Heute vor 60 Jahren wurde voll guter Hoffnungen ein Staat gegründet, der auf eine neuen, besseren Seite der Geschichte stehen sollte, und ... diesen Staat gibt es nicht mehr (bei vielen zugleich die Hoffnungen).
Ein Argument derer, die sich mit dem Untergang der ersten frühsozialistischen Staatengemeinschaft abzufinden versuchen, dass das ja sooo schlimm auch nicht ist, ist es, die Reformierbarkeit des Systems zu bestreiten und die Niederlage zur möglichen Quelle neuer Erkenntnisse zu erklären.
Irgendwie erkenne ich da die Fabel vom Fuchs und den Trauben wieder.
Aber ernsthaft: Belehrt durch die französische Revolution verwandelte sich der brasilianische König in einen Anhänger der Republik und lebte in einer solchen führend weiter. Sicher, das war nicht der Regelfall, aber möglich.
Und dass der allseitige Verrat Gorbatschows letztlich ein ganzes Gemeinschaftssystem zum Kippen brachte, sollte doch als Beweis herhalten, dass es mit entsprechendem Willen veränderbar war. Auch mit dem Tode Stalins wurde ja nicht genauso weiter gemacht wie unter dem Generalissimus.
In der DDR gab es sehr kleine Schritte, die langsam unter einem Honecker einschliefen.
Ein solcher Schritt war ... Pittiplatsch.
Es mag heute verwundern, dass es vorher so etwas nicht gab. Aber erst mit dieser Figur trat in die offizielle Fernsehunterhaltung ein Element der Aufweichung der Autoritätsgläubigkeit, ein Stück Anarchismus sozusagen. Auch Astrid Lindgren hatte ja mit stillschweigendem Bann zu existieren, weil sie JEDE (naturgegebene?) Autorität in Frage stellte.
Die Voraussetzungen für ein Überleben der Menschheit auf lange Sicht waren besser. Die einzige naive Hoffnung, dass durch den Wegfall einer Blockseite der kalte Krieg ende und die in ihm verschleuderten Mittel dem Wohl der Menschen nützen könnten, hat sich als Seifenblase erwiesen. Solche Überlegungen übersahen schlicht, dass der Kapitalismus seinem notwendigen Wesen nach aggressiv und (die anderen) Menschen (immer) verachtend ist.
Mag man über China denken, wie man will. Ohne wären die Restwolken radioaktiven Staubes eines Iran-Krieges wahrscheinlich längst über uns.
Und die Ansätze einer Rundumsozialpolitik haber seinerzeit auch das westliche Deutschland zu so viel Sozialem gezwungen wie heute kaum zu erhalten ist.
Über die teilweise tatsächlich aufkeimenden Ansätze wirklich sozialistischer Beziehungen lässt sich schwer reden. Soziologen und Psychologen versuchen wildeste Erklärungsversuche, warum die "Ossis" so tendenziell schlecht in eine Ellenbogengesellschaft passen. Es waren einfach Anfänge da, kollektiv zu fühlen. Vielleicht wäre viel davon noch besser gewachsen, wären die Vertrauen zerstörenden Maßnahmen nicht gewesen, jene, die selbstbewusster gewordenen Bürgern das Gefühl vermitteln konnten, in einem riesigen Gefängnis zu leben. Nun ist es erstmal vorbei. Nun stehen viele von denen vor der Frage, ob sie nicht lieber hätten drin bleiben sollen.
Wie lange wird es dauern, bis das Grundmodell, aufgelockert mit den notwendigen Pittiplatschen, eine Renaissance in der Jugendkultur erlebt? Auf die Wurzeln eingeschlagen wird ja mit aller Kraft... Aber das hat das Ministerium für Staatssicherheit auch...








