Kapitalismus-Sozialismus

Montag, 12. oktober 2009
Während also eine "liberale" Wirtschaft immer gestützt werden muss durch den eingreifenden Staat und ständig danach strebt sich selbst zu zersetzen, leidet eine gemeinwirtschaftlich ausgerichtete Wirtschaft unter der Konkurrenz "konkurrenzwirtschaftlicher" Elemente.
(Ich habe einen Aspekt der liberalen Seite absichtlich weggelassen: Viele (Neo)Liberale sind natürlich von Anfang an verlogen und sehen die schädlichen Kartelle nur in der Organisation der Arbeiter gegenüber den armen, vereinzelten "Unternehmen". Ich wollte hier nur von den Theoretikern ausgehen, die ihre Prinzipien auch ernst meinen.)
Ein Problem gemeinwirtschaftlicher Wirtschaft ist der im weitesten Sinne "Staatskapitalismus". Man setze einfach voraus, dass solche Wirtschaftssubjekte ihre soziale Funktion in unterschiedlichem Umfang, aber im Prinzip eben, wirklich wahrnehmen. Nehmen wir als Beispiel eine Sparkasse, die jedem Bürger, auch dem permanent klammen, ein eigenes Konto einrichten muss. Der private Bankkokurrent pickt sich dagegen "die Rosinen" heraus - wer wirtschaftet wohl in rein ökonomischem Sinne "wirtschaftlicher"? Innerhalb eines konkurrenzwirtschaftliches Systems führt das zu Anpassungen - die erleben Sparkassenkunden, die erleben aber auch Bahnkunden, die auf ganz verschiedene Weisen potentielle Privatisierungen vorweggenommen bezahlen müssen.
Dieses Problem schlägt aber bis in auf vergesellschaftlichem Eigentum beruhende Staaten durch, solange diese in Konkurrenz mit einem kapitalistischen Weltmarkt agieren müssen. Deren soziale Zielstellung wird beständig konterkariert. (oder pervertiert sich selbst, indem eine Minderheit tatsächlich Arbeitsscheuer gepflegt wird)

Der Fluch besteht also im Übergang: Das alte System ist schädlich, das neue noch nicht ausreichend nützlich...

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Montag, 12. oktober 2009

Es ist immer so eine Sache, wenn man ein theoretisches Konzept in die Praxis umsetzen möchte. Am seltsamsten wird das natürlich, wenn die Grundaussage des Konzepts ist, dass man die Praxis, hier also den Markt, nur machen lassen soll - der würde schon alles richten.
Wirtschaftsliberalismus in Reinkultur oder in seinem Kerngedanken läuft ja auf die eine Aussage hinaus, dass "der Markt" die besten selbstheilenden Kräfte besitzt und die uneingeschränkt beste Form des Wirtschaftens sei.
Allerdings kenne ich keinen "Theoretiker" des Marktes, der, wenn es Ernst wird, nicht sein eigenes Grundprinzip über den Haufen werfen musste. Wirtschaftsliberalismus enthält das Paradoxon, dass er, um bedingt zu funktionieren, Subjekte in der Wirtschaft braucht, die absolut nicht "liberal" handeln - bzw. eines: den Staat.

Klammern wir einmal die Brüsseler Bürokratie aus, so gibt es doch ein einfaches "kapitalistisches" Problem: Es ist für das einzelne Wirtschaftssubjekt vernünftig in Richtung einer relativen Monopolmacht zu streben - und es ist nur eine Frage der Zeit, bis die von einigen, wenigen tatsächlich erreicht wird, weil "der Markt" immer bestehende Unterschiede potenziert, sich selbst also "aufhebt".
Andererseits gab und gibt es immer Bereiche des Wirtschaftslebens, die durch einzelne, relativ kleine Wirtschaftssubjekte beim besten Willen nicht gelöst werden können. Ich nenne hier absichtlich nicht die "Daseinsvorsorge", wo die Frage des sich einstellenden menschenfeindlichen Preises eine politische wäre (selbst schuld die Leute, wenn sie es sich gefallen lassen), sondern die Infrastrukturgestaltung und die steigenden Vorlaufkosten. Die Entscheidung über Autobahnnetze oder Bahnlinien kann kein Markt treffen. Hier handeln zwingend Staaten als Wirtschaftssubjekte, die für sonstige "Marktentwicklungen" die Entwicklungsbedingungen setzen - einschließlich der Refinanzierung über Steuern und Autobahngebühren, die bestimmte Fahrzeuge entscheidend in ihrer wirtschaftlichen (!) Lukrativität verändern.
Moderner ist die in der Forschung. Normalerweise sind die Kosten dort so groß, dass sie kein liberaler Markt finanzieren könnte. Selbst bei Ausnahmen wie Viagra, was nicht von einem absoluten Pharma-Riesen "auf den Markt geworfen" wurde, wirkte dann antiliberales staatliches Eingreifen. Patentrechte sind natürlich antiliberale Eingriffe in den Markt (aber ohne diese Chance auf Extraprofite würden bestimmte Forschungen überhaupt nicht begonnen).

Es sei noch vermerkt, dass es beim sozialistischen Wirtschaftsmodell umgekehrt ist: Das funktioniert eigentlich nur dann richtig, wenn die ihm widersprechenden Elemente nur absolut untergeordnet oder ganz ausgeschaltet sind. In der Konkurrenz mit Marktelementen der "freien" Konkurrenz hebt es sich selbst auf.


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Sonntag, 28. juni 2009
Selten hat unsereins die Zeit und Gelegenheit, das gesamte Gerüst marxistischer Gesellschaftsanalyse aufzudröseln und die darin steckende tiefe allgemeinmenschliche Vernunft darzustellen.
Die meisten Menschen sehen ja auch nicht auf das Ganze, sondern auf die Stücken, die sie jeweils am meisten berühren. Da kann es schon einmal so aussehen, dass sich dreie, die eigentlich Gleiches meinen, aneinander vorbei bewegen - und jeder für sich mit bedeutungsarmen Teilerfolgen (wenn überhaupt) zufrieden sein muss.
Der neueste Trend, theoretisch kaum beackert, ist etwas, worauf die "Piraten" gestoßen sind: Das, was Marxisten "Produktivkräfte" nennen, ist an einigen Stellen bereits in Bereiche vorgestoßen, deren natürliche Entsprechung in den Verkehrsverhältnissen der Kommunismus wäre, nein, eigentlich ist.  Dies trifft zweifelsfrei auf alle "Werte" zu, die, sobald sie existieren, ohne Eigenverbrauch de ganzen Menschheit zur Verfügung stehen (können). Dies ist im weitesten Sinne jede Software und dies ist alles, was erst dadurch, das es in einer staatlich abgesicherten Weise "lizensiert" wurde, eine Ware geworden ist bzw. geworden sein kann.
Also zwei Beispiele: Ein aufgezogenes Schaf lebt einmal. Hat man es zum Lammbraten verarbeitet, ist es verbraucht. Hat man es geschoren, muss man warten, bis die Wolle nachgewachsen ist. Das gilt für jedes Schaf weltweit.
Etwas Anderes ist ein bestimmtes Verfahren zur Wollherstellung: Einmal vorhanden könnte es weltweit genutzt werden, ohne dass das Verfahren sich "abnutzt".
Oder solange ein Musiktitel nur dadurch vervielfältigt werden konnte, dass der Tonträger (z. B. Schallplatte), auf dem er seinen materiellen  Boden hatte, vervielfältigt und gekauft werden konnte (und musste), war er kraft der jeweiligen Einmaligkeit jedes einzelnen Tonträgers für sich, ein normales Glied einer Warenwirtschaft. Heute aber ist der Musiktitel vom Tonträger unabhängig "herunterzuladen". Es ist ein allgemein jedem Interessierten ohne Selbstvebrauch zugängiges Gut, das erst durch staatliche Zwangsintervention zu einer Ware gemacht wird.
In einem "natürlichen" Prozess wäre alle Musikproduktion bereits in kommunistischen Verhältnissen angekommen - worunter die sich in einem privatkapitalistischen "Koordinatensystem" bewegenden "Musikproduzenten" "leiden".
Ist es nicht, verdammt noch mal, UNSERE Pflicht, diesen Zusammenhang aufzuzeigen und seine Allgemeingültigkeit aufzudecken?! Dass hier mit Notwendigkeit der "Kapitalismus" ganz normalen Lebensansprüchen entgegen steht?
Sozialismusse gibt es inzwischen unüberschaubar viele Modelle, die der Normalmensch kaum auseinander zu halten vermag. Die Kapitalismusapologeten haben es sogar unter aktiver Mithilfe pervertierter Gegner (Pol Pot) geschafft, den Begriff "Kommunismus" so weit aus dem Denkhorizont des für uns interessanten Normalmenschen zu vertreiben, dass er keine Zugkraft besitzt und auf absehbare Zeit auch nicht besitzen wird.
Also heißt die "Frontlinie", hinter der es sich zu sammeln gilt, "Alternativen" zum "Kapitalismus" als sowohl machbar als auch notwendig fassabr zu machen. Vielleicht muss sich dafür erst wieder ein neuer Name einbürgern. Ich hätte z. B. nichts gegen "solidarische Gesellschaft", denn eine Gesellschaftsordnung, die auf der Vermehrung privater (wirtschaftlicher, aber nicht nur wirtschaftlicher) Macht beruht, kann von vornherein nicht solidarisch sein...

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Dienstag, 9. juni 2009
Linke Gesellschaftsdarstelle haben ein besonderes Problem damit, welche Rolle die persönliche Gier spielt.
In bürgerlichen Selbstdarstellungen erscheint die aktuelle Krise als Produkt überzogener Gier einzelner Manager. In linken Darstellungen wird dem heftig widersprochen. Es sei das System.
Was aber, wenn beide Recht haben?
Wenn aber zwischen beiden Darstellungen ein zwingender logischer Zusammenhang besteht?
Der darin besteht, dass das kapitalistische ("markwirtschaftliche") System eines ist, in dessen Rahmen der mit der aggressivsten Gier der erfolgreichste ist - und sein muss?
Im Einzelfall wird es immer wieder die maßlose Gier sein. Nur durch diese kann man ganz oben ankommen - und solange man nur siegt, wird ja jede "Neiddebatte" abgeschmettert.
Nur "nachhaltig" bekämpfen kann man die Krisen-Katastrophen eben nur dadurch, dass man die Spielregeln, innerhalb derer Menschen agieren, grundlegend verändert. Der ganze Rahmen muss ausgetauscht werden.Wer ein durchgefallenes "innovatives Finanzprodukt" verbietet, verschiebt nur die Zeit, bis im Konkurrenzkampf ein neues gefunden ist.
Die Konkurrenz als solches ist zum Hindernis geworden. Sie aber lebt vom inneren Druck des Privateigentums, sich vermehren zu müssen auf Kosten Anderer.
Erst durch Beseitigung des Privateigentums an "Produktionsmitteln" können die auf ihm beruhenden notwendigen Verhaltensweisen ... wie eben die übelebenswichtige Gier... verschwinden.
So knüpft das eine ans andere...

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Dienstag, 21. april 2009

Unter ansonsten sozialistischen Rahmenbedigungen erfüllt ein Mindestlohn in der Höhe der ansonsten in der sozialistischen Wirtschaft erzielten persönlichen Ausschüttungen vom Anteil aus dem Gemeineigentum die Funktion der Vergesellschaftung. Das setzt natürlich voraus, dass es nur wertgleiche Preise gibt. Somit bewirkt ein solcher Mindestlohn für den Ladenbesitzer, dass er sich zum eienen materiellen Vorteil selbst so viel ausbeuten kann, wie er will, aber nicht "wesentlich" von Ausbeutung anderer lebt - andersherum jedoch ein materielles Interesse daran hat, die noch vorhandenen Versorgungsprobleme durch persönlichen Einsatz zu überbrücken.
Ein kommunistisches System sieht dann sowieso ganz anders aus. Dann sind die Einkaufszentren ja nur noch Verteilungsstützpunkte. Sinnvoller Weise wird im Wesentlichen nur noch von zu Hause aus "eingekauft". Der zugrunde liegende "Katalog" wäre auf Papier nicht mehr erfassbar. Er steht im Internet (oder dessen Nachfolger) vollständig für alle Nutzer zur Verfügung. Klammern wir geringe Ausnahmen aus, ergibt dies ein sinnvolles System umfassender Bedarfserfüllung, wenn auch Angebote eingeschlossen sind, die sich erst in der Planungsphase befinden.
Hier ergibt sich de Vorteil tatsächlich (erst) durch das Erreichen eines entsprechenden Levels der technischen Basis. ein heutiger Otto-Katalog wäre zur Lösung solcher Aufgaben nicht wesentlich besser in der Lage als die DDR-HO. Wenn wir allerdings die Vernetzungsmöglichkeiten der google-Recherche kennen, erahnen wir, was bereits heute möglich wäre...


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Montag, 20. april 2009

Spinnen wir einfach! Stellen wir uns vor, welche Lebensbereiche unter kapitalistischen Verhältnissen besonders positiv beeinflusst werden. Stellen wir dabei die auch vorhandenen negativen Seiten erst einmal zurück!
Sicher ist: Die Energieversorgung ist das nicht. Da effektiv nur ein Stromnetz da ist (und sinnvoll), ist die "Konkurrenz" der Anbieter im Wesentlichen Spiegelfechterei, die im Höchstfall in Form von Werbungen zusätzliche tatsächliche Kosten verursacht.  Aber auch der Umweltbewusste weiß, dass aus seiner Steckdose Strom aus Atomkraftwerken kommt, obwohl er das nicht will. Die Probleme der Branche sind nur auf gesellschaftlicher Ebene zu lösen - ansonsten ist es eine Vereinbarung über organisierte Abzockerei.

Das Bankwesen ist es sicher auch nicht. Dort gibt es zwar Hintertüren, um fehlerhafte Arbeit auf die Allgemeinheit abzuwälzen - aber das könnte ein staatliches Bankwesen genauso gut. Oder ist der aktuelle "Rettungsschirm" für da private Bankwesen nicht vergleichbar mit einem Gammelfleischskandal, nur mit dem Unterschied, dass hier de durch unsere Steuern finanzierte Staat das Gammelfleisch organisiert aufkauft und allen Bürgern in Form von daraus hergestellten "Zwangsdönern" wieder zu Fressen gibt - egal, ob da Einzelne das Kotzen von bekommen?
Etwas Anderes ist das im Einzelhandel und im Dienstleistungsgewerbe, in Bereichen also, die noch nicht in wesentlichem Umfang bei ihrer unmittelbaren Leistungstätigkeit für technische Lösungen eschlossen sind. (Man stelle sich einen Frisier-Roboter vor.)
Hier bietet sich unter sozialistischen Bedingungen eine Lücke: Das individuell belohnte Engagement kann und sollte eine gesellschaftlich organisierte Eigentümergemeinschaft ergänzen allerdings gibt es dabei eine Besonderheit...


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Donnerstag, 26. märz 2009
 

Meine Mutter sagte mitunter „Dem ist das Hemd näher als die Hose“, um jemand zu charakterisieren, de nur sehr kurzsichtig egoistisch vorausdenkt. Nun ist dies der wesentlichste „Vorzug“ des Kapitalismus: Er appelliert nicht nur an den Egoismus schlechthin, sondern an die Erreichung des am kürzesten erreichbaren Vorteils. Etwas, was man auf den esten Blick sehen kann, ohne eigentlich darübe nachzudenken, ohne prüfen zu müssen, ob man sich mit diesem kleinen Vorteil eventuell die ganze Zukunft zestört (während Sozialismus / Kommunismus geradeein ganzheitlich nachhaltiges Handeln ... und zuvor Denken... erfordert).

Ein hoffentlich nachvollziebares Beispiel, wie dieses Denken allgemein verinnerlicht wird, hie in einem jW-Kommentar zum Thema „Abwrackprämie“ (Schade, dass keine eine „Abwrackprämie“ für die Kapitalismus-Entsorgung zahlt.):




25.03.2009 / Ansichten / Seite 8 Inhalt


Auf Geisterfahrt

IG Metall und die Abwrackprämie

Von Rainer Balcerowiak

Einen Tag vor ihrem Kongreß zur Zukunft der Automobil­industrie hat die IG Metall am Dienstag erneut klargestellt, was sie sich unter Krisenbewältigung vorstellt. Im Chor mit Industrie- und Händlerverbänden sowie dem ADAC forderte sie die Aufstockung der Mittel für die sogenannte Abwrackprämie um zunächst einmal eine Milliarde Euro. Geholfen werden soll damit einer Branche, die von gigantischen Überkapazitäten und einer ökologisch unvertretbaren Produktpalette geprägt ist.

IG-Metall-Chef Berthold Huber begründet sein Ansinnen mit andernfalls drohender »Beschädigung der industriellen Substanz«. Dabei ist die Neuwagensubvention lediglich ein Strohfeuerchen, das zwar Unsummen verschlingt, aber die anstehende Marktbereinigung in der Branche bestenfalls ein paar Monate hinauszögern kann.

Der Unterstützung wahlkämpfender Politiker kann sich Huber dabei sicher sein. Die Prämie ist in einem Land, in dem Besitz und exzessive Nutzung von PKW stets als Inbegriff individueller Freiheit gepriesen wurden, äußerst populär. Gerade die Finanz- und Wirtschaftskrise hätte jedoch die Chance eröffnet, mit einem Konjunkturprogramm die Konversion der desaströsen Autoproduktion auf den Weg zu bringen und eine radikale Wende in der Verkehrspolitik einzuleiten. Die Milliarden, die jetzt für Neuwagenkäufe und vermutlich bald für die temporäre künstliche Beatmung von Opel verpulvert werden, hätten gerade im Bereich Mobilität wesentlich nachhaltiger eingesetzt werden können und dabei die von Huber beschworene »industrielle Substanz« sogar gestärkt. Dringend notwendig wären u.a. ein separates Gleisnetz für den Schienengüterverkehr, ein flächendeckend vertaktetes Nah- und Fernverkehrssystem und die Modernisierung des städtischen Nahverkehrs.

Bleibt die Frage der Arbeitsplätze in der Autobranche, vor deren Verlust Huber – zu Recht – warnt. Doch diese sind angesichts besagter Überkapazitäten ohnehin nicht in Gänze zu halten. Es sei denn, man würde alle Autowerker von der realen Wertschöpfung abkoppeln und zu Staatsangestellten machen. Doch statt über Perspektiven für die Beschäftigten einer schrumpfenden Branche zu diskutieren, tut die IG Metall so, als ob nach der aktuellen Krise alles wieder so sein könnte wie bisher, wenn man den Autos ein paar grüne Farbtupfer verpaßt. Doch derlei »Beharrlichkeit« hat leider eine große Tradition in der Gewerkschaftsbewegung. Fahnen der IG Metall und anderer DGB-Organisation hat man bereits auf Demonstrationen für erleichterte Rüstungsexporte, gegen den Atomausstieg, für dauerhafte Kohleverstromung und gegen Umweltauflagen gesehen, um nur einige Beispiele zu nennen. Mit der Verteidigung sozialer Interessen abhängig Beschäftigter hat das nichts zu tun. Recht auf Arbeit, angemessene Entlohnung, bezahlte Fortbildung oder Umschulung – ja bitte. Festklammern an der Herstellung ökonomisch wie ökologisch unsinniger Produkte auf Kosten der Allgemeinheit – nein danke.



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Montag, 23. märz 2009
 

Einst glaubte die Freunde des jungen Kapitalismus ihre eigenen Losungen von „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“. Viel ist nicht davon geblieben in der harten Wirklichkeit, doch zumindest die Floskel von der Freiheit hat noch Lebenskraft. Es kommt also nicht allein und auch nicht „zuerst“ auf den Inhalt an, sondern auf die Verpackung, die schöne Schleife drumherum, die das „Neue“ anziehend macht...

Man darf die „Ideologie“ weder über- noch unterbewerten. Ideologie meine ich hier im weitesten Sinne, dort, wo es heißt „wer behauptet, keine Ideologie zu machen, der macht genau damit welche“.

Es steht potentiellen Vertretern des „Kommunismus“ gut zu Gesicht, sowohl den Verstand, das Verständnis der Menschen zu erreichen, aber eben auch die Gefühle der Massen. Das ist umso schwieriger, wenn es um das „Verarschen“ geht. Ein System, an dem die überwiegende Zahl aller Menschen mitgestalten soll... nein muss, ist verletzlicher gegenüber Missbräuchen Einzelner als ein System, wo dies dazu gehört. Laufend wird so reproduziert, die sind ja auch nicht besser.

Der Aufbau der neuen Gesellschaft leidet aber unter einem Startparadoxon: Er ist erfolgreich durch den sich entwickelnden „neuen Menschen“, den er aber erst selbst erschaffen muss.

Wie oft wurde mir vorgehalten, mit diesen Menschen gehen die schönen Ideale eben nicht.

Diese Aussage ist so falsch wie sie richtig ist.

Die Antwort ist mehrschichtig.

Die geradeaus denkenden „Materialisten“ haben sich gesagt, wenn erst einmal die materiellen Verhältnisse andere sind, dann werden auch die Menschen anders.

Darin stecken zwei kleine Fehler: Die „materiellen Verhältnisse“ sind vielschichtiger als bloße Eigentumsverhältnisse, selbst, wenn man zubilligte, es hätten sozialistische existiert (was eben nicht so war). Dazu gehören eben auch „Intershops“, also unterschiedlich große Inseln, wo unterschiedlich große Gruppen von Menschen für Besonderheiten belohnt werden, die praktisch absolut nichts mit sozialistischem Denken zu tun haben. (Hier: Besitz kapitalistischer Devisen!)

Umgekehrt: Es widerspricht dem „gesunden Menschenverstand“, sich in einer Weise zu verhalten, die praktisch persönlich schädlich ist.

Im Komplex wird dies erst über viele Generationen zu ändern sein, sobald die inneren und äußeren Wurzeln „egoistischen Verhaltens“ beseitigt sind, wenn sozusagen der beste „Egoismus“ ein kollektiver ist. Sollte dies einst gelingen, kehrt es sich wieder um: Kommunistisches Denken kennt solche Denkkategorien gar nicht. Wer seine Individualität entfaltet, entwickelt damit die Gemeinschaft – und wird nicht auf die Idee kommen, dies gegen „die Menschen“ zu richten (so, wie die restweise natürlichen Indianer sich einfach nicht vorstellen können, dass Stücken von Mutter Erde einzelne Menschen mittels Papier als ihnen persönlich gehörend ansehen können.








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Sonntag, 22. märz 2009
 

Alles, was man tun kann, um sich vor Abhängigkeiten zu schützen, ist zweischneidig. Solange das kapitalistische System das insgesamt wirtschaftlich stärkere ist, schadet jeder Autarkieversuch zuerst dem sich entwickelnden jungen Sozialismus.

Dem kann nur bedingt kubanisch entgegen gewirkt werden. Aber immerhin: Die wichtigste „Waffe“ in der Zeit der paralellen Existenz ist das emotionale Wissen.

Der Begriff mag als Widerspruch in sich erscheinen. Entweder man weiß etwas oder man fühlt etwas – sollte man denken. Dass das mit dem Wissen so eine Sache ist, hat die DDR (und die osteuropäischen Staaten) gezeigt. Rein vom Wissen her haben die dort aufgewachsenen Menschen gelernt, was für ein böses System der Kapitalismus ist. Aber sie haben es zum einen Teil nicht geglaubt, zum anderen, größeren Teil nicht verinnerlicht.

Warum aber nicht auf Kuba? So blühend hat sich die Insel doch wirklich nicht entwickelt – vor 1989 nicht und danach erst recht nicht.

Allerdings scheint dort ein Grundbaustein der Ideologie ein prinzipiell anderer zu sein: Die kubanischen Genossen hatten rechtzeitig begriffen, dass sie sich weiter, immer noch, permanent in einer Revoluton befinden und nicht – wie dies in der DDR mit einem albernen Begriff propagiert wurde – in einer „entwickelten sozialistischen Gesellschaft“. Abgesehen davon, dass der Begriff inhaltlich immer uneingeschränkt falsch war, war er vor allem eine bessere Diversion, als sich die aggressivsten Kapitalorganisationen hätten ausdenken können: Indem suggeriert wurde, dass wir es schon geschafft hätten, wurden die Schwächen des aktuellen Systems zu Schwächen des Systems an sich. Was aber soll am Auspuff eines „Trabant“ den Reiz des Idealen haben???

Auch wenn mir einige Genossen da widersprechen mögen: Natürlich war die Blockadepolitik der USA gegenüber Kuba ein das System stabilisierendes Element, zeigte es doch sozusagen Tag für Tag, dass man sich „im Krieg“ befand (und befindet).

Natürlich gibt es auch rein innere Probleme. Aber das Gros aller Schwächen des koexistierenden Frühsozialismus erwächst direkt oder indirekt aus der Mitexistenz eines grundsätzlich feindlichen Systems. Mit etwas Phantasie kann man das verstehen – so wie man verstehen kann, dass die positiven Seiten des früheren BRD-Kapitalismus, jene Erscheinungen, die den anfechtbaren Begriff „soziale Marktwirtschaft“ begründeten, umgekehrt aus der System-Koexistenz erwuchs... und deshalb auch heute nichts Anderes als eine Phrase sein kann.



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Donnerstag, 19. märz 2009
 

In der Legende „freier“ Märkte schlagen die Beschöniger des Kapitalismus alle Rekorde.

Es ist ein eigenes dickes Buch, den Fakt akribisch von Beispiel zu Beispiel zu verfolgen: Dort wo der „Markt“ in einem geschlossenen System am „freiesten“ war, war er dies meist dank knallharten Protektionismusses nach draußen; damit sich starke innere Unternehmen entfalten konnten, wurde gegen die äußere Konkurrenz abgeschirmt. Die meisten knallharten neoliberalen Denksysteme enthalten irgendeine Hintertür, durch die die Staaten indirekt den eigenen Erfolg sichern. Diese „Freiheit“ hat natürlich auch eine Rückseite: Derjenige, de der starke äußere Konkurrent ist, ist natürlich derjenige, der auf die Beschränkungen des Marktes mit Stinkefingern zeit (während er umgekehrt gern Subventionen kassiert).

Wohin eine wirklich freie Marklücke führt, zeigte der kometenhafte Aufstieg des Bill Gates. Au Grund der Entwicklungsgeschwindigkeit war dort eine defacto Monopolstellung erreicht, bevor „Regulierungsbehörden“ als Begrenzer des „freien“ Marktes eingriffen.

Somit sind wir wieder beim Prinzip der Mythenbildung (Bill Gates ist natürlich das positive Beispiel, dass man mit einer „Idee“ ganz groß werden kann) und der Selbstbehauptungskräfte des Alten. Es ist dabei kein Zufall, dass der Niedergang des „Realsozialismus“ zu einer Zeit begann, als die (an sich durchaus zweifelhaften) Autarkiebestrebungen aufgegeben wurden. Die Integration in ein kapitalistisches System ist unsichtbar gekoppelt mit der Transformation zu kapitalistischen Wirtschafts- und Lebensbeziehungen.


Wie ist dem entgegen zu wirken?

Das komplizierteste Problem ist das der relativen Autarkie. Die Entwicklung verschiedener teils alberner Substitutionsindustrien in der DDR beruhte ja darauf, dass zuvor die Grundlagen im Westteil des vorigen Deutschlands produziert wurden und dann die langfristigen Wirtschaftsbeziehungen kurzfristig gekappt wurden, um den Osten in die Knie zu zwingen. Kurzfristig ist dies zwar nicht geglückt; es kam zu schwerwiegenden Störungen, aberdiese Störungen hatten durchaus auch langfristige Folgen. (Heute lachen wir nur über den Papp-Trabant.)

Man müsste sich also gezielt von wirtschaftlicher Abhängigkeit lösen – ein für die globalisierte Weltwirtschaft bzw. die Menschheitsentwicklung an sich schädlicher Prozess.

Die Abhängigkeit besteht allerdings auch, wenn man nicht von Zulieferungen abhängig ist, sondern selbst auf die Abnahme der eigenen Rohstoffe durch den kapitalistischen Markt angewiesen ist.


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