Zu 2014: Wie sieht man Geschichte an? (1)

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Wir haben wieder einmal ein Jubiläumsjahr vor uns. 100 Jahre, nachdem der 1. Weltkrieg „ausbrach“, wird ein Tsunami pseudowissenschaftlicher Betrachtungen über uns kommen, die sich in einem einig sein werden: Deutschland war unschuldig, denn Deutschland ist unschuldig.

Man lässt dann eventuell noch die Wahl zwischen „nicht schuldiger als die anderen“ und „so unschuldig wie die anderen“. Die lustigste Erklärung ist die, dass der Attentäter von Sarajewo der Schuldige gewesen sei und dann seien die einzelnen Länder durch ihre jeweiligen „Verteidigungsbündnisse“ „in den Krieg hineingezogen“ worden. Das Lustige daran: Man suche doch bitte denjenigen, der aus dieser These den LOGISCHEN Schluss zieht: Sofort raus aus der NATO und allem, was man als „Verteidigungsbündnis“ verstehen könnte. Das scheint dann die „Verantwortung“ für die deutschen Rohstoffreserven in aller Welt nicht zu erlauben.

Womit man beim „Sinn“ von Geschichte angekommen ist.

Kaum eine „Wissenschaft“ ist dermaßen mit Ideologie überladen wie die Geschichte. Natürlich wird gerade hier das Propagandistische besonders gern geleugnet.

Dabei ist die Vermittlung geschichtlichen Wissens ohne „Klassenstandpunkt“ gar nicht möglich – und zwar als ideologische Position des Vermittelnden als auch als Manipulation dessen, der unschuldig zuhört.

Das beginnt schon meist unbemerkt mit den Brechtschen „Fragen eines lesenden Arbeiters“ „... Der junge Alexander eroberte Indien. Er allein? ...“. Bereits mit der gängigen Ausdrucksweise wird ja bereits Ideologie vermittelt – erst einmal, dass die Herrscher alles, die Ausführenden aber nichts waren. Dies ist ein Problem, das für Systeme mit zu erziehenden Untertanen normal ist, aber weil die Ideologie der Herrschenden die herrschende Ideologie ist, auch von den Untertanen nachgeplappert wird.

In großem Stil taucht das Problem der Selektion auf. Es ist in vergangenen Zeiten so viel geschehen, dass man auswählen muss, womit man sich beschäftigt und womit nicht. Was also wird für wichtig erklärt und was zur Randglosse. Hiergegen kann sich keiner wehren. Man muss dabei scharf hinsehen, wer welche Ereignisse ausgesucht hat und wer innerhalb eines großen Ereignisses welches Vorkommnis in welcher Form auswählte. Das kann unterschiedlich fein erfolgen. Die feinste Form wäre die, in einer Sendung aus dem Off zu erzählen, dass es Grausamkeiten auf beiden Seiten gegeben hat, die Gräueltaten der Revolutionäre Reaktion auf vorangegangenen Terror waren (also u.U. eine historisch korrekte Einordnung), um dann bildlich den Revolutionsterror lange vorzuführen, damit die rational richtige Wertung durch emotionale Darstellungen wieder aufgehoben werden.

 

Schlimm ist es, wenn die Geschichte eines Landes für die Produktion eines Wir-Gefühls eingesetzt wird.

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