisen darauf hin, das im direkten Anschluss die Jahreshauptversammlung 2010 der Bildungsgemeinschaft Soziales, Arbeit, Leben & Zukunft (SALZ) e.V., Teil 1 stattfindet.
 

Samstag, 14.03.2010 19:00 – 21:00 Uhr

 

Ort wird rechtzeitig bekannt gegeben.   Ergebnisorientiertes „plaudern“ in gemütlicher Runde über / mit:

- Vorstellung unserer KooperationspartnerInnen

- SALZ Bildungskreis Ökosozialismus – Perspektiven & Ziele

- Möglichkeiten politischer ArbeiterInnenbildung

- Rückblick SALZ Sommerwoche 2009 & Ausblick SALZ Sommerwoche 2010

- Politische Bildung, Zahlen, Daten, Fakten zum abgelaufenen Geschäftsjahr

- Ergebniszusammenfassung: Perspektiven & Ziele von SALZ

21:00 Uhr Linke Kneipe: Ort wird noch bekanntgegeben

 

Ablaufplan

Ökosozialistische Konferenz, Sonntag 14.03.2010

 

Block 3

Bewegung

Moderation:  Dr. Michael Rieger (Literaturwissenschaftler)   / Heiner Möllers (BI „Kein Atommüll in Ahaus“ e.V.)

 3.1.

10:10 - 10:30 Uhr: Kampf der Fischer gegen die Verseuchung der Bucht von Sepetiba in Rio de Janeiro durch ein Stahlwerk von Thyssen-Krupp

- ReferentIn: Vertreter der lokalen Bürger-Initiative, Dauer 20 Minuten

3.2.

10:30 - 10:45 Uhr: Jahrzehntelange Erfahrungen aus dem Wendland: Kampf gegen
Castortransporte

- ReferentIn: N.N., Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg e.V.(angefragt). Dauer 15 Minuten

3.3.

10:45 - 11:05 Uhr: Widerstand gegen neue Kohlekraftwerke

- ReferentIn: Dauer 15 Minuten

3.4.

11:05 - 11:20 Uhr: Verteidigung und Ausbau des Schienenverkehrs als Rückgrat für eines ökologischen und sozialen Verkehrssystems der Zukunft

- ReferentIn: Hans Gerd Öfinger (Zusage), Dauer 15 Minuten

11:20 - 11:35 Uhr: Kleine Pause, Dauer 15 Minuten  

 

 3.5.

11:35 - 12:50 Uhr: Diskussion, Dauer: 75 Minuten

3.6.

12:50 - 13:20 Uhr: ReferentInnen – Schlusswort (je 7 Minuten), Dauer max. 30 Minuten

 

13:20 - 14:00 Uhr: Mittagspause, Dauer 40 Minuten

 

Block 4  14:30 - 14:40 Uhr:

Klima - Ökosozialistische Erklärung - Arbeit

Moderation:  Frauke Banse (Uni Kassel)   /  Thomas Goes (Sozialwissenschaftler)

Abschlusserklärung der

Redaktionsgruppe ‚Ökosozialistische Konferenz’

14:00 - 14:30 Uhr: Erläuterungen (je 10 Minuten)

4.1.

Klimapolitische Schlussfolgerungen                 

- ReferentIn: N.N.

4.2.

Die ökosozialistische Erklärung von Belém

-  ReferentIn: Koautor ökosozialistische Erklärung von Belém

- alternativ, Referent:  Dr. Manuel Kellner (Redaktionsgruppe)

 

4.3.

Arbeitsqualität und neuer Arbeitsbegriff

- Referent: Dr. Jürgen Klippert 

 

 

 

4.4.

14:40 - 15:40 Uhr: Diskussion, Dauer: 60 Minuten

 

4.5.

15:40 - 16:00 Uhr: Zusammenfassung, verlesen und  Verabschiedung der Abschlusserklärung

Moderation: Dr. Michael Rieger (Literaturwissenschaftler)

- Schlusswort: Peter Schüren (Soziologe – SALZ Bildungskreis Ökosozialismus)

 

16:00 - 16:10 Uhr: Kleine Pause, Dauer 10 Minuten

 

Wir weisen darauf hin, das im direkten Anschluss die Jahreshauptversammlung 2010 der Bildungsgemeinschaft Soziales, Arbeit, Leben & Zukunft (SALZ) e.V. stattfindet.

 

16:10 - 18:10 Uhr: Jahreshauptversammlung der Bildungsgemeinschaft SALZ e.V., Teil II.

1.

Begrüßung & Formalia

- Eröffnung

2.

Ergebnisse und ableitbare Ziele aus der  Diskussion des Vortags  (Teil 1 der SALZ JHV) sowie der Konferenz

- Kurzbericht !

3.

Inhaltliche & finanzielle Abrechnung des alten Geschäftsjahre

- Fortsetzung, vgl. Teil 1  (Vortag)

3.1. 

Bericht der Kassenprüfung

- Ausführung: Peter Sacher / Dauer, 15 Minuten

 

3.2.

- Entlastung                    

4.

Beschlussfassung:  Schwerpunkte für die zukünftige politische Bildungsarbeit von SALZ e.V.,

SALZ Sommerwoche, Konferenz – Thema & Termine

- Fortsetzung, vgl. Teil 1  (Vortag)

- Moderation: N.N.,

Tagungsende: 18:10 Uhr: Falls erforderlich, Fortsetzungstermin 

 

Mit solidarischen & freundlichen Grüßen    

Michael Rieger / Peter Schüren

Kleine Pause, Dauer 10 Minuten   

1.3.

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Donnerstag, 18. juni 2009 4 18 /06 /2009 12:59
Eines ist schon einmal beeindruckend: Die umgehenden Teilnehmerzahlen zeigen die hohe Zustimmung der "Betroffenen". Nun ist unwahrscheinlich, dass durch einen Schulstreik unmittelbare / direkte Erfolge möglich sind. Schließlich gibt es einen grundsätzlichen Unterschied zum Bestreiken eine produzierenden Unternehmens. Gelinkt es den Streikenden dort, die Produktion zum Erliegen zu bringen, so entsteht dem Bestreikten ein unmittelbarer Schaden. Hält die Streikfront an, so ist ein Abwägen der Folgen für ihn sinnvoll: Unmittelbarer Schaden gegen Schaden aus dem Erfolg der Streikenden.
Ein unmittelbarer Schaden entstände niemandem (bedingt außer den Streikenden selbst) auch bei halbjährlicher Schließung aller Schulen.
Die Bedeutung der Schulstreikerei liegt in Anderem:
1. Ganz individuell ist das Streiken selbst ein Lernprozess. Das betrifft das Formulieren und Verstehen der anzustrebenden Ziele, das betrifft die Formen des Streiks, die Kreativität seiner Ausdrucksweisen, die Formen der gegenseitigen Kommunikation. Und natürlich der Organisation. In einer Woche Schustreik lernen die Beteiligten, aber natürlich vor allem alle Macher mehr fürs Leben ("soziale Kompetenz") als sonst in einem ganzen Semester (oder halben Schuljahr und manchmal nie.
2. Alle, die sich aktiv an solchen Streikaktionen beteiligen, sind also dadurch in ihrer Persönlichkeit gereift. Das kann man ihnen nicht wegnehmen. Sie sind fähiger, in größeren, meinetwegen gesellschaftlichen Dimensionen zu denken und Handeln. Sie erfahren die Kraft von ... soziologisch sagte man wohl Team-Effekten, ich würde sagen "gelebter Solidarität". Das kann zwar nicht verhindern, dass auch Schüler mitlaufen, die einfach zu faul zum Lernen sind - aber die sind es ja auch, wenn nicht gestreikt wird.
3. Die da streiken erahnen, dass sie Weichen ihnen bevorstehender 50 Arbeitsjahre stellen. Niemand vermag zu verhindern, dass sich Kreativitäten später in aktive Anpassung, in Joschka-Fischer-Tum, mutieren lassen. Aber die Frage des Erkennens steht vor diesen Jugendlichen: Zu welchen Wurzeln lassen sich die Details, gegen die sie solidarisch aufbegehren, zurückverfolgen. Die Wurzeln derer, die die Forderungen der Jugendlichen als "zum Teil gestrig" diffamieren, sind klar: das Denken eines restlos rücksichtslosen Rein-Kapitalismus, der "Humankapital" als fressende Biocompiuter entwickelt sehen will. Letztlich erfolgreich kann die Bewegung aber nur sein, wenn wenigstens große Teile in ihr sich einer solidarischen Gesellschafts-"Ordnung" geistig zu nähern vermag.  Das sollten pluralistische Bilder einer Zukunft sein, die aber das in sich aufzunehmen vermögen, was Frühere einmal "Sozialismus" bzw. "Kommunismus" genannt haben.
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Dienstag, 2. juni 2009 2 02 /06 /2009 06:42
  ein Wahlspot jetzt wählen...

Nicht nur, aber stark duch diese Faktoren befördert, rutschte ein marode gewordenes System gesellschaftlichen Fortschritts in die vielleicht größte Katastrophe der Menschheits-Geschichte – die Selbstaufgabe der wirtschaftlichen und organisierten politischen Grundlagen für den Aufbau eines wirklichen Sozialismus.

Damit es klar bleibt: Der „Realsozialismus“ des 20. Jahrhunderts war kein Sozialismus. Aber er war die organisierte Potenz, einen aufzubauen. Wie immer mit dem Volksvermögen gewirtschaftet wurde... Dort wo es schon „vergesellschaftet“ ist, braucht man es nicht mehr zu tun und muss sich keine Gedanken mehr um das Wie zu machen.

Der „Realsozialismus“ musste untergehen. Das war richtig und gut. Katastrophal aber war, dass er zugunsten eines sich neu entfaltenden Radikalkapitalismus untergegengen ist... und wann. Vielleicht waren es nur drei, fünf, auf jeden Fall wenige Jahre, da waren die Produktivkräfte an sich auf einer höheren Stufe in der Weltentwicklung. Die Computer- und Informationstechnik erreichte in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts nämlich ein Niveau, von dem an erstmals in der Weltgeschichte echte Planwirtschaften möglich geworden sind. Rein unter dem Gesichtspunkt der technischen Machbarkeit haben wir endlich die Möglichkeit als Menschen, komplexe dynamische Gesamtprozesse auch dynamisch zu gestalten, also vernünftig zu planen und das System modellierend sinnvoll anzupassen.

Dem stand bisher ein technischer Zustand gegenüber, der das Wort „Planwirtschaft“ zu Recht zu einem Schimpfwort machte. In seiner damaligen primitiven Machbarkeit mutierten Planungssysteme zu Kommandowirtschaften, noch dazu starren. Wir müssen noch näher auf die Vorzüge einer tatsächlichen Planwirtschaft eingehen. Die Katastrophe ist nur, dass bevor die ersten Planungssysteme praktiziert werden konnten ihre Grundlagen in den Produktionsverhältnissen zerstör wurden. Denn natürlich kann man nur planen, worüber man uneingeschränkt verfügen kann – und uneingeschränkt verfügen kann man nur, was einem auch selbst gehört.

Wie groß der Schaden für die Weltwirtschaft ist, können wir leider kaum ermessen. Wir können nur sagen, dass die Wirkungen, die menschliches Handeln auslöst, heute so weltumspannend komplex ist, dass eine vernünftige Steuerung notwendig wäre. Und ausgerechnet, als sie technisch möglich geworden ist, verschwinden die, die sie durchführen können.

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Montag, 1. juni 2009 1 01 /06 /2009 14:04
 

Die dritte Katastrophe kam in der Maske eines Scheinerfolgs daher: Die größte Siegesgewissheit einer unbedingten historischen Sieghaftigkeit des fortschrittlichen Systems suggerierte der Zusammenbruch des Kolonialsystems.

Beschäftigen wir uns einmal weniger mit den euphorischen ideologischen Wirkungen des Prozesses: Der Fortschritt schien unaufhaltsam direkt in den Sozialismus/Kommunismus zu führen. Wer konnte daran noch zweifeln? Welche Begeisterung löste es aus, dass sich sogar einige Länder fanden, deren neue nationale Führung von Sozialismus redete (Äthiopien, Namibia, die Staaten Indochinas und andere). So richtig ernst meinen konnte das aber fast nur Kuba (und damals auch Vietnam). Hier lief ein offener Krieg in unterschiedlicher Intensität. Aber selbst Kuba war eigentlich ökonomisch ein Problem: Bei all diesen Ländern handelte es sich um wirtschaftlich sehr oder extrem rückständige Staaten. Ihre positive Integration in ein sozialistisches Staatensystem war deshalb ausgeschlossen. Ihr Interesse bestand fast ausschließlich in der Gewinnung von wirtschaftlichen Hilfeleistungen. Dafür waren die nationalen Führungen auch bereit von einem Gesellschaftsziel zu schwadronieren, das anzustreben marxistisch für sie noch nicht möglich war. Drastischer: Es handelte sich sogar überwiegend um Staaten (grins: ich wiederhole Äthiopien, greife aber schon auf Afghanistan vor), die dem kapitalistischen Profitinteresse nicht nützlich erschienen.

Ergebnis: In die Entwicklung dieser Staaten wurde durch das eigentlich schwache Realsozialismuslager im Namen der Weltsolidarität „hineingebuttert“, ohne dafür eine Gegenleistung zu bekommen. Im Sinne der Weltgeschichte wurde hier auf einen Prozess vorgegriffen, der zum Wesen des sich entwickelnden Weltsozialismus gehört (darüber muss ich mich noch auslassen), der aber unter den Bedingungen der ökonomischen Abwehrschlacht gegenüber einem noch überlegenen imperialistischen System eine zusätzliche Schwächung bedeutete. Letztlich richtete der Versuch, ein fortschrittliches System in Afghanistan an Leben zu erhalten AUCH politisch-ideologische Schäden an. Zuerst aber gilt: Es gibt 3 Prozesse wirtschaftlicher Überlegenheit des Kapitalismus, bei denen die „moralische“ Überlegenheit des Sozialismus zu dessen Krebsgeschwür in der Systemauseinandersetzung wird:

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Sonntag, 31. mai 2009 7 31 /05 /2009 06:19
 

Es folgte mit dem Faschismus die zweite große Katastrophe des 20. Jahrhunderts.

Ich meine dabei nicht (allein) den „2. Weltkrieg“. Für den war das Feld durch das Ende des ersten Weltkrieges bereits bestellt. Vergessen wir nicht, dass Kriege zum Wesen aller „antargonistischen Klassengesellschaften“gehören, also aller Gesellschaften, in denen sich unversöhnliche Klassen gegenüber stehen, und das Neue nur in seinen globalen Dimensionen liegt. Ich meine Aufstieg und relativen Fall des Faschismus.

Lenin fiel 1916 einem tragischen Irrtum zum Opfer: Er erwartete im Angesicht der bereits erreichten grauenhaften Ausmaße an menschlichem Leid, die der Krieg über alle beteiligten Völker gebracht hatte, dass die Menschen endlich massenhaft sich Zusammenhänge erahnend vom Opportunismus abwenden würden und damit für das Lager der Fortschrittskräfte zu retten seien. Dieser Prozess dauerte jedoch deutlich länger als erwartet. In Italien früher, in Deutschland eigentlich erst richtig mit dem Zörgiebel-Mai, wo ein Sozialdemokrat auf friedliche Demonstranten hatte schießen lassen, also mitten in einer wirtschaftlichen Totalkrise. Aber europaweit reiften nun neue revolutionäre Situationen heran – und das ohne Wahrscheinlichkeit, dass die entlarvten Arbeiterverräter sie würden unschädlich machen können. Da das damals relativ autarke Sowjetrussland von der Systemkrise des Kapitalismus nicht nur verschont geblieben war, im Gegenteil sein Wachstum dynamisch fortsetzte, wurde es als Alternative schnell (wieder) attraktiv. In dieser Situation wurde eine andere Systemerhaltungsstrategie notwendig – eben der Faschismus, der sich auch (damals unverbrauchter) sozialistischer Symbolik bediente. Diese Strategie setzte auf körperliche Vernichtung der Systemkonkurrenz.

Auch dies wäre historisch noch zu verschmerzen gewesen. Dauerhafter zerstörerisch wirkte sich aber die Struktur der Antihitlerkoalition aus:

Auf der einen Seite das unbeschreiblich verwüstete Sowjetrussland. Alles das, was an Ansätzen geschaffen worden war trotz Stalins Terror und Übereifer, war, wenn es nicht zerstört war, einer totalen Kriegswirtschaft unterworfen worden.

Auf der anderen Seite im wesentlichen die wirtschaftlich dynamischste, potenteste Weltmacht des Kapitals und ein riesiges Kolonialreich, die eines gemeinsam hatten: Die wirtschaftlichen Schäden des Krieges hielten sich in Grenzen, während relativ (wegen der Zerstörungen auf der anderen Seite) der Anteil an Reichtum an Güter sich vervielfältigt hatte. Es ist müßig, darüber zu sinnieren, wie die Weltgeschichte weitergegangen wäre, wenn die Sowjetarmee die Befreiung West- und Südeuropas hätte übernehmen können – und damit die dortigen Entwicklungspotentiale. Sicher ist, dass mit Ausnahme des im Wesentlichen entkommunistizierten Deutsch-Landes sich die sowjetischen Befreier auf die Partnerschaft einer gleich gesinnten Arbeiterschaft hätten stützen können. Fakt ist zum Beispiel, dass die kapitalistischen Besatzungsmächte eine ihnen gefährliche Eigendynamik in Hessen einfach verboten, in Griechenland die kommunistischen Kräfte militärisch niederwarfen und insgesamt ihr wirtschaftliches Gesamtpotential nutzen konnten zur inneren und äußeren Korrumpierung des Hauptteils aller Werktätigen ganz West- und Südeuropas. Während sich das Kapital Kohle und Stahl des Ruhrgebiets erhielt, „gewann“ der Sowjetkrieg die Walachei(en) dazu. Von dem so hergestellten Ungleichgewicht konnten sich die den sozialistischen Weg anstrebenden Länder nie lösen – auch wenn sie als tief voll Luft gepumpte Maikäfer diesen Eindruck zu erwecken versuchten. (Aber ein die medizinisch-chemischen Erfolge eines Forschungs- und Bildungssystems in Form von maskulinisierten Sportlerinnen konnte natürlich nicht die breite wirtschaftliche Leistungskraft der kapitalistischen Kernländer ausgleichen.)

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Samstag, 30. mai 2009 6 30 /05 /2009 07:09
 

Ich erlaube mir einen Sprung: Ich behaupte, das 20. Jahrhundert war das Jahrhundert der größten Katastrophen, die die Menschheit ereilen konnten – und die Frage ist, ob dielängerfristigen Konsequenzen dieser Katastrophen noch korrigiert werden können, bevor die Existenz der Menschheit als Ganzes endet.

Inzwischen gibt es in der Linken Waldpfeifer, die im Untergang des „Realsozialismus“ eine Chance sehen. So wie es damals gelaufen ist, konnte es nicht weiter gehen. Da stimme ich zu. Aus der Niederlage historisch zu lernen bringt uns weiter. Da könnte ich auch noch zustimmen. Aber um welchen Preis!!!


Welche Katastrophen meine ich?


Die erste habe ich schon auf diesem Blog thematisiert: Der erste Weltkrieg als solcher war für die Menschheit schon schlimm genug. Dass es aber allein der in jeder Hinsicht zurückgebliebenen russischen Kleinwelt gelang, den Schritt zu notwendigen neuen Produktionsverhältnissen zu gehen, hatte an Grauen für die Menschheitsgeschichte bis dahin nichts seinesgleichen. Namentlich „den Deutschen“, genauer: den deutschen Sozialdemokraten, ist anzulasten, dass der in dieser historischen Lücke (wenigstens europaweit) mögliche Durchbruch des Sozialismus ausblieb. Bei aller Würdigung der Leistungen Sowjetrusslands... was da ins Leben geholt wurde, war eine Fehlgeburt. Oder besser: Von Anfang an ein Aids krankes Kind. Es war nie so lebensstark und konnte nie so lebensstark sein, um für sich allein eine „entwickelte sozialistische Gesellschaft“ zu werden. Sowohl die lange antidemokratische Tradition des Landes als auch sein permanenter Überlebenskampf – egal, ob unmittelbar in Interventions- und Bürgerkriegen oder alltäglich ökonomisch – zwangen ihn zur Vernachlässigung all dessen, was eigentlich Sozialismus hätte sein müssen. Im Gegenteil: In eben diesem Überlebenskampf entfalteten sich „Stalinismus“ als personenfixierte Zwangsherrschaft und die Vergeudung von begrenztem geistigen und materiellen Minderpotential für Superrüstung und Umweltzerstörung. Dass dabei beachtliche Potentiale aktiviert werden konnten, sah man an den durchaus vorhandenen Erfolgen. Aber unter Vernachlässigung allen organisierten Selbstbetrugs müssen wir sehen, dass das wirtschaftliche Kreativpotential auf der Strecke blieb und das Kapital die Dominanz in der Welt nie verlor – und damit die kapitalistischen Lebensmaßstäbe.

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Freitag, 29. mai 2009 5 29 /05 /2009 07:23
 

Ich hoffe, eingangs genügend „verwirrende“ Beispiel eingebracht zu haben, dass jeder, der noch immer mitliest bereit ist, auf Abwegen zu denken.

Stellen wir uns vor, wir sind in einem Raum, aus dem wir wieder heraus wollen. Welche Fragen stellen wir uns?

Variante 1: Wie sind wir herein gekommen? Da das möglich war, müssen wir eigentlich an derselben Stelle wieder herauskommen.

Variante 2: Wir wissen, dass wir durch ein kleines Loch hineingekommen sind und inzwischen fetter geworden sind. Dann wissen wir auch, dass wir durch dasselbe Loch nicht mehr wieder entwischen werden, es sei denn, wir specken ab. Also wie können wir abspecken?

Variante 3: Wenn wir wissen, wie wir herein kamen, wissen wir auch etwas über die Besonderheiten des „Loches“ durch das wir müssen. Das kann ja zum Beispiel eine Tür mit Klinke gewesen sein. Also suchen wir den Raum nach Klinken ab. Oder ein „Chip“. Woher bekommen wir einen? Oder ein Fenster? Brauchen wir einen Gegenstand, um die Scheibe einzuschlagen oder geht es mit dem Ellenbogen oder brauchen wir einen bestimmten Mechanismus? Es ist dunkel um uns herum? Weil es draußen dunkel ist oder weil es kein Fenster gibt?

Viele Fragen. Alle hängen mit der Frage zusammen, wieso sind wir drin.

Verallgemeinert: Unter welchen Bedingungen sind wir in den Raum geraten? Können wir diese Bedingungen ändern, damit wir wieder heraus kommen?

Das Problem ist, dass bei aller wissenschaftlicher Gründlichkeit gerade bei Marx in Bezug auf unsere heutige Situation noch Lücken übrig sind, die aus seinem Bestreben erwuchsen, die materiellen Wurzeln der Klassengesellschaften zu erfassen, ohne das Wechselspiel mit dem Boden, in dem sich diese Wurzeln ausbereiteten, ausreichend zu betrachten (oder umgekehrt). Das war seinerzeit logisch, weil er sein Weltbild in Auseinandersetzung mit philosophisch „idealistischen“ Geschichtsbildern entwickeln musste. Inzwischen ist aber genug Zeit vergangen, um die Lücken zu füllen.

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Donnerstag, 28. mai 2009 4 28 /05 /2009 06:37
 

Wann aber sind die „Produktivkräfte“ so ausgereift, dass die kapitalistischen Produktionsverhältnisse quasi wie braune Äpfel vom Baum der Menschheit abfallen müssten?

Marx hat einen optimistischen Fehler begangen. Er überlegte, warum nicht schon in vergangenen Zeiten die durchaus vorhandenen Sehnsüchte nach besseren Verhältnissen in Gleichheit für alle Wirklichkeit geworden sind. Er stieß dabei immer wieder neu auf durch die jeweilige Produktionsweise bedingte geistige Beschränkungen der Handelnden. So war bei den Sklaven das einzige sie verbindende positive Element, nicht Sklaven, also bloße „Produktionsinstrumente“ sein zu wollen. Darüber hinaus waren die Mannen eines Spartakus und ähnlicher Optimisten in erster Linie vom Stamme der ... oder vom Stamme der .... In dem Moment, in dem ihnen die persönliche Freiheit geboten wäre, wäre ihnen die gesellschaftliche Perspektive genommen. Mit der vorhandenen „Technik“ war die Produktion nur eines relativ geringen Mehrprodukts möglich, dieses aber eigentlich auch nur dann, wenn die notwendigen Sklaven zur Übererschöpfung gezwungen wurden. Diese wurden durch Kriege nach außen „produziert“. Ein geistiges Gerüst für eine andere große Organisation einer Gemeinschaft war weder materiell vorhanden noch gab es die Mittel, es massenweise zu verbreiten (Bildung und Massenkommunikation).

Nachher, im Feudalismus bestand eine Vielzahl unterschiedlicher Abhängigkeitsverhältnisse. Das praktisch am meisten fesselnde war der relative Besitz von Boden durch die Hauptklasse, die Bauern. Diese Bindung der eigentlich unterdrückten Klasse schuf neudeutsch „Sachzwänge“. Wenn die Scholle bewirtschaftet werden musste (Saat, Ernte) konnte man keine Revolution machen. Trotz aller Abgaben an den Feudalherren war die materielle Grundlage zum eigenen Überleben der Ertrag der „eigenen“ Scholle. Damit wurde das dauerhaft revolutionäre Handeln der Massen durch das eigene Sonderbesitzinteresse verhindert.

Unverändert blieb der geringe Grad der Einsicht in gesellschaftliche Verhältnisse und die technische Möglichkeit, ihn zu erhöhen. Bildung, Massenkommunikation. Nicht von ungefähr bewirkte das Aufkommen des Buchdrucks eine enorme Beschleunigung der Entwicklung auf allen Gebieten des menschlichen Lebens.

Die bisherigen Beschränkungen waren weggefallen. Der sogenannte „doppelt freie Lohnarbeiter“ schien kein Sonderinteresse zu haben, da er weder an Besitz noch an nichtmaterielle Verpflichtungen gebunden war. Und Bildung war möglich. Die revolutionäre Massenkommunikation wurde wegen der Produktion in Großbetrieben geradezu durch die Kapitalisten als gesellschaftlicher Suizid ihrer eigenen Herrschaftsform mit produziert.

Dieser letztgenannte Fakt entfaltete sich gerade zu Marx´ Zeit. Verständlich, dass Marx zu der Illusion veführt wurde, dass sich das Kapital seinen eigenen Totengräbe geschaffen, ihm den Raum gegeben hatte, sich zu organisieren – nun brauchte sich die Arbeiterschaft nur noch selbst aktiv zu organisieren, also von einer „Klasse an sich“ (also eine Menschengruppe mit vergleichbarer Stellung in der Produktion) zur „Klasse für sich“ (also einer Gruppe von Menschen, die bewusst entsprechend ihrer geschichtlich gegebenen Aufgabe handelt) zu entfalten. Die „historische Mission der Arbeiterklasse“ war in die Welt gesetzt. Es schien, als bedürfe es nur noch des Propheten, der die Massen zum Bade bewegt, und der Fluss stiege übers Ufer...

Wir wissen, dass es etwas anders gekommen ist.

Das könnte daran liegen, dass alles falsch war (wie alle bewussten und unbewussten Lohnschreiber des Kapitals dies glauben zu machen versuchen), das kann aber auch daran liegen, dass noch weitere Bedingungen u.a. im Entwicklungsstand der Produktivkräfte hätten dazugekommen sein müssen, die Marx noch gar nicht kennen konnte.

 

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Mittwoch, 27. mai 2009 3 27 /05 /2009 10:03
 

Marx beschrieb ein wunderbares gesellschaftliches Grundgesetz der Entwicklung, das Gesetz der Übereinstimmung der Produktionsverhältnisse mit dem Entwiclungsstand der Produktivkräfte. Die "Produktivkräfte" entwickeln sich immer weiter. (Schließlich werden die Menschen u. a. technisch ja immer klüger) Unter bestimmten Stufen schufen sich diese "Produktivkräfte" einen ihnen gemäßen Rahmen, der ihre weitere Entwicklung ermöglichte, aber damit bewirkt, dass er später, nach ihrer weiteren Entwicklung zu eng und deshalb gesprengt wurde bzw. werden wird..

An diesem Gesetz wurde viel, viel zu viel vereinfacht. Historisch steht schon die Frage, welche Bedingungen erzwingen die neuen Verhältnisse? Ab wann sind die alten Verhältnisse zu sprengende Fesseln? Warum und für wen? Warum sieht das wer wann ein - und wie zeigt sich das? Inwieweit besitzen die einmal geschaffenen Produktionsverhältnisse ein Eigenleben, da sie sich zu ihrem Selbsterhalt ja einen ganzen Staatsapparat geschaffen haben, der sowohl existiert als auch eine Menschengruppe stützt, die aus den alten Verhältnissen Nutzen zieht.

Denken wir an Part 7, unser Bade-Beispiel zurück. Dort merkten wir, dass neben dem Offensichtlichen immer anderes Notwendiges hinzukam. Die grundsätzlich dialektisch richtige Aussage ist in der Praxis immer mit mehreren anderen Faktoren verknüpft. Wenn es für eine Handlung einen Grund gibt, heißt das noch lange nicht, dass sie z. B. ohne Anlass auch eintritt. Wir müssen nur wissen, dass der Anlass, der in unmittelbarem zeitlichen Zusammenhang mit dem Ereignis steht, eben NUR der Anlass ist. Aber die französische Revolution war eben durch eine fürchterliche Hungersnot in Verbindung mit adliger Verschwendung „ausgebrochen“, die Oktoberrevolution in Russland ebenfalls „dank“ der Hungersnot durch den Krieg.

Sofern wir nicht Ursache und Anlass auseinander halten, müssten wir daraus ableiten, dass eine künftige Revolution das Ausbrechen einer Hungersnot, Krieg o.ä. voraussetzte.

Richtig ist allerdings, dass die nun wirklich nicht unsinnige Bewertung Lenins, dass der erreichte Imperialismus „faulender“ Kapitalismus ist, für die Beseitigung der Gesellschaftsordnung nicht mehr als eine notwendige Voraussetzung ist – was für sich allein genommen aber nicht bedeutet, dass nicht in Jahrzehnten oder Jahrhunderten die Menschheit immer noch unter der Krankheit Kapitalismus leiden könnte.

Andererseits muss ich vor einer Fehlinterpretation einer nicht deterministischen Geschichtsauffassung warnen: Genauso wenig, wie ausgereifte Produktivkräfte automatisch zu neuen Produktionsverhältnissen führen, schaffen das die richtigen Leute mit den richtigen Zufällen. Nur wenn alle drei Dinge zusammen kommen, wird wirklich ein Erfolg draus.

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