DDR

Mittwoch, 7. oktober 2009
An zwei Fakten kann man nicht vorbei:
Heute vor 60 Jahren wurde voll guter Hoffnungen ein Staat gegründet, der auf eine neuen, besseren Seite der Geschichte stehen sollte, und ... diesen Staat gibt es nicht mehr (bei vielen zugleich die Hoffnungen).
Ein Argument derer, die sich mit dem Untergang der ersten frühsozialistischen Staatengemeinschaft abzufinden versuchen, dass das ja sooo schlimm auch nicht ist, ist es, die Reformierbarkeit des Systems zu bestreiten und die Niederlage zur möglichen Quelle neuer Erkenntnisse zu erklären.

Irgendwie erkenne ich da die Fabel vom Fuchs und den Trauben wieder.
Aber ernsthaft: Belehrt durch die französische Revolution verwandelte sich der brasilianische König in einen Anhänger der Republik und lebte in einer solchen führend weiter. Sicher, das war nicht der Regelfall, aber möglich.
Und dass der allseitige Verrat Gorbatschows letztlich ein ganzes Gemeinschaftssystem zum Kippen brachte, sollte doch als Beweis herhalten, dass es mit entsprechendem Willen veränderbar war. Auch mit dem Tode Stalins wurde ja nicht genauso weiter gemacht wie unter dem Generalissimus.

In der DDR gab es sehr kleine Schritte, die langsam unter einem Honecker einschliefen.
Ein solcher Schritt war ... Pittiplatsch.
Es mag heute verwundern, dass es vorher so etwas nicht gab. Aber erst mit dieser Figur trat in die offizielle Fernsehunterhaltung ein Element der Aufweichung der Autoritätsgläubigkeit, ein Stück Anarchismus sozusagen. Auch Astrid Lindgren hatte ja mit stillschweigendem Bann zu existieren, weil sie JEDE (naturgegebene?) Autorität in Frage stellte.

Die Voraussetzungen für ein Überleben der Menschheit auf lange Sicht waren besser. Die einzige naive Hoffnung, dass durch den Wegfall einer Blockseite der kalte Krieg ende und die in ihm verschleuderten Mittel dem Wohl der Menschen nützen könnten, hat sich als Seifenblase erwiesen. Solche Überlegungen übersahen schlicht, dass der Kapitalismus seinem notwendigen Wesen nach aggressiv  und (die anderen) Menschen (immer) verachtend ist. 
Mag man über China denken, wie man will. Ohne wären die Restwolken radioaktiven Staubes eines Iran-Krieges wahrscheinlich längst über uns.

Und die Ansätze einer Rundumsozialpolitik haber seinerzeit auch das westliche Deutschland zu so viel Sozialem gezwungen wie heute kaum zu erhalten ist.

Über die teilweise tatsächlich aufkeimenden Ansätze wirklich sozialistischer Beziehungen lässt sich schwer reden. Soziologen und Psychologen versuchen wildeste Erklärungsversuche, warum die "Ossis" so tendenziell schlecht in eine Ellenbogengesellschaft passen. Es waren einfach Anfänge da, kollektiv zu fühlen. Vielleicht wäre viel davon noch besser gewachsen, wären die Vertrauen zerstörenden Maßnahmen nicht gewesen, jene, die selbstbewusster gewordenen Bürgern das Gefühl vermitteln konnten, in einem riesigen Gefängnis zu leben. Nun ist es erstmal vorbei. Nun stehen viele von denen vor der Frage, ob sie nicht lieber hätten drin bleiben sollen.
Wie lange wird es dauern, bis das Grundmodell, aufgelockert mit den notwendigen Pittiplatschen, eine Renaissance in der Jugendkultur erlebt? Auf die Wurzeln eingeschlagen wird ja mit aller Kraft... Aber das hat das Ministerium für Staatssicherheit auch...

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Mittwoch, 25. februar 2009

Das Schönste an dem Artikel: Das verschämte "auch" bei der "Patriachats"einordnung.
Richtig ist: Die Wirkung materieller Anreize für kuezfristige grundlegende andere Verhaltensmuster wurde überschätzt.
Mindestens zwei Details fehlen allerdings wieder zur Abrundung:
Das Recht der Frauen auf freie Entscheidung über eine Mutterschaft, sprich zur Abtreibung, war früh gegeben. Ein ebenfalls sehr "liberales" Scheidungsrecht (ein ebenfalls liberaleres als das heutige) verbunden mit Frauenförderung in breitem Umfang ermöglichte es betroffenen Frauen, sich zumindest ohne soziale Sorgen aus einer "patriachalischen" Beziehung wieder zu lösen.

 


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Mittwoch, 25. februar 2009
Die Familie in der DDR wurde als "kleinste Zelle der Gesellschaft" stark gefördert. Um jungen DDR-Bürger da Ja zu Ehe und Kindern leichter zu machen, gab es den Ehe-Kredit, bezahlten Erziehungsurlaub und Kindergeld, Krippenplätze und andere soziale Leistungen. Zudem hatte man mit Kindern auch bessere Chancen, eine eigene Wohnung zu bekommen – ein Grund, warum ostdeutsche Frauen ihre Kinder viel früher bekamen als westdeutsche. Formal waren Männer und Frauen in der sozialistischen Gesellschaft gleichgestellt, real existierend wurde das Patriarchat auch im Osten nie überwunden: Zwar durften die Frauen alle arbeiten gehen, dazu mussten sie sich dann nach Feierabend auch noch um Haushalt und Kinder kümmern.

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Dienstag, 24. februar 2009
Beeindruckend, wie das ZDF einen DDR-Witz in eine "Regel" umwandelt. Im Gegensatz zu früher kann ich darüber nicht mehr lachen. Es lässt sich ja weder bestreiten, dass das Angebot nicht so breit und gesichert war wie im alten BRD-Staat und dass es weder viel Werbung noch Grund zum Werben gab. Allerdings suggeriert der Beitrag ein dauerhaftes Nachkriegs-Ostdeutschland.
Beinahe lustig ist die Preisangabe für eine Ananasdose: Die kann ich weder bestätigen noch zurückweisen, weil Ananas einer der Artikel war, den es im Allgemeinen nicht gab (was also bestätigt, dass es viele, nach damaligen Vorstellungen "Luxusartikel" wie Südfrüchte kaum gab - dies waren letztlich ja Produkte internationaler Ausbeutung ... "Kolonialwaren" wie einst gesagt wurde...)
Grins: Dass die 5 Pfennige für ein Brötchen / eine "Schrippe" nicht erwähnt werden, mag daran liegen, dass die "Westschrippen" - äußerlich größer, innen (positiv ausgedrückt...) "luftiger" und geschmacksärmer zum Symbol des Kapitalismus wurden: Erst anziehend, dann enttäuschend, inzwischen liegt der Preis wohl beim ca. Achtfachen....

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Dienstag, 24. februar 2009
„Erst anstellen – dann fragen, was es gibt“, lautete die Regel für einkaufende Menschen in der DDR. Denn wo sich vor den Geschäften Schlangen bildeten, gab es meist etwas Besonderes zu kaufen. Das konnten Südfrüchte sein oder aber auch bestimmte Kleidungsstücke. Gekauft wurde auch, wenn man das Angebotene selber gar nicht brauchte – dann konnte es immer noch zum Tausch gegen andere Mangelware genutzt werden. Wie die Wohnungsmieten waren auch die Grundnahrungsmittel subventioniert – was dazu führte, dass Luxusartikel nicht nur selten zu haben, sondern auch extrem teuer waren. So lag der staatlich festgelegte Einzelhandelverkaufspreis für ein Kilo Brot bei 52 Pfennig, ein Liter Milch kostete 70 Pfennig, eine Dose Ananas kostete 18 Mark.


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Montag, 23. februar 2009

Als erstes eine Danksagung an den Sender:

Endlich habe ich es amtlich bestätigt bekommen. Ja, es stimmt... ich war "nicht ganz so politisch korrekt".

Na, gut... Das war natürlich nicht der Grund dafür, dass ich zum Studium über eine Berufsausbildung mit Abitur und "sozialistischen Arbeitsalltag" kam.
Der ganze Artikel ist eigentlich vorsätzlich dumm. Da müsste man ein ganzes Buch zur Richtigstellung schreiben. Was die Autoren hätten gemeint haben können, wenn sie denn verstanden hätten, worüber sie geschrieben haben, wären zwei Prinzipien:
1. Jeder halbwegs gesunde junge Mensch ist fähig und würdig, eine allseitige Grundbildung zu erhalten. Das nannte man damals Persönlichkeit. Die "allgemeinbildende polytechnische Oberschule" (Oops: wo ist denn das Wort "allgemeinbildend" her?) hatte den Anspruch, dies DDR-weit umfassend zu erreichen.
2. Es gehörte zum Grundgedanken dieser Persönlichkeitentwicklung, dass sie zum einen ihre (künstlerischen und körperlichen) Sinne trainierten, zum anderen aber früh einen persönlichen Bezug zum Arbeitsleben bekommen konnten. Dazu sollten die "Ausflüge" in Betriebe dienen. (Dem diente schon vor der 5. Klasse das Fach "Werken". ---Lustig, dass ausgerechnet ich dies jetzt verteidige, wo ich dort nie positiv Hervorhebenswertes zustande brachte.)
Ich weiß nicht mehr, wie viel "Technisches Zeichnen" ich gehabt habe, aber dass ich alle 10 Schuljahre Zeichnen hatte. (Ich finde es bedauerlich, dass Astronomie gerade einmal im Gymnasium auftaucht ... und dort "abgewählt" werden kann.)
Zu einer angestrebten umfassenden Allgemeinbildung kamen unzählige (natürlich kostenlose) Arbeitsgemeinschaften, Spezialschulen und andere Möglichkeiten, persönlichen Besonderheiten zu frönen.

Vielleicht noch zu 1.: Es war politisch sehr erwünscht, dass Menschen mit praktischen Erfahrungen (aus Produktion und anderen Bereichen) studierten. Gerade deshalb bekam ich später eine stark vereinfachte Studienzulassung mit erhöhtem Stipendium (das natürlich bei allen von den Eltern unabhängig war).

Hiermit erkläre ich an Eides Statt, keinen "Wehrkunde"-Unterricht besucht zu haben. Das hätte mich schon damals angewidert. Aber vielleicht findet man noch "schöne" neue Namen dafür, wenn Bundeswehr-Werber die Schulen abgrasen nach Nachwuchs???) (Richtig ist, dass ich mehrere Beispiele erlebt habe, dass intellektuell und charakterlich weniger entfaltete Persönlichkeiten sich in eine militärische Laufbahn gerettet haben. Vorurteile hat aber jeder.)

Ach ja... Einheitsschule... immerhin war der Abschluss der 10. Klasse republikweit derselbe. Ich hatte mehrere Mitschüler, die aus verschiedenen Gründen heute wahrscheinlich auf der Hauptschule gelandet wäre ohne echte Chance auf dem "Arbeitsmarkt"... aber studiert haben, weil man ihre Fähigkeiten "herausgekitzelt" hat.


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Montag, 23. februar 2009
Da in der DDR alle Menschen die gleichen Chancen haben sollten, gab es auch für alle die gleiche Schule: die Einheitsschule. Bis zur 10. Klasse ging das DDR-Schulkind auf die Polytechnische Oberschule. Hier war Russisch ab der 5. Klasse verbindlich, ab der 7. gab es „Einführung in die sozialistische Produktion“, „Produktive Arbeit“ und „Technisches Zeichnen“, ab der 9. „Wehrunterricht“. Wer begabt und politisch korrekt genug war, durfte im Anschluss auf der Erweiterten Oberschule das Abitur machen und studieren. Wer nicht ganz so politisch korrekt war, konnte sich im sozialistischen Arbeitsalltag bewähren und den Umweg zum Studium über eine Berufsausbildung versuchen.

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Sonntag, 22. februar 2009
Verlogen ist hier der gehässige Unterton.
Aber wahrscheinlich braucht man den, um davon abzulenken, wie viele Kinder im heutigen Deutschland verwahrlosen, missbraucht, misshandelt werden, weil die Sorge um die Kinder eben keine "Gemeinschaftssache" ist.
"Ein bisschen Freundschaft zu anderen Völkern schadet als Erziehungsgegenstand für Kinder durchaus nicht. Stört er vielleicht, wenn gegen diese Freunde in den Krieg gezogen werden soll? Wenn in einem so kurzen Absatz so viel dazu gelästert wird, wird natürlich ausgeblendet, dass die Kinder früh lernten, kameradschaftlich mit anderen umzugehen, ihre Fähigkeiten auf den verschiedensten Gebieten auszuprägen. Basteln, Spiele, Sport, Singen, Malen, viele Sprech-Übungen, die ein durchschnittlich höheres Niveau der Schulbeginner ermöglichte. (Die PISA-Studien lassen grüßen.) Aber das ZDF hat nichts Besseres zu erzählen, als von fröhlichen Kinderliedern sang man von den Errungenschaften des Sozialismus und der Freundschaft mit der Sowjetunion."

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Sonntag, 22. februar 2009
Die Beschränktheit des Denkens der Autoren zeigt sich schon in der Wahl des Namens für die Alltagskategorie.
Die wichtigsten "Fahrzeuge" im Alltagsleben der DDR-Bürger waren Bahnen und Busse. Private PKW rangierten eindeutig dahinter.
Wozu ist denn ein "Fahrzeug" da?
Doch wohl, um Menschen von einem Punkt zum anderen zu transportieren. Erst in zweiter Hinsicht, um einen sozilen Rang zu demonstrieren, sich als Mercedes-Fahrer, sprich, etwas "Besseres" zu zeigen.
Nun dürfte mir hoffentlich jeder Umweltschützer zustimmen, dass ein öffentliches Verkehrsnetz günstiger ist. Ich wies an anderer Stelle schon auf die Preise (üblicher Einzelfehrschein 10 Cent) hin.
Den normalen DDR-Bürger zum Möchtegern-Protzer umzuinterpretieren, als eine statusgeile Masse, die schwarz mit Auto-Anmeldungen schacherte, verdammt ihn zum tumben Egoisten. Dies war "verordneter Weise" nicht gewollt. So wurden auch die Kapazitäten für Privatverkehr nie entsprechend erweitert (was beim Umweltnivaeu der Dreckschleudern wirklich nicht wünschbar war).
Übrigens... Ich habe meine Schwiegereltern rausgeworfen, als sie uns nahelegten, uns für einen "Wartburg" anzumelden, den sie dann uns abkaufen wollten. Solche Menschen gab es natürlich auch...
Lach: Besonders lustig ist der ganze Artikel unter dem Gesichtspunkt der heutigen "Abwrackprämie", die eine wilde Neuproduktion fördern soll... 

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Sonntag, 22. februar 2009
Kinder großziehen in der DDR war Gemeinschaftssache. Da über 90 Prozent der Frauen arbeiteten, war der Besuch einer Kinderkrippe für die meisten Kids eine Selbstverständlichkeit. Und da der Staat auf die Arbeitskräfte der Frauen angewiesen war, gab es auch genug Plätze. Umgekehrt waren viele Familien auf das Gehalt der Frauen angewiesen. Die Kleinen hatten einen langen Krippentag, die Öffnungszeiten waren den Arbeitszeiten angepasst. So gab es genug Zeit, den Kindern neben einer liebevollen Betreuung gleich auch ein wenig sozialistische Erziehung zukommen zu lassen: In fröhlichen Kinderliedern sang man von den Errungenschaften des Sozialismus und der Freundschaft mit der Sowjetunion.

>>>Anmerkung

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