Venezuela
Um immer die aktuellsten Nachrichten über Venezuela zu erhalten klicken Sie hier.
Gesamtüberblick hier
Vereint zum Sozialismus
Von Harald Neuber
Gesamtüberblick hier
Vereint zum Sozialismus
Integrationsfigur: Venezuelas Präsident Hugo Chávez hat die »bolivarische Revolution« gestartet
Foto: AP
|
Die Gründung der PSUV ist das wichtigste Vorhaben von Präsident Hugo Chávez, seit eine von ihm vorgeschlagene Reform der Verfassung Anfang Dezember gescheitert ist. Die Niederlage wurde seiner Regierung von der eigenen Basis beigebracht. Drei Millionen Venezolanerinnen und Venezolaner, die bei den Präsidentschaftswahlen im Vorjahr für eine der Regierungsparteien gestimmt hatten, sind bei dem Konstitutionsreferendum über eine Neufassung zu Hause geblieben.
Für die linken Kräfte muß dieses Ergebnis Konsequenzen für das gemeinsame Parteiprojekt haben. Die Entscheidungen in der PSUV dürften nur von der Basis getroffen werden, wird Marcos Sosa, Koordinator der »Bolivarischen Zirkel« im Bundesstaat Aragua, in der Landespresse zitiert. Er will mit alten Strukturen brechen: »Bei der Auswahl von Kandidaten müssen wir einen neuen Mechanismus entwickeln, um der Parteibasis die Entscheidungsgewalt zu geben – sei es durch Vorwahlen, interne Umfragen oder das Konsensprinzip«. Ähnlich äußert sich Hipólito Abreu von der Tupamaro-Bewegung. Auf dem Gründungsparteitag träfen »erhaltende« und »erneuernde« Kräfte aufeinander, sagt er. Und weiter: »Die Frage ist, inwieweit wir von der Basis die Erneuerung durchsetzen können«.
Der Charakter der Megalinkspartei PSUV wird nach Ansicht politischer Basisgruppen über die Zukunft des venezolanischen Sozialismus entscheiden. Die Wahlenthaltung beim Referendum, meinen sie, war vor allem der Enttäuschung über Korruption im Regierungs- und Staatsapparat geschuldet. Dieses Problem verfolgt den Chavismus von Beginn an, denn die »bolivarische Revolution« basiert institutionell wie ideologisch auf überkommenen Strukturen. Die nicht nur für die venezolanische Linke zentralen Fragen sind also: Wie kann mit dem ehernen Gesetz der Oligarchie gebrochen werden, das auch in fortschrittlichen Parteien die Führung einer Minderheit überläßt, die der bestehenden Ordnung schnell näher steht als dem politischen Auftrag? Wie kann eine Parteistruktur demokratisch von der Basis kontrolliert werden? Marcos Sosa etwa fordert nicht ohne Grund die Trennung von Parteiamt und politischem Mandat in der PSUV.
Präsident Chávez erklärte am vergangenen Sonntag, daß diese Fragen auch die Regierung beschäftigen. Er kündigte an, das Tempo der politischen Reformen nach dem Scheitern der Verfassungsreform zu verringern. Dies sei nötig, um zunächst »die Organisation der Massen und das Bewußtsein« zu stärken. »Erst wenn wir das bewältigt haben, können wir das Marschtempo wieder erhöhen.«
"junge Welt", 12.01.2008 / Titel / Seite 1
Nicht uninteressant vielleicht die Texte der Gruppe Arbeitermacht zu Venezuela
Abstimmungsniederlage gefährdet Chavez Projekt
Ist das Volk noch nicht reif für den Sozialismus
PSUV: Eine sozialistische Partei?
Führt Chavez eine sozialistische Revolution?
Werbung
